Gen AI in Tax: Möglichkeiten identifizieren, Chancen nutzen

Schon seit Monaten beherrschen die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) und ihrer Entwicklungsstufe Generative AI (GenAI) die Medien. Die Möglichkeiten der Nutzung scheinen grenzenlos zu sein: Inhalte erstellen, Daten in großem Umfang analysieren und Informationen schneller finden als jemals zuvor. Wo man auch hinschaut, überall erzielen entsprechende Anwendungen in rasantem Tempo immer bessere Ergebnisse. Vor allem die GenAI spielt zunehmend eine Rolle bei der Optimierung komplexer End-to-End-Prozesse.

Die positive Erwartungshaltung zeigt sich auch in der KPMG-Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft“. Rund 67 % der Teilnehmer erwarten vom Einsatz von GenAI-Anwendungen positive Effekte wie Umsatzsteigerungen, Effizienzsteigerungen und einen zunehmenden Grad an Automatisierung. 31 % geben an, dass ihr Unternehmen bereits eine Strategie für generative KI entwickelt, 49 % befinden sich in der Planungs- oder Implementierungsphase. Allerdings sehen auch 37 % der Teilnehmer Herausforderungen wie Datenschutzprobleme und fehlende Akzeptanz bei den Beschäftigten.

Anwendungsmöglichkeiten im Steuerumfeld

Auch und gerade im datenintensiven Steuerumfeld bietet GenAI eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Wurde zu Beginn künstliche Intelligenz hauptsächlich in der Automatisierung, zum Beispiel bei der Erfassung und Überprüfung von Umsatzsteuerdaten aus Eingangsrechnungen eingesetzt, geht der Anwendungsbereich der GenAI heute schon deutlich darüber hinaus: Auf Basis vortrainierter Modelle, die entsprechend der jeweiligen Aufgabenstellung gezielt mit dem erforderlichen Steuerwissen angereichert werden, bietet der Einsatz entsprechender Tools die Möglichkeit, neue Inhalte zu erstellen. Zusätzlich wird die Antwortqualität erhöht und ein häufiger Kritikpunkt am Einsatz von KI-Modellen ausgeräumt: Es herrscht Transparenz hinsichtlich der zugrundeliegenden Daten und Dokumente für die Entscheidungen der  KI-Anwendung. GenAI ist durch ihre Flexibilität und Geschwindigkeit für eine weit größere Vielfalt von Anwendungsfällen geeignet und erschließt neue Anwendungsfelder. Sie hat das Potenzial, Effizienz und Produktivität zu steigern, Entscheidungsprozesse zu verbessern und innovative Lösungen für Herausforderungen im Steuerbereich zu entwickeln.

Steuerabteilungen – wie auch die meisten anderen Unternehmensfunktionen – sollten jetzt die Möglichkeiten für die Anwendungen von GenAI in ihrem Umfeld identifizieren und verstehen, wie sie entsprechende Lösungen in ihr Ökosystem und ihre Prozesse integrieren können, um die Wertschöpfung zu beschleunigen und gleichzeitig die Compliance zu sichern.

Der Einsatz von GenAI ermöglicht die Optimierung der persönlichen wie der geschäftlichen Produktivität

Wie überall, kann der Einsatz von KI- und GenAI-Lösungen auch im Steuerbereich sowohl zu einer Verbesserung der persönlichen wie auch der geschäftlichen Produktivität führen. Dabei fungiert die KI wie ein Schweizer Taschenmesser – für jeden ist das richtige Werkzeug dabei und in der Regel sofort nutzbar. Unternehmen können diese Vorteile schnell und meist recht unkompliziert nutzen.

Von der Vertragsprüfung über die Dokumentenanalyse bis zur Ausarbeitung von Antworten und der Szenario-Planung: GenAI-Tools können generell bei der Automatisierung und Beschleunigung der täglichen, routinemäßigen und administrativen Arbeit der Steuerfunktion unterstützen. Sie können auch die Datenextraktion und -visualisierung vereinfachen und so einen schnelleren und breiteren Zugang zu aggregiertem Wissen und Erkenntnissen ermöglichen.

Die Rolle virtueller Assistenten

Immer häufiger werden GenAI-Tools auch als „virtuelle Assistenten“ bezeichnet, die es Steuerfachleuten ermöglichen, große Datenmengen sinnvoll zu nutzen, risikoreichere Aktivitäten von Routinetransaktionen zu isolieren und entsprechende Erkenntnisse sehr schnell und effizient zu gewinnen. Virtuelle Assistenten für komplexe Themen ermöglichen dem Bearbeiter einen schnelleren Zugriff auf das für die Bearbeitung erforderliche Wissen – eine echte Hilfe zum Beispiel im Rahmen von Betriebsprüfungen. Aber auch bei komplexen Aufgaben zum Beispiel im Zusammenhang mit der globalen Mindeststeuer oder den Anforderungen der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoBD). Und auch Anfragen aus anderen Abteilungen lassen sich mit Hilfe von virtuellen Assistenten in vielen Fällen schneller und effizienter beantworten.

Aktuell gibt es bereits Anwendungen, die die End-to-End-Automatisierung von Prozessen, wie die  jährliche Erstellung der Dokumentationspflichten im Bereich Verrechnungspreise, unterstützen können. Die Technologie wird sich weiterentwickeln und immer mehr Anwendungsfälle auch und gerade für die datenintensive Steuerabteilung bieten. Es gibt jedoch keinen Grund, die heutigen Vorteile nicht zu nutzen, um Mitarbeitende zu entlasten und sie für eine KI-getriebene Zukunft auszurüsten. Die Nutzung dieser Fähigkeiten kann Freiräume schaffen und es der Steuerfunktion ermöglichen, sich mehr auf die Wertschöpfung und strategische Aufgaben zu konzentrieren.

Allerdings sollten Unternehmen, die generative AI im Steuerbereich nutzen möchten, umsichtige Strategien verfolgen und sich auf sichere Plattformen stützen. Dann sind schnelle und präzise Steuerrecherchen, automatisierte Steuerberechnungen und die kognitive Analyse von Steuerdokumenten unter Wahrung und Verbesserung der Compliance schon heute möglich.