Digitales Verfahrensmanagement: Skalierungspotenziale im Insolvenzverfahren konsequent nutzen.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt – und mit ihr das Volumen und die Komplexität der Verfahren. Für Verwalterkanzleien steigt damit die operative Belastung – und mit ihr die Verantwortung gegenüber allen Beteiligten. Die zentrale Frage ist, wie Kanzleien mit diesen wachsenden Anforderungen Schritt halten und sogar Skalierungseffekte nutzen können – ohne dass Qualität oder Mitarbeiter auf der Strecke bleiben.

Ein Wachstumsmarkt mit steigender Komplexität

Im Jahr 2025 stellten in Deutschland insgesamt 24.064 Unternehmen einen Insolvenzantrag – ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit zwei Jahrzehnten. Experten rechnen für 2026 mit einer weiteren Zunahme insbesondere bei größeren Verfahren.

Gleichzeitig sind die Verfahren selbst aufwendiger geworden: mehr Beteiligte, komplexere Unternehmensstrukturen, höhere Anforderungen an Transparenz und Dokumentation. Hinzu kommt, dass auch Lieferanten zunehmend unter Druck stehen – in einem schwächelnden Gesamtmarkt wird die Abstimmung mit ihnen aufwendiger und fragiler. Der Arbeitsaufwand pro Verfahren wächst – und damit die Frage, wie gut aufgestellte Kanzleien dieses Potenzial systematisch heben können, ohne ihre Teams dauerhaft an die Kapazitätsgrenzen zu bringen.

Das operative Verfahren: strukturell wenig digitalisiert

Die Antwort auf wachsende Verfahrensvolumina liegt nahe: Digitalisierung. Und tatsächlich hat die Branche in vielen Bereichen erhebliche Fortschritte gemacht. Doch ein Bereich bleibt strukturell unterversorgt: das operative Management im laufenden Verfahren.

Der Grund liegt nicht im fehlenden Willen der Kanzleien, sondern in einer Eigenheit des Insolvenzgeschehens: Jedes Schuldnerunternehmen bringt eine andere IT-Landschaft mit – gewachsene Systeme, proprietäre Branchenlösungen, teils ohne nutzbare Schnittstellen. Standardsoftware, die kanzleiseitig verfahrensübergreifend eingesetzt werden könnte, ist unter diesen Bedingungen und aufgrund der sehr kurzfristigen Zeitachsen selten praxistauglich.

Was bleibt, ist eine operative Realität, die viele Verfahrensbeteiligte kennen: Bestellungen per E-Mail, Freigaben per Telefon, Liquiditätsstände in Excel. Entlang dieser Prozesskette entstehen Informationsverluste, Fehlerquellen und Haftungsrisiken – und vor allem ein erheblicher Zeitaufwand für qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an anderer Stelle deutlich mehr Wert schaffen könnten.

Individuelle Lösungen: pragmatisch, aber nicht skalierbar

Weil Standardsoftware nicht passt, entwickeln Kanzleien für jedes Verfahren individuelle Lösungen. Das ist ein Zeichen von Pragmatismus und Erfahrung – führt aber zwangsläufig zu Prozessen, die schwer skalierbar sind. Bestellvorgänge müssen mit der Liquiditätsplanung abgeglichen, Freigaben rollenkonform dokumentiert und Zahlungsläufe insolvenzrechtlich sauber abgegrenzt werden. Mit Excel-Tabellen und E-Mail-Ketten lässt sich das bei steigendem Volumen irgendwann nicht mehr zuverlässig leisten.


© OBES-System von WAYES

Was eine praxistaugliche digitale Lösung leisten muss

Eine digitale Lösung, die im Verfahrensalltag funktioniert, muss vier Anforderungen erfüllen:

  • Verfahrensunabhängige Einsatzfähigkeit: Sie muss unabhängig von der IT-Infrastruktur des Schuldners funktionieren – als eigenständige Schicht, die von Tag eins einsatzbereit ist.
  • Rollenbasierte Prozesssteuerung: Einkauf, Geschäftsführung, Sachwalter, Verwalter – alle Beteiligten brauchen klar zugewiesene Aufgaben und strukturierte Freigabewege.
  • Liquiditätsintegration: Bestellvorgänge und Zahlungsläufe müssen direkt mit der Liquiditätsplanung verknüpft sein.
  • Revisionssichere Dokumentation: Jeder Schritt im Prozess muss lückenlos nachvollziehbar sein – als Schutz vor Haftungsrisiken und als Grundlage für die Kommunikation mit allen Beteiligten.

Skalierbarkeit als Hebel für weiteres Wachstum

Wer operative Routinen – Bestellfreigaben, Rechnungsprüfungen, Zahlungsläufe – strukturiert und weitgehend automatisiert abwickeln kann, setzt seine besten Leute für das frei, was wirklich zählt: die Bewertung von Sanierungsoptionen, die Verhandlung mit Gläubigern, die Steuerung komplexer Restrukturierungsprozesse. Kanzleien, die diesen Schritt gehen, können ihr Verfahrensvolumen ausbauen, ohne ihre Teams überproportional zu belasten.

Technologie ersetzt dabei nicht das fachliche Urteil – sie schafft den Raum, es dort einzusetzen, wo es wirklich gebraucht wird.

Steigende Fallzahlen und wachsende Verfahrenskomplexität sind für gut aufgestellte Kanzleien eine Chance. Digitale Lösungen, die verfahrensunabhängig, rollenbasiert, liquiditätsintegriert und revisionssicher arbeiten, sind das operative Fundament, um dieses Potenzial systematisch zu heben – und dauerhaft auf hohem Niveau zu arbeiten.