Künstliche Intelligenz verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

Synthetische Inhalte stürzen uns in eine Vertrauenskrise. Was wir derzeit erleben, ist eine schleichende Verschiebung unseres digitalen Grundgefühls.

Künstliche Intelligenz verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. (Foto: HB/Sora)

Künstliche Intelligenz produziert Inhalte nicht nur schneller und günstiger, sondern auch in einer Qualität, die unsere bisherigen Prüfmechanismen aushebelt.

Weiter wird auf Bildern nach Hinweisen wie zu vielen oder zu wenigen Gliedmaßen gesucht, um zu erkennen, ob etwas echt ist. Doch dieser Trick funktioniert längst nicht mehr richtig – die KI ist zu gut geworden. Der Unterschied zwischen echt und künstlich erodiert.

KI-Systeme waren einst vor allem Werkzeuge, nun werden sie zunehmend zu Urhebern. Digitale Öffentlichkeit funktioniert nur, wenn eine minimale gemeinsame Gewissheit existiert: dass ein Bild einen realen Moment zeigt, dass ein Text von einem Menschen stammt, dass ein Video abbildet, was tatsächlich passiert. Diese Gewissheit geht gerade verloren. Ist das noch echt? Oder nur plausibel? Darüber wird inzwischen auch auf höchsten Ebenen diskutiert, etwa mit Pinterest-CEO Bill Ready. Das Problem ist nicht nur ästhetisch oder kulturell – es ist ökonomisch. Vertrauen ist eine Produktivkraft. Wenn es schwindet, wird Zusammenarbeit zäher, Kommunikation teurer, Entscheidungen langsamer.

Das Versprechen des KI-Zeitalters lautete, die Produktivität zu erhöhen. Doch es könnte genau das Gegenteil eintreten – und längst zeigt sich das im Arbeitsalltag.

E-Mail-Postfächer quellen über, vermutlich nicht nur bei einzelnen Personen. Die Texte sind formal korrekt, inhaltlich glatt, aber auffallend leer. Kommunikation wird simuliert, nicht geführt. Wie viele Nachrichten in einem Postfach stammen wohl von Robotern? 10 Prozent? 40 Prozent? 80 Prozent?

Interessant ist die Gegenbewegung: Je künstlicher digitale Räume werden, desto wertvoller wird das Analoge. Persönliche Begegnungen, direkte Gespräche und echte Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Vertrauen entsteht wieder über Nähe statt über Sichtbarkeit, über Erfahrung statt über Reichweite.


Informationen rund um dieses Thema finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien in unserem KI-Newsletter. Wenn Sie mehr solcher Artikel lesen möchten, abonnieren Sie gerne das KI-Briefing hier.