Die Frage nach einem sauberen Energiesystem lautet längst nicht mehr „ob“, sondern „wann“. Im Stromsystem haben erneuerbare Erzeugungsarten die fossilen schon im vergangenen Jahr überholt, und die Wirtschaftlichkeit von Solar- und Windkraft ist heute unstrittig. Mit dem Antragshochlauf bei Speichern haben wir den nächsten Wendepunkt bereits eingeleitet. Trotzdem gilt: Wir müssen dieses Tempo halten – und dafür brauchen wir vor allem zwei Dinge: Klarheit und Konsens.

Die Zukunft des EEG ab 2027: dringender Handlungsbedarf geboten
Am dringlichsten ist derzeit die Frage, wie es ab dem 1.1.2027 mit dem EEG weitergeht. Projekte, die in ein bis zwei Jahren ans Netz gehen sollen, werden jetzt geplant und entwickelt. Vieles deutet auf Contracts for Difference hin – doch wie genau die beidseitigen Differenzverträge ausgestaltet werden, ist offen. Dabei wäre es sinnvoll, die Branche der Grünstromerzeuger und -vermarkter einzubinden. Ein freier Wechsel (Opt-in, Opt-out) in und aus der EEG-Förderung stärkt die Verfügbarkeit von PPAs für den Mittelstand und entlastet zugleich das EEG-Konto. Ebenso wichtig sind Anreizsysteme für ein marktgerechtes und systemdienliches Verhalten, das dafür sorgt, dass Anlagen bei drohenden Engpässen rechtzeitig regeln – sowohl bei überregionalen als auch bei lokalen Netzsituationen.
Der Schlüssel eines stabilen Energiesystems sind Speicher
Fast genauso wichtig wie der künftige Finanzierungsrahmen: Wir müssen Speicher als das begreifen, was sie sind – das aktuell größte Asset für ein stabiles Energiesystem der Zukunft. Investoren und Banken haben das verstanden. Wir brauchen einen Mix aus kurz-, mittel- und langfristigen Batteriespeichern, in Co-Location und Stand-alone, um schwankende Erzeugung und industrielle wie private Lastprofile auszubalancieren – heute und noch stärker in Zukunft.
Der Bundestag hat Mitte November einen wichtigen Schritt getan und die Privilegierung von Speichern beschlossen. Doch fast im selben Moment folgten Rufe nach neuen Vorgaben zur Netzdienlichkeit, die die Fahrweise von Speichern restriktiv festschreiben würden. Natürlich brauchen wir eine klare Definition netzdienlichen Verhaltens und praxistaugliche Lösungen mit den Verteilnetzbetreibern wie flexible Netzanschlussvereinbarungen (FCAs). Was wir aber nicht brauchen, sind zusätzliche bürokratische Hürden – etwa Prüfaufgaben für Baubehörden, die dafür nicht qualifiziert sind. Am Ende entscheidet der Netzanschluss über die Finanzierbarkeit und damit über die Realisierbarkeit von Speicherprojekten. Hier sollte der Markt eine größere Rolle spielen.
Technologiepotenziale pragmatisch heben und Teilhabe stärken
Deutschland verfügt über Technologie und Know-how, das wir sektorübergreifend nutzen könnten. Ein aktuelles Positivbeispiel zeigt, was möglich ist: Lange galt es als ausgeschlossen, Wind und Solar als Stabilisatoren im Stromnetz einzusetzen. Bis sich ein Übertragungsnetzbetreiber, ein Vermarkter und ein Technologieanbieter zusammengetan haben, um PV-Anlagen für die Regelleistung zu präqualifizieren – pragmatisch, leise, lösungsorientiert. Das Ergebnis: Seit Anfang November hat es unsere Solaranlage in Schkölen als erste in Deutschland in die Sekundärregelleistung geschafft – in ein Portfolio, das dazu bestimmt ist, unser Netz im Gleichgewicht zu halten. Ein wichtiger Schritt mit neuen Erlöschancen für Betreiber, vor allem in Zeiten negativer Strompreise. Und ein klares Signal, wie viele Potenziale noch ungenutzt liegen – mit spürbaren volkswirtschaftlichen Konsequenzen.
Dazu gehört auch mehr Flexibilität auf der Nachfrageseite. Die Industrie braucht Anreize, ihren Verbrauch stärker an die Erzeugung anzupassen. Und auch Haushalte sollten merken, dass es sich lohnt, Geräte wie die Waschmaschine in Zeiten hoher Erzeugung und niedriger Preise zu nutzen. Dafür benötigen wir endlich die richtigen Voraussetzungen: digitale Netze, Smart-Meter, dynamische Stromtarife. Nur wenn Menschen partizipieren und den Nutzen selbst erleben, entsteht Akzeptanz. Und genau die – neben klaren politischen Entscheidungen – ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende.