Für eine glaubhafte Abschreckung von Aggressoren wie Russland bedarf es neuartiger, innovativer Rüstungsprodukte. Nehmen wir als Beispiel Hyperschallwaffen bzw. entsprechende Abwehrmaßnahmen. Die Bedrohung durch Hyperschallwaffen, wie der russischen Kinzhal, ist für die Ukraine bereits heute real. Entsprechend besteht eine hohe Dringlichkeit, neue Technologien und Innovationen für die Abwehr in die Truppe zu bringen. Der Konflikt in der Ukraine hat das Tempo für die Entwicklung neuer Fähigkeiten deutlich beschleunigt. Als Europäer müssen wir die Vorraussetzungen schaffen, neue Technologien schnell einsatzfähig in unsere Armeen zu bringen.
Vor diesem Hintergrund hat am 1. Dezember 2025 das neue Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBW) seine Arbeit aufgenommen. Dem InnoZBW kommt eine Schlüsselrolle zu, die Akteure aus Industrie, Forschung und Truppe besser miteinander zu vernetzen. Ebenso obliegt dem InnoZBW gemeinsam mit dem Bedarfsträger Bundeswehr eine Priorisierung der benötigen Technologien und Innovationen.
Entscheidend für ein höheres Innovationstempo ist auch eine neue Fehlerkultur. Ziel muss es sein, nach dem Motto „Fail-Fast“ in kurzer Zeit nicht zielführende Lösungsansätze zu verwerfen. Auch Kooperationen zwischen etablierten Systemhäusern aus der Rüstungsindustrie und agilen Start-Ups nehmen zunehmend eine wichtige Rolle bei der Beschleunigung von Innovationen ein.
Ebenso macht sich ein neuer Pragmatismus breit. Die Anforderungen auf Seiten des Bedarfsträgers für jede neue Lösung werden nun kritisch hinterfragt. Die berüchtigte „Goldrandlösung“ mit einem Hang zum Perfektionismus weicht einer lösungsorientierten Herangehensweise. Prozesse aus Friedenszeiten können in Konfliktzeiten einem hohen Innovationstempo entgegen stehen und werden entsprechend überprüft.
Deutschland hat mit der Haushaltsplanung für 2025 und 2026 wichtige finanzielle Vorraussetzungen geschaffen. Für 2026 sind Ausgaben in Höhe von 2% des Verteidungshaushalts für Forschung und Entwicklung geplant, was etwa 1,58 Mrd. € entspricht.
Additive Fertigung als Innovationsbeschleuniger
Der Blick in die USA zeigt, wie additive Fertigung die Entwicklung und Innovationskraft der dort heimischen Rüstungsindustrie stärkt. Beispielsweise berichtet Lockheed Martin öffentlich über seine Aktivitäten im Bereich der additiven Fertigung (engl. Additive Manufacturing, AM). Im November 2024 wurden Investitionen in ein AM-Zentrum bekannt. Hierbei kommen Maschinen vom Typ NXG 600E des in Deutschland ansässigen Herstellers Nikon SLM Solutions zum Einsatz.
Als Anwendungsbeispiel nennt Lockheed Martin den Hyperschall-Flugkörper MAKO. Laut Unternehmensangaben werden das Steuerungsgehäuse sowie die Heck-Steuerflächen des Flugkörpers additiv gefertigt. Fertigungszeit und -kosten wurden dabei um 90% im Vergleich zu konventionellen, zerspanenden Verfahren reduziert.
Auch die europäische Rüstungsindustrie meldet prominente Beispiele für den erfolgreichen Einsatz additiver Fertigung. Die schwedische SAAB Dynamics AB nutzt additive Fertigung aktuell vor allem bei der Entwicklung neuer Produkte, um Entwicklungszeiten verkürzen und innovativere Produkte herstellen zu können. In einem konkreten Beispiel nennt SAAB Dynamics das Heck des AUV62, einem autonomen Unterwassergefährt. Durch den Einsatz additiver Fertigung wurde eine Konstruktion ermöglicht, die ca. 50% des Bauteilgewichts einspart, dabei gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Systems steigert.
Die Europäische Verteidigungsbehörde EDA treibt den Einsatz von additiver Fertigung aktiv voran. Die EDA interessiert dabei primär die Sicherung der Ersatzteilversorgung für die Truppe. Additive Fertigung bietet durch ihre Flexibilität und digitale Prozesskette die Möglichkeit, Ersatzteile schnell, bei Bedarf und weitgehend lokal zu produzieren. In Ausschreibungen für die Rüstungsindustrie finden sich teilweise heute bereits Anforderungen für die additive Fertigung von Bauteilen.
Welche Rolle spielt Nikon SLM bisher in der Rüstungsindustrie?
Nikon ist hierzulande als Anbieter hochwertiger Kameras und Optiken bekannt. Die Industriesparte des Konzerns ist in vielen High-Tech-Bereichen aktiv: Halbleitertechnologie, Computertomografiesysteme sowie Mess- und Labortechnik. Im Jahr 2023 hat Nikon erfolgreich die Übernahme des Lübecker Metall-3D-Druck-Spezialisten SLM Solutions abgeschlossen, der seitdem unter dem Namen Nikon SLM Solutions weiter als deutsches Unternehmen aus Lübeck heraus seine globalen Kunden bedient.
„Unsere Kunden aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie haben wesentlichen Anteil an unserer Erfolgsgeschichte. Über die vergangenen 10 Jahre hat diese Branche für uns immer eine wichtige Rolle gespielt. Besonders unsere großformatigen Maschinen, die NXG XII 600 und NXG 600E, sind in der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie sehr gefragt.“ hebt CFO Jan-Niklas Thielmann hervor.
Mit Hinblick auf das wachsende Engagement von Nikon SLM Solutions in der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) fügt Thielmann hinzu: „Wir bauen auf einem sehr soliden Fundus an Erfahrungen in der Rüstungsindustrie auf. Für unsere anstehenden Projekte in Europa sind wir sehr zuversichtlich, diese erfolgreich mit starken Partnern zu gestalten. Wir freuen uns darauf, einen wirkungsvollen Beitrag für die Skalierung unserer SVI und damit unser aller Sicherheit zu leisten.“
Europa und die Bundesrepublik Deutschland haben die Rahmenbedingungen für Innovation in der nationalen und internationalen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie geschaffen. Pioniere zeigen bereits, wie sinnvoll dabei der Einsatz von additiver Fertigung ist. Er ist aber auch notwendig geworden, um eigenständig verteidigungsbereit zu sein und durch überlegene Technologien selbstbewusst gegenüber Aggressoren auftreten zu können. Nikon SLM unterstützt Firmen wie Lockheed Martin und SAAB Dynamics dabei, durch AM Innovationsvorsprünge zu realisieren. Für unsere Sicherheit von morgen.