1. Was sind für Sie aktuell die größten Herausforderungen im Banking?
Ich sehe drei zentrale Punkte:
- Der Spagat zwischen Regulatorik und Innovation: Die regulatorischen Anforderungen in Europa (Stichwort: MiFID II/III, DORA, KI-Verordnung) wachsen nach wie vor rasant. Die Herausforderung besteht darin, diese massiven Compliance-Kosten zu stemmen, ohne dass die Innovationskraft gelähmt wird.
- Das neue Selbstbewusstsein der Kunden: Nach Jahren der Nullzinsen haben Kunden inzwischen gelernt, dass ihr Geld wieder etwas wert ist – und schichten Gelder sehr flexibel dorthin um, wo es die besten Zinsen oder Renditen gibt. Wer hier nicht agil und transparent agiert, verliert die Kundenschnittstelle.
- „Generation Aktie“: Immer mehr Menschen realisieren die Bedeutung des Kapitalmarkts für den langfristigen Vermögensaufbau – und fordern Lösungen, die einfach, intuitiv und mobil sind. Das bedeutet den Abschied von starren, teuren und beratungsintensiven Produkten hin zu niederschwelligen, effizienten und volldigitalen Plattformen, die für eine langfristige Kundenbindung neben dem funktionalen Nutzen auch emotionalen Mehrwert im Sinne von Vertrauen und „Financial Wellbeing“ aufbauen müssen.
2. Was meinen Sie, wie sieht Banking in 5 oder 10 Jahren aus?
Auch hierzu drei Aspekte:
- Plattform-Ökonomie statt Silos: Die klassische Trennung zwischen Girokonto, Tagesgeld, Wertpapierdepot und Kreditgeschäft wird sukzessive verschwinden – Banking wird vollkommen integriert und plattformbasiert sein. Kunden nutzen eine zentrale Schnittstelle, die im Hintergrund über entsprechende Programmierschnittstellen (APIs) die besten Angebote für Payment, Zinsen, Investments und Darlehen aggregiert.
- Hyper-Personalisierung durch KI und Daten: KI wird nicht mehr nur im Backoffice sitzen, sondern das Kundenerlebnis radikal verändern. Banking in zehn Jahren ist proaktiv, nicht reaktiv. Ein KI-gestützter Finanzcoach wird die Cashflows des Kunden in Echtzeit analysieren, Liquiditätsengpässe vorhersagen und Überschüsse automatisch – analog zu den erfassten Lebensumständen und Risikoprofilen – investieren.
- Demokratisierung der Kapitalmärkte: Der Trend zum selbstbestimmten Anlegen (Self-Directed Investing) wird sich vollends durchgesetzt haben. Durch den massiven Einsatz von Technologie und die Skalierung von Plattformen werden die Kosten für den Vermögensaufbau gegen Null tendieren. Vermögensaufbau wird kein Privileg für Wohlhabende mehr sein, sondern integraler Bestandteil des täglichen Lebens für die breite Masse.
Durch diese Trends wird sich die Diskrepanz zwischen technologiegetriebenen Anbietern mit extrem niedrigen Grenzkosten und traditionellen Instituten mit teurer Infrastruktur verschärfen. In 10 Jahren sehen wir einen Banking-Markt, der von wenigen paneuropäisch skalierten Digitalplattformen und hochspezialisierten Nischenplayern dominiert wird.
3. Verraten Sie uns etwas über sich, das die Teilnehmer noch nicht wussten? Ein Kindheitstraum, ein ungewöhnliches Hobby o.ä.
Mein erster Berufswunsch war: Marmeladenverkäufer. Meine Oma hatte einen großen Garten mit zwei Apfelbäumen und einem Birnbaum. Der „Business Case“ war, weitere Obstbäume zu pflanzen, aus den Früchten Marmelade zu kochen und diese durchs Küchenfenster zu verkaufen. Und das, obwohl ich Marmelade noch nie mochte…