Interview mit Alexandra Haberstroh vom Programmbüro PLAIN im Auswärtigen Amt.

PLAIN ist die technologische Lösung für Daten und KI im Bund. Die Datenanalyse- und KI-Plattform wurde von der Auslands-IT des Auswärtigen Amts und der Bundesdruckerei GmbH entwickelt. Welche Ziele PLAIN verfolgt und wie die Plattform zum Einsatz kommt, erklärt Alexandra Haberstroh vom Programmbüro PLAIN im Auswärtigen Amt im Interview.

Was ist PLAIN und welches Ziel verfolgt die Plattform?

PLAIN steht für Platform Analysis and Information Systems und ist die technologische Plattform-IT-Lösung für eine Vielzahl von Zukunftsthemen rund um Daten, Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning. Mit PLAIN ist in der Bundesverwaltung seit 2023 eine zentrale IT-Lösung verfügbar, die die Verwaltung befähigt, gemeinsam mit Daten sicher und mit modernen Plattform-Services zu arbeiten und somit Informationsgrundlagen für politische Entscheidungen zu verbessern. Unser Ziel war es, die in der Digitalstrategie der Bundesregierung gesetzten Ziele zu realisieren und mit PLAIN einen Standard für die souveräne und geschützte Bearbeitung von Big Data und KI-Projekten in der Bundesverwaltung bereitzustellen. Mit der Nutzung von PLAIN in der Bundesverwaltung und in den Datenlaboren der Ressorts werden evidenzbasierte Entscheidungsprozesse und ein modernes Regierungshandeln möglich.

Was sind die technologischen Eckpfeiler von PLAIN?

PLAIN ist eine mandantenfähige „Everything-as-a-Service“-Plattform. Sie bietet gemanagte Services für die softwaregestützte Datenarbeit, die speziell auf die Bedürfnisse der Verwaltung zugeschnitten sind. Durch den Self-Service-Ansatz bietet PLAIN zudem Autonomie und Flexibilität bei der Auswahl von Tools und Arbeitsabläufen, so können spezielle Anwendungsfälle und Bedarfe rund um Daten und Software auf Basis der Container-Technologie individuell ergänzt werden. Die Plattform nutzt eine Cloud-Infrastruktur, die in einem deutschen Rechenzentrum in Berlin betrieben wird und wir setzen auf virtualisierte GPUs, um skalierbare KI-Anwendungen zu ermöglichen. Zur Vermeidung von Lock-In-Effekten werden vorrangig Open-Source-Services verwendet. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen schafft das Unabhängigkeit.

Welche Werkzeuge und Funktionalitäten stehen Datenwissenschaftlern auf der Plattform zur Verfügung?

Datenwissenschaftler, die PLAIN nutzen, haben Zugriff auf bewährte Entwicklungsumgebungen. Sie können Workflows und Machine-Learning-Pipelines orchestrieren, um externe Datenquellen anzubinden und komplexe Datenwissenschaftsprojekte umzusetzen. Ihre Arbeit kann in Containern oder GitLab-Repositories gespeichert und bereitgestellt werden. Für einfache Datenanalysen steht das Tool Apache Superset zur Verfügung, mit dem ohne Programmierkenntnisse visuelle Dashboards und Datenprodukte erstellt werden können. Und wem das nicht reicht, der kann mithilfe der Container-Technologie entsprechende Software und Tools individuell ergänzen.

Wie unterstützt PLAIN die ressortübergreifende Zusammenarbeit?

Die ressortübergreifende Zusammenarbeit ist eine Kernanforderung an PLAIN gewesen, daher haben wir dafür mehrere zentralen Funktionen umgesetzt. Jeder Mandant verfügt über einen Data Lake, den er individuell nutzen kann, der aber auch das Teilen von Datenressourcen über verschiedene Mandanten hinweg ermöglicht. Zusätzlich werden Workflow-Management-Tools und Git-Tools bereitgestellt, die eine gemeinsame Entwicklung und Nutzung von Datenprodukten erleichtern. In den PLAIN-Plattform GitLab-Repositories können Code und Lösungen anderen Ressorts zugänglich gemacht werden. Darüber hinaus können visualisierte Ergebnisse in Form von Dashboards erstellt und anderen Behörden zur Ansicht freigegeben werden. Dem Einer-für-Alle-Prinzip entsprechend ist eine Nach- und Weiternutzung von Daten, Anwendungen und Analysen bis hin zu Code daher unbedingt gewünscht und technisch möglich.

Warum ist die Zusammenarbeit der Ressorts so wichtig, gerade wenn es um Daten geht?

Viele Herausforderungen in der öffentlichen Verwaltung und der Politik sind komplex und interdisziplinär. Themen wie Klimawandel, Digitalisierung, Gesundheitskrisen oder Sicherheitsfragen erfordern eine enge Zusammenarbeit verschiedener Ressorts, da diese Fragestellungen nicht isoliert gelöst werden können. Durch eine ressortübergreifende Betrachtung und Analyse können Ressourcen wie Daten, Wissen und Technologien effizienter genutzt werden. Gemeinsame Datenpools und Analysewerkzeuge ermöglichen es, fundiertere Entscheidungen zu treffen und Synergien zu schaffen, die in isolierten Ansätzen nicht möglich wären. Zudem wird durch das Teilen von Daten und Ergebnissen die Entwicklung redundanter Lösungen vermieden, was Zeit und Kosten spart. Dies unterstützt die Ziele der Effizienz und Transparenz, die für eine moderne Verwaltung essenziell sind. Schließlich stärkt die ressortübergreifende Kooperation das Vertrauen zwischen den Behörden und ermöglicht eine koordinierte Umsetzung der erlangten Erkenntnisse. PLAIN bietet hierfür eine technische Grundlage, die Zusammenarbeit sicher und effektiv zu gestalten

Warum ist ein Ökosystem rund um PLAIN wichtig?

Wie bei den großen Plattformen der globalen Digitalindustrie soll auch um die PLAIN-Plattform ein breites Ökosystem aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft entstehen. Die Impulse aus Wirtschaft und Wissenschaft, von Start-ups und aus der kreativen Verwaltung selbst, helfen uns, PLAIN weiter zu gestalten und bilden einen Marktplatz, der die Aufgabe hat, die Innovationskraft zu steigern und die Digitalisierung der Verwaltung stetig voranzubringen.

Daher hat das Programmbüro PLAIN im Auswärtigen Amt auch einen Fokus auf Ökosystem-Management und wir treten gerne in den Dialog, verbreiten die Botschaften zu PLAIN und sind auf der Suche nach unentdeckten Potenzialen und Ideen. Wir freuen uns auf jeden innovativen Vorschlag!