Ungeplanter Imageschaden mit Nachwirkung
Die hitzigen Debatten und medialen Zuspitzungen um das Gebäude-Energie-Gesetz haben bereits vor dessen Verabschiedung zu einer massiven Verunsicherung der Menschen geführt und sich verfestigt. Unwissen, Mythen und Vorurteile über Wärmepumpen sind noch immer weit verbreitet – obwohl inzwischen selbst vormalige Skeptiker in Politik und Medien zur Wärmepumpe stehen. Vor allen Marktteilnehmern – Herstellern, Installateuren, Verbänden und Institutionen – liegt ein großes Stück Arbeit, damit sich die Wärmepumpe als führende Heizlösung im Land etablieren kann. Denn vom ambitionierten Ziel der Bundesregierung von 500.000 neuen Installationen pro Jahr bis 2030, sind wir mit rund 190.000 verkauften Anlagen 2024 noch weit entfernt.[1]
Machbarkeit statt Polemik in den Fokus stellen
2025 wird für die Wärmepumpenbranche ein entscheidendes Jahr, in dem sich der Markt nach den hitzigen Diskussionen beruhigen und stabilisieren wird. Die Wärmepumpe kann sich endlich etablieren als das, was sie ist: Eine zukunftsfähige und klimafreundliche Heiztechnologie, die für die 16 Millionen Einfamilienhäuser im Land die beste Wahl ist. Dazu tragen verschiedene Faktoren bei: Jede erfolgreich installierte und funktionierende Wärmepumpe stärkt das Vertrauen der Menschen – und räumt mit Fehlinformationen auf. Längst arbeiten moderne Wärmepumpen auch im Altbau 4-5 mal so effizient wie eine Gasheizung und sind leiser als eine Kaffeemaschine. Mittlerweile sind Hersteller und Installationsbetriebe mit genügend Lagerbeständen und Kapazitäten gut gerüstet und können in kürzester Zeit verbauen. Und die Förderprozesse haben sich bewährt und sind zumindest für nächstes Jahr gesichert.
Wirtschaftlichkeit als wichtigstes Argument
Die wichtigste Voraussetzung für die breite Akzeptanz der Wärmepumpe ist aber die Wirtschaftlichkeit, wie viele Studien – auch eigene Erhebungen unter Hausbesitzer:innen – zeigen.[2] Die geltenden Fördersätze von bis zu 70 Prozent senken die Anschaffungskosten erheblich. Die hohe Effizienz der Wärmepumpe sorgt dafür, dass sich die Mehrkosten für den Umstieg durch geringere Betriebskosten binnen weniger Jahren amortisieren. Besonders hohe Einsparungen entstehen, wenn die Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik, Speicher, Wallbox und smarten Steuerungssystemen betrieben wird – nach unserer Analyse bis zu 4.000 Euro im Jahr. Das Komplettsystem für elektrifiziertes Wohnen im Einfamilienhaus reduziert nicht nur die CO2-Emissionen auf ein Minimum, sondern entlastet langfristig den Geldbeutel.
Drei Stellschrauben können den Hochlauf stärken
Drei wichtige Stellschrauben sind entscheidend, um den Wärmepumpenmarkt zu stärken:
- Verlässliche Förderung: Eine Verstetigung der Förderprogramme über die aktuelle Legislaturperiode hinaus ermöglicht Planungssicherheit für Investitionen.
- Anpassung bei Energiepreisen: Ein günstiges Verhältnis von Strom- zu Gaspreisen ist ausschlaggebend dafür, wie schnell sich Investitionen in die Elektrifizierung auszahlen. Steuern und Abgaben auf Strom und Gas sind so anzupassen, dass sich elektrifiziertes Heizen und Laden klar lohnt.
- Smartes Energiemanagement: Der Einsatz intelligenter Steuerungssysteme erlaubt eine verbrauchsorientierte und netzdienliche Energienutzung im Haushalt. Trotzdem ist Deutschland EU-weit abgeschlagen beim Smart Meter Rollout: weniger als drei Prozent aller Zähler hierzulande sind schlau. Hier muss Deutschland aufholen, damit Verbraucher:innen bei den Energiekosten sparen und zugleich den Ausbau der Stromnetze entlasten können.
Die Wärmepumpe hat 2025 die Chance, sich nach hitzigen Debatten und unstetem Wachstum als klimafreundliche, zuverlässige und wirtschaftliche Heizlösung im Eigenheim zu etablieren. Jetzt gilt es, die Branche und Verbraucher:innen darauf einzustimmen, optimistisch und mit Tatkraft in ein erfolgreiches Jahr zu starten.
[1] https://www.bdh-industrie.de/presse/pressemeldungen/artikel/absatz-von-heizungen-stark-ruecklaeufig-waermewende-stagniert
[2] thermondo Umfrage über Appinio, 65,9 % der befragten Hauseigentümer geben “Senken der Heizkosten” als Hauptgrund für den Umstieg auf die Wärmepumpe an.