Renditen und Zinserträge im Kryptobereich: Woher sie stammen und was dahintersteckt

Allgemeiner Marktausblick

[Markteinschätzungen und Zahlen per DD.MM.2026; Quellen auf Anfrage]

Das geopolitische Bild für den Kryptomarkt hat sich als fragiler erwiesen als zunächst angenommen. Die vorläufige Einigung zwischen den USA und dem Iran sowie die Wiederöffnung der Strasse von Hormuz hatten das Konfliktrisiko anfänglich entschärft, doch die Waffenruhe hat seither nur teilweise gehalten, und erneute Spannungen stellen sie wieder in Frage. Die Aufmerksamkeit der Märkte ist daher geteilt zwischen einer weiterhin ungelösten geopolitischen Lage und den makroökonomischen und kryptospezifischen Faktoren, die zuletzt wieder in den Vordergrund gerückt waren.

Im Zentrum steht weiterhin die Frage, wie rasch sich die Energiemärkte normalisieren. Die Ölpreise haben einen Grossteil ihres anfänglichen konfliktbedingten Anstiegs wieder abgegeben, und auch die Terminmärkte hatten tiefere Preise eingepreist, wobei die erneuten Spannungen wieder eine gewisse Zweiseitigkeit ins Spiel bringen. Selbst in einem ruhigeren Szenario dürfte die Normalisierung der physischen Lieferketten deutlich länger dauern als jede Preisanpassung, ebenso bei Tankerversicherungen und Frachtraten. Das Tempo dieser Normalisierung sowie die weitere Entwicklung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran werden den Inflationsausblick der kommenden Monate wesentlich beeinflussen.

Bei der Inflation fielen die jüngsten Daten ermutigender aus. Die CPI-Zahlen kamen tiefer aus als erwartet und nahmen etwas Druck heraus, der sich durch den Energieschock aufgebaut hatte. Dennoch hat die US-Notenbank unter dem neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh einen vorsichtigen Ton beibehalten und signalisiert, die Geldpolitik straff zu halten, bis sich der Disinflationstrend klar bestätigt. Da die Fed nun von Datenpunkt zu Datenpunkt agiert und dabei besonders auf ihr bevorzugtes Mass, den Kern-PCE, achtet, bleiben die kommenden Inflationszahlen entscheidend für den weiteren Kurs der US-Geldpolitik und damit für Risikoanlagen insgesamt.

Mit Blick weiter nach vorn bleibt die nächste Phase der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran im Fokus, allen voran die Zukunft des iranischen Uran-Anreicherungsprogramms. Ob beide Seiten eine tragfähige Einigung erreichen, welche die regionale Stabilität wahrt und die Strasse von Hormuz offen hält, bleibt ein wichtiges makroökonomisches Risiko, das in beide Richtungen wirken kann.

Innerhalb des Kryptomarktes richtet sich der Blick weiterhin auf anlagespezifische Treiber. Fortschritte beim CLARITY Act bleiben ein wichtiger regulatorischer Meilenstein, und auch die ETF-Flüsse werden weiterhin genau beobachtet. Nach einer Phase deutlicher Nettoabflüsse hat sich das Tempo der Abflüsse verlangsamt, und es zeigen sich erste Anzeichen einer Stabilisierung; offen bleibt jedoch, ob institutionelle und professionelle Anleger auf dem aktuellen Niveau wieder in nennenswertem Umfang akkumulieren. Übergeordnet entwickelt sich der breitere Trend der institutionellen Adoption weiter, über einzelne regulatorische oder makroökonomische Schlagzeilen hinaus.

Insgesamt bleibt das makroökonomische Umfeld fein austariert. Die tieferen Inflationsdaten waren ein echter Lichtblick, doch eine fragile Waffenruhe hält das geopolitische Risiko klar präsent. Die Aufmerksamkeit der Märkte verlagert sich zwischen Inflation, Geldpolitik, regulatorischen Fortschritten, ETF-Nachfrage und der nächsten Phase der US-iranischen Verhandlungen, die zusammen die Entwicklung der Kryptowerte in der kommenden Zeit prägen dürften.

Renditequellen und Zinserträge im Kryptomarkt

Digitale Vermögenswerte werden meist als Wertaufbewahrungsmittel, Zahlungsmittel oder Infrastruktur für dezentrale Anwendungen wahrgenommen. Weniger bekannt ist jedoch eine weitere Eigenschaft: Die Anlageklasse umfasst zudem eine Reihe von renditegenerierenden Strategien, die für bestimmte professionelle Anleger relevant sein können.

Diese Strategien können komplex sein, doch viele beruhen auf ökonomischen Prinzipien, die sich auch in traditionellen Fixed-Income- und Arbitragemärkten finden, angewendet auf eine neuere, stärker dezentralisierte und sich rasch entwickelnde Anlageklasse.

Im Wesentlichen lassen sich zwei zentrale Renditequellen unterscheiden.

Die erste erschliesst sich über sogenannte Perpetual Futures, die zu den meistgehandelten Instrumenten im Kryptomarkt gehören. Ähnlich wie klassische Futures ermöglichen sie gehebelte Positionen auf den Preis eines Basiswerts. Im Gegensatz zu herkömmlichen Futures besitzen sie jedoch kein Verfallsdatum und können deshalb unbegrenzt gehalten werden.

Damit sich der Preis dennoch eng am Kassamarkt orientiert, kommt regelmässig die sogenannte Funding Rate zum Einsatz. Liegt der Preis des Perpetual Futures über dem Spotpreis, zahlen Long-Positionen an Short-Positionen. Liegt er darunter, erfolgt die Zahlung in die entgegengesetzte Richtung. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass sich Future- und Spotpreis kontinuierlich annähern.

Funding-Rate-Strategien bauen genau auf diesem Prinzip auf und gehören zu den bekanntesten marktneutralen Ansätzen im Kryptobereich. Da die Nachfrage nach gehebelten Long-Positionen historisch meist überwogen hat, waren die Funding Rates über längere Zeit positiv. Long-Investoren zahlten somit regelmässig an Short-Investoren.

Diese Prämie lässt sich vereinnahmen, indem gleichzeitig der Basiswert gekauft und der entsprechende Perpetual Future leerverkauft wird. Die Strategie ist darauf ausgerichtet, das gerichtete Preisrisiko zu begrenzen. Sie zielt darauf ab, eine Funding-Prämie zu vereinnahmen, ähnlich klassischen Cash-and-Carry-Strategien aus den Rohstoff- oder Fixed-Income-Märkten.

Eine zweite wichtige Renditequelle welche Zinserträge liefert ist Lending und Borrowing. Das Grundprinzip unterscheidet sich kaum von jenem traditioneller Kreditmärkte. Anleger stellen Kapital in besicherten Märkten zur Verfügung und können dafür Zinserträge von Kreditnehmern erhalten. Kreditnehmer müssen Sicherheiten hinterlegen, deren Wert über dem aufgenommenen Kredit liegt. Daraus können besicherte, variabel verzinste Erträge entstehen, deren Höhe von der Nachfrage nach Liquidität und Hebel im Markt abhängt.

Rund um diese beiden Kernstrategien hat sich in den vergangenen Jahren ein deutlich breiteres Spektrum alternativer Renditeansätze entwickelt. Dazu gehören Cross-Venue-Arbitrage, bei der Preisunterschiede desselben Instruments zwischen verschiedenen Handelsplätzen genutzt werden, Basis- und Carry-Strategien über regulierte Futures, optionsbasierte Volatilitätsstrategien sowie On-Chain Private Credit. Jede dieser Strategien verfügt über ein eigenes Risiko- und Renditeprofil. Gemeinsam bilden sie ein zunehmend ausgereiftes und differenziertes Spektrum an Renditequellen.

Besonders auffällig ist dabei die zunehmende Professionalisierung des Marktes. Während früher einzelne, leicht skalierbare Strategien dominierten, ist das Spektrum heute wesentlich breiter und anspruchsvoller geworden. Dadurch ist die Anlageklasse für institutionelle und professionelle Investoren attraktiver geworden und verfügt über ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren.

Ausblick für Renditestrategien und Zinserträge im Kryptomarkt

Historisch haben diese Strategien nennenswerte Erträge erzielt, wobei die Renditen im Zeitverlauf schwanken und nicht garantiert sind. In den vergangenen Monaten kam es allerdings zu einer gewissen Kompression der Renditen und Zinsen. Ausschlaggebend dafür waren die wachsende Beteiligung professioneller Marktteilnehmer sowie die geringere Nachfrage nach Hebel.

Besonders deutlich zeigte sich dies bei den Funding Rates, die sich zuletzt vielfach im neutralen Bereich oder sogar darunter bewegten. Das spricht dafür, dass die grossen Perpetual-Märkte heute zunehmend als professionelle Absicherungsinstrumente genutzt werden und weniger als Vehikel für einseitige Spekulation. Auch dies ist ein weiteres Zeichen für die zunehmende Reife und Institutionalisierung des Kryptomarktes.

Trotz dieser Entwicklung bleiben viele der Strategien im Vergleich zu traditionellen Renditequellen attraktiv. Da sie überwiegend marktneutral ausgestaltet sind, stammen ihre Erträge aus strukturellen Marktprämien und nicht aus einer Wette auf steigende oder fallende Kurse. Historisch führte dies zu einer vergleichsweise geringen Volatilität sowie einer niedrigen Korrelation mit Aktien, Fixed Income und auch einem klassischen Long-Portfolio in Kryptowährungen.

Klassische Carry- und Funding-Strategien könnten wieder an Bedeutung gewinnen, sofern die Marktbedingungen eine Ausweitung der Renditen gegenüber dem aktuellen Niveau unterstützen.

Für professionelle Anleger liegt der Mehrwert dieser Strategien jedoch nicht allein in ihrer Rendite. Sie können eine differenzierte Renditequelle mit geringerem gerichtetem Marktrisiko bieten. Damit können sie sowohl bestehende Krypto-Allokationen sinnvoll ergänzen als auch zur Diversifikation traditioneller Multi-Asset-Portfolios beitragen.

Gerade weil unkorrelierte Renditequellen zunehmend seltener werden, gewinnen solche Strategien an Bedeutung. Digitale Vermögenswerte bieten heute weit mehr als reines Kurswachstum. Sie eröffnen ein wachsendes Spektrum an Renditequellen und verbinden die Ertragseigenschaften klassischer Fixed-Income- und Arbitragestrategien mit den Diversifikationsvorteilen einer jungen, zunehmend institutionellen Anlageklasse.


Rechtlicher Hinweis: Diese Publikation dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung, Empfehlung oder ein Angebot beziehungsweise eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von digitalen Vermögenswerten, Finanzinstrumenten oder Anlageprodukten dar. Digitale Vermögenswerte und damit verbundene Renditestrategien sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Renditen sind nicht garantiert, und die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.