Private Debt und Banken in der Restrukturierung: erste Einblicke aus unserer Studie

Die wirtschaftliche Ausgangslage bleibt im Jahr 2026 herausfordernd. Die Konfliktlage im Nahen Osten verstärkt eine ohnehin angespannte Gemengelage für Unternehmen.

So sehen die Teilnehmer unserer Restrukturierungsstudie dieses Jahr geopolitische Risiken als zentrale Herausforderung für die Unternehmen – neben Faktoren wie Kosteninflation und einer allgemeinen Abschwächung des weltweiten Handels. Gleichzeitig steigt durch strukturelle Transformationsanforderungen der Finanzierungsbedarf für Unternehmen.

Für viele Unternehmen entsteht daraus hierbei ein schwieriger Finanzierungskontext: steigender Kapitalbedarf trifft auf restriktivere Kreditvergabe zu gleichzeitig höheren Finanzierungskosten. Private Debt kann in solchen Fällen die Finanzierungslandschaft ergänzen. Hierbei bewegt sich Restrukturierungslandschaft in einem Spannungsfeld zwischen klassischen Banken und Private-Debt-Fonds. Banken bleiben zentrale Finanzierungspartner vieler Unternehmen, stoßen in Krisensituationen jedoch häufiger an regulatorische oder risikopolitische Grenzen. Private-Debt-Fonds wiederum treten zunehmend als alternative Kapitalgeber auf – allerdings mit eigenen Entscheidungslogiken, Renditeanforderungen und Governance-Strukturen.

Die ersten vorläufigen Ergebnisse unserer diesjährigen Restrukturierungsstudie liefern hierzu interessante Einblicke.

Private Debt gewinnt weiter an Bedeutung, ersetzt Banken jedoch nicht

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist, dass Marktteilnehmer Private-Debt-Fonds künftig eine deutlich größere Rolle im Finanzierungsmix von Unternehmen zutrauen. Gleichzeitig werden Banken weiterhin als Stabilitätsanker wahrgenommen. Private Debt entwickelt sich also nicht zu einem vollständigen Ersatz für Banken, sondern ergänzt die bestehende Finanzierungslandschaft.

Unterschiedliche Rollen im Krisenfall

Interessant ist zudem die Wahrnehmung der unterschiedlichen Fähigkeiten der Finanzierer im Krisenfall. Während Banken insbesondere mit Stabilität und Verlässlichkeit in Verbindung gebracht werden, sehen viele Teilnehmer Private-Debt-Investoren stärker in der Rolle von Akteuren mit ausgeprägten Krisenlösungsfähigkeiten. Dies passt zu den unterschiedlichen Entscheidungslogiken der beiden Gruppen: Banken agieren häufig stärker aus der Perspektive bestehender Kreditbeziehungen und regulatorischer Anforderungen. Private-Debt-Investoren hingegen verfolgen klar definierte Rendite- und Exitstrategien. Diese unterschiedlichen Rollen können in Restrukturierungen sowohl Reibung als auch Mehrwert erzeugen.

Kooperation als Erfolgsfaktor

Die Ergebnisse unserer Umfrage deuten darauf hin, dass die Auswirkung dieser Entwicklung weniger in einem Wettbewerb zwischen Banken und Private Debt liegen sollte, sondern vielmehr in einem Mehrwert für alle Beteiligten durch eine funktionierende Zusammenarbeit. Banken können Stabilität, günstigere Finanzierungen und langfristige Kundenbeziehungen einbringen. Private-Debt-Investoren wiederum verfügen häufig über eine höhere Geschwindigkeit, zusätzliche Kapitalquellen sowie Erfahrung in komplexen Turnaround-Situationen. In vielen Restrukturierungen kann so eine komplementäre Rollenverteilung entstehen.

Entscheidend für den Erfolg solcher Konstellationen ist jedoch, dass alle Finanzierungspartner ein gemeinsames „Endgame“ definieren. Entscheidungen zu Laufzeiten, Covenants, Kapitalstruktur oder Exit-Perspektiven müssen häufig unter hoher Unsicherheit getroffen werden. Wenn Banken und Private-Debt-Investoren dabei unterschiedliche strategische Zielbilder verfolgen – etwa hinsichtlich Zeithorizont, Risikoappetit oder Exitstrategie – entstehen schnell Interessenkonflikte.

Erfolgreiche Restrukturierungen zeichnen sich mithin dadurch aus, dass frühzeitig ein gemeinsames Zielbild für den Sanierungspfad des Unternehmens und die Kapitalstruktur definiert wird. Dieses „Shared Endgame“ schafft Orientierung für alle Beteiligten und erleichtert es, operative Maßnahmen und Finanzierungsentscheidungen konsistent darauf auszurichten. Wie immer ist der entscheidende Erfolgsfaktor dabei eine proaktive, transparente und lösungsorientierte Kommunikation zwischen dem Unternehmen und allen Finanzierungspartnern, um das notwendige Vertrauen aufzubauen.