KI als Herzstück der softwaredefinierten Industrie

Wir erleben aktuell, wie sich die europäische Industrie scheinbar im freien Fall befindet. Die „sieben Plagen der Industrie“ sind im Tagesgeschäft angekommen: Unternehmen kämpfen mit geopolitischer Instabilität, Lieferkettenfragmentierung, äußerer Demokratieerosion, einem Mangel an Digitalsouveränität, demographischem Abschwung, der Klimakrise und einem Wettbewerbsdelta.

Zudem belasten hohe Zölle, strengere Abgasnormen, die schwache Nachfrage aus Asien und gedämpfte Erfolge in der E-Mobilität das Geschäft. Die Abhängigkeit von „fremdbestimmten“ Technologien wie Chips, Energiespeichern oder Kommunikationstechnik ist kritisch. Gleichzeitig verändern sich Kundenerwartungen und Zahlungsbereitschaft. Digitale Services und schnellere Updates bestimmen heute die Kaufentscheidungen, während hierzulande über Spaltmaße diskutiert wird. Viele junge Menschen streben zudem nicht mal mehr einen Führerschein an und viele Ältere können oder dürfen nicht mehr fahren.

Der Wandel als Chance: KI und Software im Fokus

Jede Krise birgt aber auch Erneuerungspotenzial. Künstliche Intelligenz (KI) gilt als Hoffnungsträger für den nächsten Technologiesprung der Industrie. Sie ist prominent im Hype Cycle vertreten und als Schlüsseltechnologie in der Hightech Agenda Deutschland der Bundesregierung verankert. Während bei der Industrie 4.0 noch Maschinenbau und Produktionstechnik im Fokus standen, erleben wir durch KI-Anwendungen und Software-definierte Produkte jetzt einen Paradigmenwechsel in der gesamten Industrie. Es reicht nicht mehr aus, Software einfach nur in Produkte zu integrieren, vielmehr werden technische Plattformen für softwarebasierte Systeme benötigt. Hierdurch stehen die Verantwortlichen unter massivem Transformationsdruck.

Die sechs entscheidenden Handlungsfelder

Unsere Analysen zeigen sechs Handlungsfelder für die industrielle Produktentwicklung und Leistungsbereitstellung, die über Profitabilität und Markterfolg entscheiden und konkrete Projekte in den nächsten drei bis fünf Jahren erfordern:

  • Ein starkes PLM (Product Lifecycle Management) mit ERP-naher Ausrichtung zur Steigerung des Industrialisierungsgrades für kostengünstige und variantenreiche Produkte.
  • Eine Lieferkettensteuerung, die Entwicklungspartner und Lieferanten in die eigenen Entwicklungsprozesse digital einbindet, um sie zu beschleunigen sowie Datenqualität, Kostenkontrolle und Nachweisfähigkeit zu steigern.
  • Systematische digitale Transformation, um die Digitalisierung als Gesamtprogramm zu organisieren und isolierte Insellösungen in einzelnen Fachprozessen zu vermeiden.
  • Umstellung auf Software-definierte Produkte, um kontinuierliche Deployment-Prozesse zu realisieren und eine marktangepasste Dynamik sowie digitale Kontrolle herzustellen.
  • Modernes Systems Engineering mit neuen Entwicklungsmethoden, die dem Anspruch einer software-definierten Industrie für sogenannte Systems of Systems (SoS) gerecht werden.
  • KI als Kerntechnologie, um Produktivitätssteigerungen, kontextuelle Hilfsfunktionen und Automatismen zu realisieren und die zuvor genannten Punkte zu unterstützen.

 

Für die Industrie ist es jetzt entscheidend, KI in Zentralsysteme zu integrieren, ohne ihre digitale Souveränität aufzugeben.

Dr. Patrick MüllerChief Customer Officer, CONTACT Software

KI souverän nutzen und Zukunft gestalten

Die KI ist aus der Forschung ins Rampenlicht gerückt und spätestens seit der breiten Verfügbarkeit potenter Sprachmodelle ohne große Hürden nutzbar. Für die junge Generation ist der Gebrauch von KI in Software selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit – ohne jegliche Berührungsängste. Als Technologiebaustein der Stunde hält sie jetzt Einzug in Unternehmenssoftware und die industriellen Unternehmens- und Fachprozesse. Damit wird sie zum Game Changer, der die zukünftige betriebliche IT und die Arbeitspraxis neu definiert.

Für die Industrie ist es jetzt entscheidend, KI in Zentralsysteme (PLM, ERP, CRM) zu integrieren, ohne die digitale Souveränität in einem fremdbestimmten SaaS-Markt aufzugeben. Leitlinien wie AI Act & Co. sind hier wichtig, solange sie nicht zu wettbewerbsbenachteiligender „Regulation statt Innovation“ führen. Unternehmen benötigen eine Digitalstrategie, die den KI-Einsatz im Sinne der Software-definierten Industrie mit aller Umsetzungsstärke nutzt.

Hier kommen Software-Anbieter ins Spiel. Entscheidend für eine erfolgreiche Umsetzung der Handlungsfelder sind Digitalisierungspartner, die in der Lage sind, systematisch und ganzheitlich die digitale Transformation zu begleiten und KI tief in die industriellen Kernprozesse zu integrieren, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen. Nur so bleibt die Industrie digital souverän, wettbewerbsfähig und ein Fundament für Wohlstand und Gesellschaft.

contact-software.com/de

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal
„Zukunft IT & KI“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
Zum Journal