Deutschlands Fähigkeit, die Bundeswehr und verbündete militärische Kräfte schnell zu verlegen, ist entscheidend für Europas Sicherheit. Einen Lösungsansatz liefert die Studie „Privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit für ein verteidigungsfähiges und resilientes Deutschland – Logistische Drehscheibe Deutschland“, erarbeitet von der Management- und IT-Beratung MHP, dem zentrum Nachhaltige Transformation der Quadriga Hochschule Berlin und der Bundeswehr-eigenen Beratung BwConsulting.
Die Studie hebt Deutschlands Funktion als zentrale logistische Drehscheibe der NATO hervor: Im Krisenfall müssen innerhalb von nur sechs Monaten bis zu 800.000 Soldaten sowie Ausrüstung und Waffensysteme quer durch das Land transportiert, versorgt und koordiniert werden. Dies würde eine operative Komplexität erzeugen, die den Staat, vor allem die Bundeswehr, an die Grenze bringen könnte. Durch enge privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit (PMZ) kann diesem Problem entgegengetreten werden. Länder wie Finnland, Schweden, die Niederlande und das Vereinigte Königreich binden bereits heute ihre Unternehmen in die Verteidigungsplanung ein. Diese internationalen Best Practices zeigen, welche Parameter eine PMZ erfolgreich machen: Klare Governance, rechtlich geregelte Rollen, Integration in Planung und Übung, ein gemeinsames Lagebild und Anreizmechanismen.
Zivile und militärische Kapazitäten neu koordinieren
Für die umfangreichen logistischen Anforderungen skizziert die Studie einen möglichen Lösungsansatz – die Digitale Versorgungsdrehscheibe Deutschland: Die Plattform führt militärische Bedarfe und privatwirtschaftliche Kapazitäten strukturiert zusammen. Sie überträgt erprobte Industriemechanismen auf die gesamtstaatliche Versorgung.
Viele Unternehmen setzen bereits auf Simulationen, digitale Zwillinge, hybride Bestandsstrategien und klar definierte Eskalationsprozesse, um komplexe und zugleich resiliente Lieferketten zu gewährleisten. Kern der Digitalen Versorgungsdrehscheibe ist ein digitaler Zwilling der privatwirtschaftlichen Logistik, also eine Abbildung realer Transport-, Lager- und Versorgungskapazitäten aus Daten der Unternehmen. Das aktuelle Lagebild ermöglicht gezielte Steuerung und die Identifikation von Engpässen in Echtzeit. Voraussetzung dafür ist ein vertrauensvoller, rechtlich abgesicherter Rahmen, der den sicheren Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Staat erlaubt.
Die notwendige IT-Infrastruktur und die Technologien sind bereits verfügbar: „Hier bringt MHP langjährige Erfahrung aus der Automobil- und Fertigungsindustrie ein. Diese Branchen zeigen, wie Resilienz, Effizienz und Steuerbarkeit gelingen. Für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands ist dieses Wissen entscheidend“, sagt Henning Schulze, Partner bei MHP. „Die Studie verdeutlicht, wie sich das Potenzial – etwa durch digitale Zwillinge und Simulationen – praktisch nutzen lässt.“
Klare Handlungsempfehlungen
Die Studie beschreibt in konkreten Schritten, wie die Verbindung aus militärischer Planung, klarer Governance und industrieller Leistungsfähigkeit umgesetzt werden kann – datenbasiert, interoperabel und partnerschaftlich. Henning Schulze: „Deutschland hat die Konzepte, die Mittel und die Partner – Verteidigungsfähigkeit entsteht dabei nicht allein durch Aufrüstung, sondern durch Zusammenarbeit.“