Artikel aus dem Handelsblatt Journal RESTRUKTURIERUNG vom 15.05.2025
Das Insolvenzverfahren sorgt hier für eine Marktbereinigung, indem es nicht überlebensfähige Unternehmen ausscheiden lässt. Gleichzeitig kommt es zur Aufhebung der Bindung dringend benötigter Ressourcen, die nun freigesetzt und effizienter allokiert werden können.
Fachkräftemangel: Insolvenzerfahren als Chance
Eines der wesentlichen strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft ist der Fachkräftemangel. Nach der ifo Konjunkturumfrage aus Februar 2025 erhalten derzeit ca. 28,3 Prozent der Unternehmen zu wenig qualifizierte Arbeitskräfte. Nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft werden bis 2027 rund 728.000 Fachkräfte fehlen – Tendenz steigend.
Die Konsequenzen: Produktionsengpässe, steigende Arbeitskosten, sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Insolvenzverfahren können hier zur Mobilisierung beitragen, indem sie Fachkräfte aus nicht wettbewerbsfähigen Unternehmen für innovative und wachstumsstarke Betriebe verfügbar machen.
Kapital muss dorthin, wo es Wert schafft
Auch auf der Kapitalseite kann das Insolvenzverfahren bei der Beseitigung von Marktverzerrungseffekten helfen. In einem Umfeld gestiegener Finanzierungskosten ist die Fehlallokation von Kapital besonders kritisch. Denn dieses fehlt dort, wo es Produktivität und Wertschöpfung erzeugen könnte.
Ein Insolvenzverfahren kann diese Kapitalbindung bei nicht mehr wettbewerbsfähigen Unternehmen frühzeitig verhindern oder teilweise auflösen. Die freigesetzten Ressourcen können für wettbewerbsfähige Unternehmen zur Verfügung gestellt werden und in den Zukunftsmärkten für Aufschwung sorgen.
Keine Tabuisierung des Scheiterns
Die Insolvenz ist also notwendiger Bestandteil einer dynamischen Marktordnung. Sie ermöglicht Strukturwandel, verhindert Ressourcenverschwendung und stärkt letztlich die Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtwirtschaft.
