Hand drauf: Nvidia und die Telekom wollen in München 10.000 KI-Chips verbauen

Nvidia-CEO Jensen Huang ist nach Berlin geflogen, um mit Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges den Start eines Rechenzentrums für Künstliche Intelligenz bekannt zu geben. In München sollen 10.000 Hochleistungschips von Nvidia verbaut werden. Die Anlage soll bereits 2026 an den Start gehen.

Hand drauf: Nvidia und die Telekom wollen in München 10.000 KI-Chips verbauen. (Optik: HB/ChatGPT)

Warum das wichtig ist? Weil es endlich ein konkretes Projekt ist, um Deutschland im Wettrennen um Infrastruktur für Künstliche Intelligenz voranzubringen. Seit Monaten beteuern Vertreter aus Industrie und Politik, dass sich die Bundesrepublik nicht abhängen lassen darf. Jetzt gibt es auch ein konkretes Vorhaben.

Jensen Huang war nicht verlegen, seine Rolle bei dem Projekt zu betonen. „Ich hatte diese großartige Idee als Erstes und bin damit auf die Telekom zugegangen“, sagte er bei der Auftaktveranstaltung.

Nvidia-CEO Huang (l.) und Telekom-Chef Höttges: Sie kooperieren bei einer KI-Fabrik in München. (Foto: Carsten Koall/dpa)

Klar, Huang will seine Chips verkaufen. Da kommt ihm die Partnerschaft mit der Telekom gerade recht. Aber allein das Tempo bei dem Projekt ist beachtlich. Im Sommer war Huang das erste Mal in Berlin. Rund ein halbes Jahr später soll die Anlage bereits in Betrieb gehen. Dafür will die Telekom ein altes Rechenzentrum nutzen. Wer sich in der Branche auskennt, der weiß: Solche Projekte dauern eigentlich zwei Jahre und länger – vor allem aufgrund der Genehmigungsverfahren.

Höttges hatte bei der Auftaktveranstaltung gleich noch die Chefs von SAP und Deutscher Bank mit auf die Bühne geholt sowie Digitalminister Karsten Wildberger von der CDU und Forschungsministerin Dorothee Bär von der CSU. Die Botschaft: Es gibt ein konkretes Projekt mit Partnern, Kunden und politischer Rückendeckung.

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Telekom-CEO Höttges handelt, statt abzuwarten. Verglichen mit den Erfahrungen mit Unternehmenslenkern in China und den USA wirken viele Firmenchefs in Deutschland häufig zu zögerlich. Dieser Vorstoß setzt ein deutliches Zeichen. Davon sollte es mehr geben!

Aber einen Haken gibt es: Die Beteiligten verkaufen das Vorhaben als ‚digitale Souveränität‘. Diese Darstellung ist fragwürdig. Ohne die Amerikaner, insbesondere Nvidia, wäre das Projekt undenkbar. Ein großer Teil der veranschlagten Investitionssumme von einer Milliarde Euro fließt ohnehin an den Konzern aus Santa Clara zurück, da die Chips der Kalifornier teuer sind. 60 bis 70 Prozent der Gesamtsumme entfallen auf die Halbleiter, erläuterte Newstreet-Research-Analyst James Ratzer.

Damit ist das Projekt beides: ein mutiger Schritt und gleichzeitig ein Symbol für Abhängigkeit.


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