Entwicklung und Vermarktung von Kraftwerken im volatilen Marktumfeld

Der steigende Anteil von Solar und Wind an der deutschen Stromerzeugung treibt die Volatilität der Stromerzeugung in die Höhe. Volatilität wird zur neuen Normalität und erfordert Handlungsbedarf: Zum einen gilt es, die Versorgung großtechnisch abzusichern, zum anderen, die Volatilität durch dynamische Flexibilitätsvermarktung aktiv zu managen.

Versorgungsabsicherung: Chancen und Hürden bei der Entwicklung von Gaskraftwerken

Um die Versorgungs- und Netzstabilität bei der Transition von Kohlekraft zu erneuerbaren Energieträgern sicherzustellen, entwickelt die Bundesregierung die Kraftwerksstrategie, die den Bau von acht bis zwölf Gigawatt Gaskraftwerken vorsieht. Für das Gelingen sind entscheidende Erfolgsfaktoren notwendig:

Standortverfügbarkeit: Die Verfügbarkeit von Flächen stellt grundsätzlich keinen bedeutenden Engpass dar. Bestandsflächen in Form von ehemaligen Kohlekraftwerken sind vorhanden und verfügen über die notwendige Infrastruktur zur Anbindung an das Stromnetz. Herausfordernd ist hingegen der Anschluss an das Gasnetz. Im Fall von ehemaligen Kohlekraftwerksstandorten resultiert dies in einigen Kilometern neuer Leitungen, die entsprechend terrassiert und geplant werden müssen.

Turbinenverfügbarkeit: Der Markt für Turbinen und verwandte Komponenten ist gegenwärtig als eng zu bewerten. Bei einer Gesamtleistung von 10 Gigawatt geplanter Gaskraftwerken und einer üblichen Kraftwerksgröße von etwa 500 Megawatt, ergibt sich einen Bedarf von rund 20 Anlagen. Dies geschieht in einem Marktumfeld, in dem Gaskraftwerke derzeit weder in Deutschland noch im restlichen Europa rein kommerziell errichtet werden.

Ausschreibungs- und Vergütungsdesign: Der dritte entscheidende Erfolgsfaktor für den Bau von Gaskraftwerken ist ein effizientes Ausschreibungsdesign. Der jüngste Fall im Bereich Offshore-Wind, in dem eine Ausschreibung ohne Angebote blieb, verdeutlicht die Relevanz einer tragfähigen Ausschreibungsgestaltung. Am Ende entscheiden wirtschaftliche Erwägungen zu den erwarteten Kosten und Erlösen über die Teilnahme und Gebotshöhe der Marktakteure.

Durch den Regierungswechsel ist wertvolle Zeit verloren gegangen, die bei Umsetzungszeiträumen von etwa fünf Jahren auch nicht wieder aufgeholt wird.

Dynamische Flexibilitätsvermarktung: Die neue Rolle der Energieversorger und ihre Potenziale

Während die Gaskraftwerke auf sich warten lassen, bietet der volatile Markt jetzt schon Erlöschancen. Zwischen 2020 und 2025 haben sich die täglichen Spreads zwischen Tageshöchst- und Tagestiefpreis im Jahresdurchschnitt mehr als vervierfacht. Dies verändert insbesondere die Rolle kleinerer Energieversorger grundsätzlich: Stadtwerken müssen von der reinen Energieversorgung übergehen zur aktiven Teilnahme am Strommarkt und zum strategischen Management der eigenen Flexibilität.

Durch Batteriespeicher, Wärmespeicher, flexible Gas-, GuD- und KWK-Anlagen mit Dispatch-Fähigkeit sowie Virtuelle Kraftwerke lassen sich Energieerzeugung, -verbrauch und -speicherung zeitlich anpassen und zu vermarkten.

Diese dynamische Flexibilitätsvermarktung schafft dabei den Übergang von einem rein statischen Fahrplanbetrieb hin zu einer auf dem Markt basierenden Steuerung von Flexibilitätsressourcen. Es bietet für Stadtwerke neue wirtschaftliche Chancen durch die Nutzung von Preisunterschieden, macht jedoch gezielte strategische und operative Handlungen erforderlich.

Fazit und Ausblick

Die Energiewende erfordert einen Paradigmenwechsel, bei dem der Erfolg von Energieversorgern künftig zunehmend an der Fähigkeit zur dynamischen Bewirtschaftung von Volatilität hängt. Während der politisch und technisch komplexe Ausbau von Gaskraftwerken zur Grundlastsicherung zeitlich unter Druck steht, bietet der Markt durch steigende Preisschwankungen bereits jetzt ökonomische Chancen für diejenigen, die ihre Flexibilität aktiv managen. Folglich wird die Entwicklung vom reinen Versorger zum agilen Marktakteur zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor in einem dynamischen Marktumfeld.