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Herr Blair, ein altes Sprichwort sagt: „Jede Zeit sucht sich ihre Anführer.“ Welche Führungspersönlichkeiten brauchen wir in der aktuellen Ära eines radikalen technologischen Wandels, eines immer stärker werdenden Populismus und zahlreicher Konflikte rund um den Globus?
Erstens brauchen wir Führungspersönlichkeiten, die die Bedeutung des technologischen Wandels und seiner unendlichen Möglichkeiten und Risiken verstehen. Politische Führer müssen aber auch eine klare Richtung vorgeben. Das ist gerade heute besonders wichtig. In Zeiten des Wandels ändern sich die Länder, oder sie geraten ins Hintertreffen. Das Schwierigste in der Politik ist es, diese Veränderungen zu bewirken.
Sie wünschen sich also mehr Mut und Entschlossenheit von unseren Führungseliten?
Unbedingt. Im Moment brauchen wir eine wirklich mutige Führung. Diese Ära des technologischen Wandels wird alles auf der Welt verändern. Sie wird die Art und Weise verändern, wie wir leben, wie wir arbeiten, wie wir miteinander umgehen, und sie wird die Machtdynamik in der Welt verändern.
Wir wissen bislang noch wenig über die Risiken neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI). Sollten wir deshalb vorsichtiger vorgehen?
Nein, wir müssen mutig sein. Wir erleben gerade, wie generative Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert. In den nächsten Jahren wird uns allgemeine KI auf eine ganz neue Ebene heben. Da es sich um eine Allzwecktechnologie handelt, kann sie sowohl zum Guten als auch zum Schlechten eingesetzt werden.
Wo sehen Sie heute mutige Führungspersönlichkeiten, die Tempo machen und den technologischen Wandel entschlossen vorantreiben?
Die findet man eher in kleineren Ländern wie Singapur oder Estland. Aber auch in Indien, wo Premierminister Narendra Modi einen digitalen Ausweis eingeführt hat. Er hat es damit geschafft, das Leben für ein Land mit über einer Milliarde Menschen zu vereinfachen. Auch in den USA findet man diese Art von Leadership.
Aber nicht in Europa?
Viele europäische Führer verstehen, was der technologische Wandel bedeutet. Aber sie tun sich sehr schwer, ihre Systeme zu verändern.
Woran liegt das?
Jeder Regierungschef muss sich heute fragen, ob die technologische Revolution die alles überragende Herausforderung unserer Zeit ist. Viele halten den technologischen Wandel zwar für wichtig, aber das reicht nicht. Entscheidend ist, ob wir unsere Politik darauf ausrichten, die Chancen zu nutzen und mit den Gefahren umzugehen.
Und Europa tut das nicht?
Amerika, China, selbst Indien unternimmt enorme Anstrengungen, um den technologischen Wandel voranzutreiben. Aber wo ist Europa? Großbritannien hat die technologischen Fähigkeiten, aber auch wir müssen Veränderungen vornehmen, um unsere Position bei der Künstlichen Intelligenz zu halten.
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