Welche Herausforderung im Bereich Digitalisierung von Staat und Verwaltung müssen wir jetzt angehen und was sind die nächsten Schritte?
Eine der zentralen Herausforderungen der Digitalisierung von Staat und Verwaltung ist heute nicht mehr der Mangel an Technologie, sondern der Mangel an Struktur. In den vergangenen Jahrzehnten sind tausende Einzellösungen entstanden, die fachliche Logik, rechtliche Vorgaben und technische Umsetzung untrennbar miteinander vermischen und dadurch weder skalierbar noch dauerhaft wartbar sind.
Die entscheidende Aufgabe jetzt ist es, diese Ebenen konsequent zu entkoppeln: Gesetze und Verwaltungslogik müssen als eigenständige, maschinenlesbare und überprüfbare Grundlage vorliegen – unabhängig von einzelnen IT-Systemen oder Anbietern. Nur so kann Automatisierung rechtssicher, föderal anschlussfähig und langfristig souverän umgesetzt werden.
Die nächsten Schritte sind daher klar: Erstens brauchen wir gemeinsame Standards und Infrastrukturen für „Law as Code“, die Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen nutzen können. Zweitens müssen Pilotanwendungen in zentralen Verwaltungsbereichen zeigen, dass dieser Ansatz praktisch funktioniert und echten Mehrwert schafft. Und drittens gilt es, diese Logik dauerhaft in Gesetzgebung, Verwaltungspraxis und Beschaffung zu verankern – damit Digitalisierung nicht länger Projektarbeit bleibt, sondern zur tragfähigen Grundarchitektur des Staates wird.
Was meinen Sie, wie sehen Staat und Verwaltung in 5 oder 10 Jahren aus?
In fünf bis zehn Jahren werden Staat und Verwaltung deutlich weniger durch einzelne IT-Systeme geprägt sein, sondern durch gemeinsame, wiederverwendbare digitale Grundlagen. Die fachliche und rechtliche Logik staatlichen Handelns wird nicht mehr in tausenden Anwendungen verborgen sein, sondern als transparente, maschinenlesbare Regeln vorliegen, die überall gleich angewendet werden können.
Verwaltungsleistungen entstehen dann nicht mehr neu von Behörde zu Behörde, sondern werden modular zusammengesetzt – angepasst an den konkreten Fall, aber auf einer gemeinsamen Infrastruktur aufbauend. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: weniger Anträge, weniger Nachweise, deutlich schnellere Entscheidungen. Für die Verwaltung heißt es: mehr Automatisierung im Routinegeschäft und mehr Zeit für komplexe, wertende Aufgaben.
Gleichzeitig wird staatliche Souveränität neu gedacht: Digitale Identitäten, sichere Datenräume und nachvollziehbare Entscheidungslogiken werden zur Selbstverständlichkeit. Der Staat bleibt handlungsfähig, transparent und kontrollierbar – nicht trotz, sondern gerade durch den konsequenten Einsatz von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz.
Was möchten Sie den Teilnehmern des Gipfels als Message mit auf den Weg geben?
Die Digitalisierung des Staates ist kein IT-Projekt, sondern eine Gestaltungsfrage für unsere wirtschaftliche und demokratische Zukunft. Ein leistungsfähiger Staat wird in den kommenden Jahren zu einem entscheidenden Standortfaktor – für Innovation, Investitionen und Vertrauen.