Private Debt in der Restrukturierung – Teil der Lösung oder Risiko für den Turnaround?

Restrukturierungen werden in einer weiterhin angespannten, wirtschaftlichen Situation zunehmend zu einem Balanceakt. Während der Transformations- und Wettbewerbsdruck substanzielle Finanzbedarfe erzeugt, verändert sich zugleich das Finanzierungsumfeld. Klassische Bankfinanzierungen stoßen insbesondere in Krisensituationen immer häufiger an regulatorische, finanzielle und risikopolitische Grenzen.

Unsere Restrukturierungsstudie des vergangenen Jahres 2025 hatte gezeigt: Die klassische Finanziererlandschaft schaut ausgerechnet auf die Branchen am kritischsten, die erheblichen Transformationsbedarf haben. Zugleich wurde deutlich: alternative Finanzierungsformen wie Private Debt gewinnen in dem Zuge an Bedeutung. Allerdings agieren diese Fonds selektiv und investieren nur unter den richtigen Rahmenbedingungen, mit Anspruch auf Kontrollmechanismen und mit Aussicht auf eine signifikante Rendite nach der erfolgreichen Restrukturierung. Private Debt tritt mithin nicht als universeller Ersatz für Banken auf. Zugleich schafft es eine neue Komplexität und potenzielle Spannungsfelder. Dabei entsteht Reibung – aber auch Potenzial.

Denn dort, wo Banken an ihre Grenzen stoßen, können neue Formen der Zusammenarbeit mit Private Debt Fonds zu einer Symbiose führen: zum Beispiel können Banken durch gewachsene Kundenbeziehungen für Kontinuität sorgen und gut besicherte Finanzierungselemente zu geringeren Kosten zur Verfügung stellen. Private Debt Fonds tragen unter Umständen eine höhere Geschwindigkeit und Risikobereitschaft bei. Ob diese Kombination zu besseren Ergebnissen führt oder Restrukturierungen weiter verkompliziert, kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Die zentrale Frage lautet daher, unter welchen Voraussetzungen die Zusammenarbeit Wert schafft. Eine Auswahl unserer Hypothesen der diesjährigen Restrukturierungsstudie gibt hierbei einen Eindruck auf die kritischen Faktoren:

  • Die neue Finanzierungsrealität ist ein Spannungsmodell.
    Private Debt ersetzt Banken nicht – es ergänzt sie selektiv. Wo sich Banken aus „fresh money“-Diskussionen zurückziehen, springen Fonds ein. Doch sie tun dies mit eigenständigen Renditeanforderungen, stärkeren Covenants und klaren Exit-Logiken. Restrukturierungen werden somit kapitalstärker, aber nicht zwingend stabiler.
  • Unterschiedliche Entscheidungslogiken erzeugen systemische Reibung.
    Banken denken in Bestandskundenbeziehungen, regulatorischer Kapitalbindung und langfristiger Exposure-Steuerung. Private Debt denkt in IRR, Downside-Protection und optionaler Eigenkapitalpartizipation. Treffen diese Logiken aufeinander, entstehen Zielkonflikte – etwa bei Zinshöhe, Besicherung oder Governance-Rechten.
  • Geschwindigkeit wird zum Machtfaktor.
    Private-Debt-Fonds können Entscheidungen oft schneller treffen als Bankenkonsortien. In akuten Liquiditätskrisen verschiebt diese Geschwindigkeit die Verhandlungsmacht. Wer kurzfristig Liquidität stellt, erhält strukturelle Vorteile – sei es über Seniorität, Sicherheiten oder Einflussrechte. Banken geraten dadurch potenziell in eine defensive Rolle.
  • Konsolidierung im Private Debt Sektor erzeugt stärkere Konkurrenz für Banken
    Private Debt Fonds konsolidieren derzeit spürbar und treten mit wachsender Kapitalstärke, Branchen-Knowhow und Manpower als prägende Akteure in Restrukturierungen auf. Mit steigender Größe könnten die Renditeerwartungen sinken – und damit der Wettbewerb mit Banken intensiver werden.
  • Kooperation schafft nur dann Mehrwert, wenn ein gemeinsames Endgame definiert ist.
    Banken tendieren zu Stabilisierung und Exposure-Reduktion. Private Debt zielt häufig auf Renditemaximierung durch Refinanzierung, Exit oder Debt-to-Equity-Optionen. Ohne klare Zielharmonisierung – Sanierung, Verkauf oder geordneter Rückzug – droht die Zusammenarbeit zu einem taktischen Nebeneinander zu werden, das das Unternehmen weiter belastet.
  • Governance wird zum eigentlichen Schlachtfeld. Wer sitzt im Steering Committee? Wer bestimmt die Auswahl des CRO? Wer definiert die Rahmenbedingungen für die Finanzierung? Die Frage der formalen und informellen Führungsrolle entscheidet zunehmend über den Restrukturierungserfolg.

Insgesamt ist festzuhalten: Die Finanzierung entwickelt sich in einer solchen Gemengelage selbst zum kritischen Erfolgsfaktor von Restrukturierungen. Wer die Dynamiken zwischen den verschiedenen Kapitalgebern nicht versteht und aktiv steuert, riskiert Verzögerungen und Fehlanreize – bis hin zum Scheitern eines potenziell tragfähigen Sanierungskonzepts.