Mit der PowerCo SE arbeiten wir seit 2022 an dieser Vision. Wir haben innerhalb kürzester Zeit rund 1.500 Mitarbeiter aus mehr als 50 Nationen an Bord geholt und ein schlagkräftiges, international besetztes Top-Team aufgebaut. Weltweit entstehen drei Zellfabriken in Deutschland, Spanien und Kanada. Unser Ziel ist, einen internationalen Batteriehersteller und führenden europäischen Player in dieser Industrie aufzubauen.
Der Wettbewerb mit den etablierten Playern aus Asien ist zweifellos hart. Trotzdem bin ich überzeugt, dass das Rennen noch lange nicht entschieden ist. Der Batteriestandort Europa kann vor allem auf drei Stärken setzen: Seine Innovationskraft, die Nähe zu den hiesigen Autoherstellern und die klare Ausrichtung auf Nachhaltigkeit.
High-Tech made in Europe
Die Basis für den langfristigen Markterfolg sind technologische Innovationen. Die Batterieindustrie ist eine sehr junge Industrie, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch viele Entwicklungen und Veränderungen sehen wird. Das bietet Newcomern die Chance, sich mit neuen Konzepten zu etablieren.
Ein Beispiel ist der Flickenteppich der heutigen: Die großen Autohersteller nutzen unterschiedlichste Zellformate von Pouch bis Rundzellen, die sich häufig auch nochmal im Detail unterscheiden. Die Folgen sind wachsende Komplexität, steigende Kosten und eine Verlangsamung des Innovationsprozesses. Mit der Einheitszelle hat die PowerCo eine einfache, aber effektive Lösung für dieses Problem entwickelt. Sie hat nämlich immer das gleiche Format, kann aber mit den unterschiedlichsten Zellchemien bestückt werden. Von kostengünstigen Einstiegszellen bis zu High-Performance-Zellen mit überlegener Energiedichte und Ladegeschwindigkeit ist alles möglich. Der Volkswagen Konzern bestückt künftig 80 Prozent seiner E-Fahrzeuge mit der Einheitszelle.
Ein anderes Beispiel ist die Feststofftechnologie, mit der die Karten in der Batterieindustrie neu gemischt werden könnten. Sie bietet gegenüber heutigen Lithium-Ionen- Batterien viele Vorteile, u.a. eine höhere Energiedichte für mehr Reichweite, eine längere Lebensdauer und maximale Sicherheit. Im Labor hat die Technologie ihr Potenzial bereits unter Beweis gestellt. Jetzt gilt es, sie zur Serienreife weiterzuentwickeln. Die PowerCo hat hier mit dem kalifornischen Startup QuantumScape einen starken Partner und Pionier an seiner Seite.
Robuste, regionale Lieferkette
Versorgungssicherheit hat sich in den letzten Jahren zu einem Mega-Thema entwickelt. Die Chip-Krise, der Ukraine-Krieg und zunehmende Handelsbarrieren setzen die globalen Lieferketten unter erheblichen Stress und haben sich als zunehmendes Risiko für viele Industrie- Unternehmen herausgestellt. Inzwischen hat ein Umdenken begonnen: Bei Schlüsseltechnologien setzen Wirtschaft und Politik verstärkt auf eine regionale Versorgung, um ihre Produktion abzusichern. Hier können europäische Batteriehersteller punkten.
Für den Aufbau einer robusten, regionalen Batterieversorgung in Europa reicht es allerdings nicht aus, die entsprechenden Zellfabriken aufzubauen. Es braucht auch eine Absicherung der entsprechenden Rohstoffe und Vormaterialien, die bei der Zellfertigung zum Einsatz kommen. Sowohl die Basisrohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt als auch daraus entstehende High- Tech-Materialen wie die Kathode bestimmen ganz wesentlich über Versorgungssicherheit, Kosten und Wertschöpfung der Batterie.
Wir setzen deshalb gezielt auf eine vertikale Integration der Wertschöpfungskette. So haben wir gemeinsam mit dem belgischen Unternehmen Umicore das Joint Venture Ionway gegründet, das aktuell eine Kathodenmaterialfabrik in Polen aufbaut. Damit nehmen wir das wichtigste Element der Batteriezelle in die eigenen Hände. Gleichzeitig arbeiten wir auch weiterhin eng mit asiatischen Unternehmen zusammen. Es geht beim Thema Regionalisierung letztlich nicht um die Unabhängigkeit von Asien, sondern um eine langfristig tragfähige Balance in der Zusammenarbeit.
Nachhaltige, grüne Batterien
In Sachen Nachhaltigkeit bietet die Batterieindustrie noch viel Potenzial. Europäische Unternehmen mit ihrer erwiesenen Kompetenz bei der ökologischen und sozialen Gestaltung der Wirtschaft können hier einen großen Unterschied machen.
Wir wollen in unseren Zellfabriken klimaneutral produzieren. Für die Zellfabrik Salzgitter bereiten wir schon jetzt langfristige Abnahmeverträge für Grünstrom aus regional erzeugter Windkraft und Solarenergie vor. Parallel dazu entwickeln wir innovative Produktionsmethoden wie das Trockenbeschichten, mit der wir sowohl Energieverbrauch als auch Lösungsmittelbedarf drastisch senken. Und wir arbeiten an einem geschlossenen Rohstoff-Kreislauf mit einem kontinuierlich steigenden Anteil an recycelten Materialien.
Darüber hinaus wollen wir einen positiven Beitrag zur langfristigen Transformation des Rohstoffsektors hin zu mehr Nachhaltigkeit leisten und die Auswirkungen des Rohstoff-Abbaus so gering wie nur möglich halten. Eine europäische Batterieindustrie kann hier wichtige Impulse geben. Mit dem Recycling von Batterien als Teil eines geschlossenen Rohstoffkreislaufs können die Eingriffe in die Natur aber in absehbarer Zeit deutlich reduziert werden.
Politik: Motor oder Bremse?
Der Aufbau einer europäischen Batterieindustrie ist nicht nur wichtig, sondern auch machbar. Wir erschließen damit eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts und einen Wirtschaftsmotor der Zukunft.
Die Politik muss sich allerdings fragen, ob sie die Bedeutung der Batterie bereits vollständig erkannt und daraus die richtigen Schlüsse gezogen hat. Für die Zellfabrik in Salzgitter sind jedenfalls keine Subventionen geflossen. Gleichzeitig machen die hohen Energiekosten, die massiv gekürzten Fördermittel für die Batterieforschung an deutschen Hochschulen und die ständigen neuen Regulierungen den heimischen Unternehmen das Leben schwer.
