KI-Bild zu Trump in Davos: Der US-Präsident hat das Weltwirtschaftsforum dominiert. (Foto: Stephan Scheuer / Sora)
Warum das wichtig ist: In Davos wurde viel beschwichtigt. Hinter den Kulissen aber zeigte sich, wie nervös Europa ist. Beim Digital Networks Act ist die EU vor den USA eingeknickt. Zusätzliche Abgaben für Hyperscaler? Vom Tisch. Die Botschaft aus Washington war klar – und sie wirkte.
Die Chefs der großen KI-Firmen aus den USA gaben sich in Davos kleinlaut und betonten, dass sie die geopolitische Bedeutung ihrer Produkte verstanden haben. Anthropic-Chef Dario Amodei verglich den Umgang mit KI mit dem Verkauf von „Atomwaffen an Nordkorea“. Seine Botschaft: Diese Technologie dürfe nicht in falsche Hände geraten. Wer diese „falschen Hände“ sind, war lange klar definiert: autoritäre Staaten.
Unter der neuen US-Administration wird diese Abgrenzung unschärfer. Könnte damit künftig auch Deutschland gemeint sein? Niemand kann das heute sagen. Vermutlich auch Donald Trump nicht. Denn genau diese Unsicherheit ist für ihn ein zentrales Instrument seiner Politik.
Trump weiß, wo Europas Verwundbarkeit liegt. Er nutzt sie gezielt. Zölle sind dabei nur ein Instrument. Technologische Abhängigkeit ist das schärfere.

Ralph Dommermuth baut ein Mobilfunknetz und bietet E-Mail-Konten für Millionen von Deutschen. (Foto: dpa(2), imago [M])
Wie groß diese Abhängigkeit ist, beschreibt 1&1-Chef Ralph Dommermuth schonungslos im Handelsblatt-Interview. Kaum jemand kennt die digitale Infrastruktur Deutschlands so gut wie er. Jeder zweite Deutsche nutzt ein E-Mail-Konto von Web.de oder GMX. Mit Ionos betreibt er einen der größten europäischen Cloud-Anbieter und baut gerade ein 5G-Netz auf.
Dommermuth sagt, was viele nicht hören wollen: Der Zug ist in zentralen Bereichen längst abgefahren. Der Vorsprung der USA bei Cloud, KI und Infrastruktur ist kaum aufzuholen. Und Trump wird diese Macht politisch einsetzen. Abhängigkeiten seien kein abstraktes Risiko mehr – sondern ein handfester Standortnachteil.
Seine Warnung trifft ins Mark: Europas Souveränitätsdebatte sei oft nicht mehr als Souveränitäts-Washing, sagte er unserem Chefredakteur Sebastian Matthes und mir bei einem Besuch in der Handelsblatt-Zentrale in Düsseldorf.
Das gilt besonders für Künstliche Intelligenz. Sie wird zur zentralen Infrastruktur der Wirtschaft. Wer sie kontrolliert, bestimmt die Regeln. Europa kann den Rückstand nicht einfach wegsubventionieren. Aber es kann entscheiden, wie abhängig es sich macht.
Was das konkret heißt, zeigt ein Berliner Start-up, das viele noch unterschätzen: Langdock. Luisa Bomke beschreibt, wie Unternehmen KI produktiv nutzen können – ohne ihre Daten vollständig aus der Hand zu geben. Kein europäisches Gegen-OpenAI. Aber ein pragmatischer Weg, Abhängigkeiten zu begrenzen und Wertschöpfung zu binden.
Die Lehre aus Davos ist unbequem: Europa wird die US-Tech-Giganten nicht einholen. Aber es kann klüger entscheiden, wo es sie braucht – und wo nicht. Zuhören lohnt sich. Vor allem denen, die die Infrastruktur tatsächlich betreiben.
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