Die Dekarbonisierung der Industrie hin zu „Net Zero“ ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die European Hydrogen Bank Auction, eine Initiative der Europäischen Kommission. Sie bietet finanzielle Unterstützung für Projekte, die erneuerbaren Wasserstoff produzieren, indem sie eine Prämie pro Kilogramm produzierten Wasserstoffs gewähren. Im Rahmen der zweiten Runde, die Anfang des Monats in Brüssel stattfand, wurden insgesamt 61 Gebote aus 11 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums eingereicht. Obwohl dies einem Rückgang von über 50% zu den Geboten aus dem Vorjahr entspricht, ist die Größe individueller Projekte von durchschnittlich 64 Millionen Euro auf knapp 100 Millionen Euro gestiegen. Die insgesamt angefragte Förderungsumfang überstieg mit 4,8 Milliarden Euro das verfügbare Budget von 1,2 Milliarden um das Vierfache.
Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff steigt zunehmend; im Jahr 2050 wird ein jährlicher, weltweiter Bedarf von 250 bis 500 Millionen Tonnen Wasserstoff erwartet. Die eingereichten Projekte umfassen eine Elektrolyseurkapazität von etwa 6,3 Gigawatt und sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 7,3 Millionen Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren. Dies würde jährlich etwa 7 % des REPowerEU-Ziels für die europäische Produktion von erneuerbarem Wasserstoff bis 2030 abdecken.
In dieser Auktionsrunde der European Hydrogen Bank wurden zudem erstmals 200 Millionen der Gesamtfördersumme speziell für maritime Projekte angesetzt, für die insgesamt acht Gebote eingingen. Den Einsatz von grünem Wasserstoff im Schiffs- und auch Flugverkehr, ist besonders interessant im Hinblick auf die Wertschöpfungskette von MAN Energy Solutions. Für beide Bereiche gibt es EU-weite Regelungen, die eine Quote für eFuels festlegen. Im Schiffsverkehr sind bis 2034 Elektrolyseure mit etwa 2,5 Gigawatt Leistung erforderlich, um die vorgeschriebene Quote von 2 % zu erfüllen. Im Flugverkehr werden bis 2030 etwa 2,5 Gigawatt, bis 2040 etwa 25 Gigawatt und bis 2050 etwa 100 Gigawatt an Elektrolyseuren benötigt, um die Mindestanteile an Sustainable Aviation Fuels (SAF) von 1,2 %, 10 % und 35 % zu erreichen.
Herausforderungen für einen gesunden Markthochlauf bleiben bestehen
Trotz des großen erwarteten Bedarfs an grünem Wasserstoff steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen für einen gesunden Markthochlauf. Zwar haben sich Regulierungs- und Förderbedingungen in Europa verbessert, Finale Investitionsentscheidungen (FIDs) und tatsächliche Projektumsetzungen bleiben aber nach wie vor hinter den Erwartungen zurück.
Warum ist das so? Für das Funktionieren der Wasserstoffwirtschaft müssen viele Faktoren für einen tragfähigen Business Case zusammenspielen: Dazu gehören die Erzeugung von grünem Strom zu günstigen Konditionen und die Lieferung an den Wasserstoff-Erzeuger mittels langfristig abgesicherter Power Purchase Agreements (PPAs). Auch die Investition in und der Betrieb eines Elektrolyseurs oder einer Power2X-Anlage mit langfristig zugesicherten Abnahmeverträgen für grünen Wasserstoff inklusive des Transports, der Verteilung und der Abnahme der grünen Moleküle müssen jeweils einen tragfähigen Business Case darstellen. Die Frage, wie wir grünen Wasserstoff aus Regionen mit günstiger Erzeugung zu Verbrauchszentren transportieren, ist ebenfalls eine Schlüsselfrage. Nur wenn alle diese Bereiche letztendlich ineinandergreifen, kann ein funktionierendes Wasserstoff-Ökosystem entstehen.
Wie kann der Einsatz von grünem Wasserstoff in der Industrie gefördert werden?
Um den Einsatz von grünem Wasserstoff in der Industrie zu erleichtern, ist es wichtig, mit starken Partnern zusammenzuarbeiten, Expertise zu bündeln und möglichst vorgedachte und ganzheitliche Lösungen anzubieten. Als Tochtergesellschaft der MAN Energy Solutions und Teil der Volkswagen Group ist Quest One Teil eines einzigartigen Setups mit einem weltweiten Vertriebsnetz, Erfahrung in der Umsetzung von Großprojekten der Schwerindustrie sowie Kompetenzen in der Produktionsskalierung und komplexer Serienfertigung. Hinsichtlich der spezifischen Herausforderungen im Flugverkehr beispielsweise, ist Quest One aufgrund der Kompetenz von MAN Energy Solutions in den Bereichen CO2-Verdichtung, Herstellung von eFuels und EPC-Kapazitäten, hervorragend aufgestellt, um die Nachfrage für diesen Markt zu bedienen.
Mit über 50 verkauften containerisierten Systemen ist Quest One führend im Bereich der PEM-Elektrolyse in Europa und verfügt über eine der größten Flotten an Elektrolyseuren auf dem Markt. Diese breite Referenz- und Erfahrungsbasis ermöglicht es, wertvolle Betriebsdaten zu sammeln und zwei Produkte kontinuierlich zu verbessern. In seinem Entwicklungs- und Produktionszentrum in Hamburg mit 12.000 m² Produktionsfläche, können hier bei Vollauslastung bis zu 5 GW pro Jahr an hocheffizienten PEM-Stacks in einem hochautomatisierten Fertigungsprozess produziert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung standardisierter und modularisierter Anlagenkonzepte mit einem hohen Grad an industrieller Vorfertigung, um Komplexität, Projektrisiken und Kosten so weit wie möglich zu reduzieren. So existieren beispielsweise gemeinsame Referenzdesigns mit MAN Energy Solutions für 50 bzw. 100 MW große Komplettlösungen. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist der Bau einer Demonstrationsanlage auf Basis unseres Großelektrolyseurs MHP gemeinsam mit MAN Energy Solutions in Augsburg. Diese Anlage dient nicht nur dazu, Kunden die Technologie live und in Betrieb vorstellen zu können, sondern auch zur intensiven Testung, dem Sammeln realer Betriebsdaten und der Schulung von Personal. Sie ist außerdem ein wichtiges Instrument, um die Leistungs- und Betriebsparameter für industrielle Lösungen weiter zu optimieren.
Grüner Wasserstoff bietet ein enormes Potenzial, um die Dekarbonisierung der Industrie voranzutreiben. Trotz der bestehenden Herausforderungen zeigen die aktuellen Entwicklungen und Investitionen in diesem Bereich, dass grüner Wasserstoff eine zentrale Rolle bei der Energiewende spielen wird. Unternehmen wie Quest One und MAN Energy Solutions sind hervorragend positioniert, um diesen wachsenden Markt zu bedienen und durch technologische Innovationen und internationale Kooperationen die Wasserstoffwirtschaft weiter voranzubringen.