Deutschlands Fähigkeit, die Bundeswehr und Soldaten schnell zu verlegen, ist entscheidend für Europas Sicherheit. Einen Lösungsansatz liefert die Studie „Privatwirtschaftlich-militärische Zusammenarbeit für ein verteidigungsfähiges und resilientes Deutschland – Logistische Drehscheibe Deutschland“, erarbeitet von der Management- und IT-Beratung MHP, dem zentrum Nachhaltige Transformation der Quadriga Hochschule Berlin und der Bundeswehr-eigenen Beratung BwConsulting.
Im Krisenfall müssten innerhalb von nur sechs Monaten bis zu 800.000 Soldaten sowie Ausrüstung und Waffensysteme quer durch das Land transportiert, versorgt und koordiniert werden. Diese operative Komplexität lässt sich nur mittels enger privatwirtschaftlich-militärischer Zusammenarbeit (PMZ) bewältigen.
Als logistische Lösung skizziert die Studie eine Digitale Versorgungsdrehscheibe Deutschland: Die Plattform führt militärische Bedarfe und privatwirtschaftliche Kapazitäten zusammen und nutzt dabei erprobte Industriemechanismen. Kern ist ein digitaler Zwilling der privatwirtschaftlichen Logistik, also eine Abbildung realer Transport-, Lager- und Versorgungskapazitäten aus Daten der Unternehmen. Voraussetzung dafür ist ein vertrauensvoller, rechtlich abgesicherter Rahmen, der den sicheren Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Staat ermöglicht.
Die notwendige IT-Infrastruktur und die Technologien sind bereits verfügbar: „Hier bringt MHP langjährige Erfahrung aus der Automobil- und Fertigungsindustrie ein. Diese Branchen zeigen, wie Resilienz, Effizienz und Steuerbarkeit gelingen können“, sagt Henning Schulze, Partner bei MHP.
Sechs Handlungsempfehlungen
Die Studie beschreibt, wie sich eine erfolgreiche PMZ organisieren lässt – datenbasiert, interoperabel und partnerschaftlich.
1. Politisch-administrative Verankerung und offene Architektur
Funktionierende PMZ benötigt eine Trägerschaft mit gesamtstaatlicher Perspektive. Der Nationale Sicherheitsrat sowie das vorgesehene Nationale Lagezentrum im Bundeskanzleramt könnten die Informationen, Bedarfe und Prioritäten aus Bund, Ländern, Wirtschaft und Streitkräften zusammenführen. Lösungen wie die Digitale Versorgungsdrehscheibe Deutschland benötigen zudem eine offene, modulare Architektur ohne proprietäre Hürden.
2. Daten- und Bereitstellungsrahmen für privatwirtschaftliche Partner
Privatwirtschaftliche Partner verfügen über versorgungsrelevante Daten, etwa zu Flächenverfügbarkeit, Transportkapazitäten, Umschlagpunkten, Reaktionszeiten oder Dienstleistungsreserven. Es braucht klar definierte, rechtlich tragfähige Modelle für die Bereitstellung dieser Informationen.
3. Integration privatwirtschaftlicher Leistungsdaten in das Lagebild
Um die Fähigkeiten der Privatwirtschaft bestmöglich zu nutzen, ist eine Übersicht über Ressourcen und Kapazitäten unerlässlich. Lösungen wie die Digitale Versorgungsdrehscheibe brauchen dynamische Rückmeldungen aus privatwirtschaftlichen Systemen, um ein valides Versorgungslagebild zu erzeugen.
4. Anreize zur privatwirtschaftlichen Mitwirkung
Die Integration der Privatwirtschaft kann nur mit verlässlichen staatlichen Anreizstrukturen gelingen. Mit dem Auftrag zur Einrichtung von „Convoy Support Centers“ durch Rheinmetall und der Einbindung in die Übungen der Streitkräfte testet die Bundeswehr bereits eine Lösung für solche Aufgaben. Kooperationen dieser Art gilt es zu standardisieren und auszubauen.
5. Pilotprojekte entlang definierter Drehscheibenachsen
PMZ-Ansätze sollten gezielt weiterentwickelt und skaliert werden. Entlang definierter logistisch-strategischer Achsen können Datenintegration, Vertragsmechanismen und Kooperationslogiken in den Sektoren Logistik, Energie, IT usw. erprobt werden.
6. Aufbau eines gesamtstaatlichen Kooperationsmodells
Langfristig sollten PMZ-Elemente wie die Digitale Versorgungsdrehscheibe in ein tragfähiges Kooperationsmodell zwischen Staat und Privatwirtschaft eingebettet werden.
Henning Schulze, MHP: „Deutschland hat die Konzepte, die Mittel und die Partner – Verteidigungsfähigkeit entsteht dabei nicht allein durch Aufrüstung, sondern durch Zusammenarbeit.“