Alarmstufe Rot bei OpenAI: Warum das für die Branche und Kunden gut sein dürfte. (Foto: Michel Becker/Sora)
Warum das wichtig ist: OpenAI hat mit ChatGPT den jüngsten Hype bei Künstlicher Intelligenz (KI) ausgelöst. Die Firma hat drei Jahre den Rhythmus bei Innovationen und Produkten im Bereich KI diktiert. Diese Deutungshoheit schwindet.
Das sollte Sie nicht beunruhigen. Das sollte Sie ermutigen. Gerade jetzt preschen Rivalen mit innovativen Produkten vor. Die Branche wird diverser. Das ist nicht nur gut für die KI-Landschaft, sondern vor allem auch für deren Kundinnen und Kunden.
Was passiert ist: OpenAI-Chef Sam Altman hat in einem internen Momo den „Code Red“ ausgerufen – die höchste Dringlichkeitsstufe bei Vorhaben des Unternehmens. Das Unternehmen nutzt drei Farbcodes – Gelb, Orange und Rot –, um unterschiedliche Dringlichkeitsstufen zu kennzeichnen. Nun sollen sich viele Ressourcen darauf konzentrieren, das Kernprodukt ChatGPT besser zu machen.

Sam Altman: Der Chef von OpenAI weist sein Team an, sich ganz auf ChatGPT zu konzentrieren. (Foto: Bloomberg)
Der Grund ist sicherlich, dass Altman klar geworden ist, wie stark OpenAI zuletzt seine Vorreiterrolle abgibt. Suchmaschinenbetreiber Google hat mit Gemini 3 ein neues Modell vorgestellt, das dem von OpenAI in einigen Disziplinen überlegen ist.
Deshalb ist jetzt genau der Zeitpunkt, zu dem Sie stärker andere Firmen in den Blick nehmen sollten – etwa diese drei:
Moore Threads: Heute hat das Chip-Unternehmen aus China in Shanghai sein Börsendebüt vollzogen. Die Aktie stieg um etwa 500 Prozent. Moore Threads steht exemplarisch für Chinas Versuch, eine Industrie für KI-Chips aufzubauen. Das Unternehmen wurde 2020 von einem früheren Nvidia-Manager gegründet.
Die Firma entwickelt Grafikprozessoren für das Training großer KI-Modelle. Chinas Chips sind westlichen Spitzenmodellen zwar noch unterlegen, doch der Markt wächst schneller, als Nvidia liefern kann und darf – schließlich hat US-Präsident Donald Trump die Beschränkungen für den Export von KI-Chips nach China verschärft. Jede funktionierende Alternative hat damit sofort strategisches Gewicht.
Moore Threads ist zudem der erste der „Four Little Dragons“, die an die Börse gehen: einer Gruppe vielversprechender chinesischer KI-Chip-Start-ups, bestehend aus Moore Threads, Biren Technology, Iluvatar CoreX und MetaX. Sie sollen die Lücke schließen, die US-Sanktionen im chinesischen KI-Ökosystem hinterlassen. Nach dem spektakulären Börsenstart dürften weitere IPOs vorangetrieben werden.
Black Forest Labs: Vergangene Woche hatte Stephan Scheuer Ihnen von einer spannenden Recherche seiner Kollegin Luisa Bomke erzählt. Mittlerweile ist ihre Geschichte veröffentlicht: Das KI-Start-up Black Forest Labs ist zur wertvollsten KI-Firma Deutschlands aufgestiegen.
Das Start-up aus Freiburg hat eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar abgeschlossen. Aktuell wird Black Forest Labs mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet und zählt zu den am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen Europas. Einer der wichtigen Kunden und Geldgeber ist die Telekom. Deren CEO Timotheus Höttges hat schon fleißig mit dem Bildmodell rumgespielt – zusammen mit seinem Dackel Anton.

Telekom-CEO Höttges mit Dackel Anton: Das KI-Bildmodell von Black Forest Labs ausprobiert. (Foto: Deutsche Telekom)
Black Forest Labs lässt von KI nicht nur Bilder erstellen, sondern künftig auch Videos. Es zeigt, dass Gründer aus Deutschland mit den besten Teams in der Welt mithalten können. Wie ihnen das gelungen ist und was sie künftig planen, hat Robin Rombach, Chef von Black Forest Labs, Luisa Bomke im Interview erzählt.
Anthropic: Der Betreiber des KI-Chatbots Claude mausert sich zu etwas wie einem Anti-OpenAI. CEO Dario Amodei arbeitete einst für Sam Altman, heute ist er einer seiner mächtigsten Widersacher. Dabei arbeiten die Teams von Anthropic und OpenAI im Herzen von San Francisco nur wenige Straßenzüge voneinander entfernt.
Gerade beim Erstellen von Computercode, einer Kernfähigkeit von KI-Sprachmodellen, ist Anthropic vor einiger Zeit in vielen Tests an OpenAI vorbeigezogen. Nun arbeitet Anthropic wohl an einem Börsengang für das nächste Jahr und soll dafür schon eine Kanzlei angesprochen haben, berichtet die „Financial Times“. Während OpenAI auf schnelle Produktzyklen und breite Nutzung zielt, priorisiert Anthropic Verlässlichkeit und Risikominimierung. Genau das hilft der Firma heute.
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