Artikel aus dem Handelsblatt Journal RESTRUKTURIERUNG vom 15.05.2025
Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data eröffnen dabei zunehmend neue Möglichkeiten für alle Beteiligten: Sie schaffen Übersicht, machen komplexe Zusammenhänge sichtbar und helfen, rasch die richtigen Hebel zu identifizieren. Richtig eingesetzt, werden sie in allen Phasen der Krise – und idealerweise schon davor – zu zentralen Bausteinen einer wertorientierten Restrukturierung.
Früh erkennen statt spät reagieren: Krisenanfälligkeit lässt sich heute datenbasiert analysieren – nicht nur erahnen. KI-gestützte Modelle simulieren externe Schocks oder operative Störungen und zeigen, wo Geschäftsmodelle verwundbar sind. Ein Konsumgüterzulieferer erkannte so, dass ein Drittel seiner Produktlinien bereits bei moderaten Nachfragerückgängen defizitär wurde. Die Analyse half, frühzeitig gezielte Gegenmaßnahmen zu ergreifen – bevor akuter Handlungsdruck entstand.
Maßnahmen wirksam steuern: Auch in der Umsetzung entfalten digitale Tools ihr Potenzial. KI hilft, Maßnahmen strukturiert aufzusetzen, Prioritäten zu definieren und Risiken frühzeitig zu erkennen. Fortschritte lassen sich nahezu in Echtzeit messen. Mittels laufender Analyse von Transaktionsdaten lässt sich der Erfolg von Working-Capital-Maßnahmen gezielt steuern.
Liquidität sichern – Spielräume gewinnen: Liquidität bleibt zentrales Steuerungskriterium, ob in der Krise oder davor. Wer die eigene Finanzierung nicht aktiv gestaltet, gibt Spielraum auf. Durch KI-gestützte Analyse von Zahlungszielen und Zahlungsströmen sind in der Praxis Einsparungen von 10 -20 Prozent des eingesetzten Kapitals möglich – dies zeigt unsere gemeinsame Projekterfahrung mit den Datenexperten von BCG X. Entscheidend ist das Zusammenspiel von finanzieller Steuerung und technologischer Präzision.
Kommunikation stärken – auf Datenbasis: Restrukturierung heißt auch Stakeholder zu überzeugen. KI kann auch hier helfen und komplexe Analysen sowie Konzepte in strukturierte Entscheidungsgrundlagen überführen – etwa gegenüber Finanzierungspartnern. Fundierte Szenarien, klare Ableitungen und eine konsistente Argumentation schaffen Vertrauen – und beschleunigen Entscheidungen, wenn es darauf ankommt.
Fazit: Wer Restrukturierung heute datenbasiert (mit) denkt, gewinnt Tempo, Tiefe und Glaubwürdigkeit. Entscheidend ist, die Technologie gezielt einzusetzen – für Stabilisierung heute und Resilienz morgen.
Herzlichen Dank an Julia Kriegsmann und Dominik Bill für die Mitwirkung beim Erstellen des Beitrages.

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