Nvidia-Chef Jensen Huang: Mit einem Trick wird der Chipriese zum Gewinner des 100-Milliarden-Deals. (Optik: Luisa Bomke | ChatGPT)
Warum das wichtig ist? Mit dem Geld will OpenAI-Chef Sam Altman gigantische Rechenzentren errichten, die zusammen zehn Gigawatt Strom verbrauchen werden. Das entspricht etwa fünf Millionen Spezialchips von Nvidia oder der Leistung von zehn Atomkraftwerken und ist sogar weit mehr, als Microsoft und Google mit ihren Rechenzentren benötigen.
„Recheninfrastruktur wird die Grundlage für die Wirtschaft der Zukunft sein“, sagte der OpenAI-Chef. Nvidias Aktienkurs stieg nach der Ankündigung um knapp vier Prozent.
Doch hier kommt der Twist: Hinter der Struktur verbirgt sich eine Art Taschenspielertrick. Mit dem Geld von Nvidia baut OpenAI neue Rechenzentren, die wiederum mit Nvidias Chips bestückt werden. Die KI-Prozessoren machen nach Angaben von Nvidia-Chef Jensen Huang 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten eines neuen Rechenzentrums aus. Das ist wichtig zu verstehen: Denn solche Deals sind Teil des ganzen Geheimnisses hinter dem KI-Boom.

Sam Altman: Der OpenAI-Gründer hat in dieser Woche Infrastrukturausgaben in Höhe von 850 Milliarden Dollar bekannt gegeben. (Foto: Getty Images via AFP)
Genauer betrachtet sieht die Rechnung wohl so aus: Wenn OpenAI Rechenleistung von einem Gigawatt aufbauen will, braucht es Chips im Wert von 35 Milliarden Dollar. Nvidia steuert bei jedem zusätzlichen Gigawatt an Rechenleistung zehn Milliarden als Beteiligung bei. Das heißt: OpenAI muss nur knapp drei Viertel seiner Chips in bar zahlen und erhält den Rest gegen Anteile. Nvidia wiederum finanziert mit seinem Investment direkt die Nachfrage nach seinen eigenen Chips. Man kann sagen: Das Geld wandert praktisch von der rechten Tasche in die linke Tasche.
Analysten der Bank of America sprechen bei dem Deal von offenen Fragen in der Buchführung. Warum Sie langfristig trotzdem mit zusätzlichem Umsatz in Höhe von 300 Milliarden bis 500 Milliarden Dollar für Nvidia rechnen.
Noch ungewöhnlicher: Laut dem Nachrichtenmagazin „The Information“ verhandeln beide Seiten über ein Leasing-Modell. OpenAI würde die Chips künftig nicht mehr kaufen, sondern mieten. Das senkt den Kapitalbedarf des Start-ups und bindet es noch enger an Nvidia.
Damit ist klar: Es geht nicht um eine klassische Finanzbeteiligung, sondern um einen strategischen Schachzug. OpenAI finanziert seine nächste Modellgeneration und baut sich Infrastruktur jenseits von Microsoft und Oracle auf. Nvidia bindet den wichtigsten KI-Entwickler enger an sich, definiert Standards und sichert sich Einfluss bei Standort- und Energiefragen.
Nvidia-Chef Jensen Huang sagte bei der Ankündigung am Montag: „Nvidia und OpenAI haben sich seit einem Jahrzehnt gegenseitig vorangetrieben.“ Die nun geplante „Infrastrukturpartnerschaft markiert den nächsten Sprung nach vorn“.
Nvidia-Chef Jensen Huang: Mit dem OpenAI-Deal vergrößert der Nvidia-Manager den Einfluss seines Konzerns. (Foto: AFP)
Noch ist der Deal nicht unterschrieben, doch schon jetzt häuft sich die Kritik:
- Kartellrechtsexperten warnen vor einer Marktverzerrung: Nvidia könnte OpenAI bevorzugt mit Hardware beliefern und die Dominanz beider Konzerne weiter ausbauen.
- Außerdem sei die Dimension der Infrastruktur-Ankündigungen von OpenAI zu groß: Nur einen Tag nach dem Deal mit Nvidia kündigte Altman an, dass Oracle, Softbank und OpenAI fünf Rechenzentren für das Projekt Stargate bauen und dafür 300 Milliarden Dollar investieren werden. Der US-Fernsehsender CNBC berichtet, dass sich die Gesamtpläne für OpenAIs Infrastruktur inzwischen auf 850 Milliarden Dollar summieren. Für viele Beobachter ist das ein Alarmsignal: Ein Ausbau dieser Größenordnung könnte Anzeichen einer Überhitzung oder gar Blase sein.
Altman weist das zurück. Die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz steige exponentiell, sagt er, allein ChatGPT werde zehnmal so viel genutzt wie noch vor 18 Monaten. In seinen Augen rechtfertigt das den radikalen Ausbau.
Der Deal zeigt, wie eng Finanzströme und Technologie im KI-Boom verflochten sind. Sicher ist: Mit dieser Partnerschaft verschiebt sich das Machtzentrum der KI-Infrastruktur ein weiteres Stück in Richtung Nvidia.
Informationen rund um den Deal von OpenAI und Nvidia finden Sie hier.
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