Lieferverträge zwischen Resilienz und Compliance

Das Thema Resilienz der Lieferketten ist in aller Munde. Gleichzeitig hat die Politik durch nationale, aber auch europäische Gesetzgebung die regulatorischen Anforderungen an die Compliance in der Lieferkette verschärft.

Komplexe Lieferketten in der Automobilindustrie

Die Lieferketten in der Automobilindustrie sind meist sehr lang und grenzüberschreitend. Aufgrund des Konzepts der Just-in-Time und Just-in-Sequenz Belieferung ist allerdings das Funktionieren der Lieferkette essenziell. Gerade in jüngerer Vergangenheit kommt es immer wieder zu Problemen in der Lieferkette aufgrund geopolitischer Gegebenheiten, wie die Attacken der Huthi Miliz auf Schiffe, aber auch die Auswirkungen des Klimawandels, beispielsweise durch Überschwemmungen von Werken.

Regulatorische Anforderungen

Durch das LkSG sind die Automotiv OEMs und entsprechend deren Zulieferer gegenüber ihren Sublieferanten verpflichtet, die Einhaltung von Menschenrechte in der Lieferkette sicherzustellen. Dies erfordert umfangreiche Risikoanalysen, aber auch die Vorsorge in den entsprechenden Lieferverträgen. Diese Verpflichtung werden zukünftig durch die CSDDD auch auf weitere Vorlieferanten in der Kette erstreckt.

Preisdiskussionen

Die Umstellung auf Elektromobilität bei auf absehbare Zeit fortgesetzter Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren führt dazu, dass teils über längere Zeiträume als ursprünglich geplant zu liefern ist, teils aber auch dazu, dass sich ursprünglich geplante Volumen verändern, was wiederum zu Kostensteigerungen führen kann. Vor diesem Hintergrund kommt es vermehrt zu Preisdiskussionen innerhalb der Lieferkette.

Vertragliche Vorsorge wichtiger denn je

Die vorstehenden Punkte zeigen, dass die Veränderungen der letzten Jahre die bestehenden und seit Jahrzehnten bewährten Vertragskonstrukte in der Automobilzuliefererindustrie vor Herausforderungen, zumindest aber auf den Prüfstand stellen. Dies wird teilweise auch dadurch befeuert, dass gerade bei der Elektromobilität Lieferanten aus anderen Branchen, mit anderen Vertragsstandards mit den Gepflogenheiten in der Automobilzuliefererindustrie konfrontiert sind und umgekehrt. Vertragliche Absicherung und gegebenenfalls auch die Überprüfung Althergebrachtem zur Absicherung der Zukunftsfähigkeit ist also elementar.

CMS

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Im Vergleich zu den Investitionen der USA und China in Industrie, Forschung und Entwicklung sowie Konsumentenförderung bleibt Deutschland zurück und riskiert, seine Schlüsselindustrie, die Automobilindustrie, ins Abseits drängen zu lassen.

Dr. Gerald Gräfe Partner und Rechtsanwalt, CMS Deutschland
Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Die Zukunft der Automobilindustrie“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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