Einzigartig Chipfabrik in Deutschland?

Europa muss sich bei Schlüsseltechnologien schleunigst souveräner aufstellen. Anscheinend laufen bereits Gespräche wie.

SAP, Schwarz Gruppe und weitere Konzerne wollen eine Gigafactory bauen. (Optik: Larissa Holzki | ChatGPT)

Warum das wichtig ist? Weil allen voran die USA ihre technologische Dominanz nutzen, um geopolitische Ziele durchzusetzen. Sie wird zu einer mächtigen Waffe. Und die Abhängigkeit von amerikanischen Satelliten, Chips und Rechenzentren wird dadurch zur Gefahr für Europa.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte bei der Premiere der TECH: „Wenn diese Bundesregierung die Legislaturperiode bis 2029 nicht nutzt, mit Mut und dem Willen zur Veränderung, dann werden wir uns in einer sehr schwierigen Lage befinden.“ Das gelte wirtschaftlich, geopolitisch und innenpolitisch, sagte Reiche: „Wir sind also zum Erfolg verdammt.“

Chefredakteur Sebastian Matthes und Ministerin Katherina Reiche. (Foto: Marc-André Hergenröder)

Zwei Nachrichten sind vor diesem Hintergrund besonders wichtig.  Erstens: Die Konzerne SAP, Telekom, Ionos, die Schwarz-Gruppe und Siemens wollen sich gemeinsam bei der EU-Kommission für Bau und Betrieb einer AI-Gigafactory bewerben. Dabei geht es um eine Art Super-Rechenzentrum, in dem große KI-Modelle trainiert und betrieben werden können.

Die Europäische Union will insgesamt fünf dieser Gigafactories bauen und sie mit je 100.000 speziellen KI-Chips ausstatten. Damit soll Europa eine KI-Infrastruktur erhalten, die mit US-amerikanischen Standards mithalten kann – und die Abhängigkeit von US-Technologie reduzieren soll.

Christof Kerkmann, Stephan Scheuer und Luisa Bomke haben wochenlang zu entsprechenden Plänen recherchiert. Auf der TECH bestätigte SAP-Vorstand Thomas Saueressig: „Es geht nur in Partnerschaft, das ist ganz klar.“ Welches Modell der Zusammenarbeit das richtige sei, werde gerade diskutiert.

Entscheidende Fragen sind offenbar noch ungeklärt, wie das Reporterteam berichtet. Darunter etwa, wer die Infrastruktur federführend aufbauen soll und ob das Vorhaben wirtschaftlich überhaupt tragfähig ist. Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits sagte bei der TECH: „Wir hoffen, dass wir alle zusammenbringen, die Sache hinbekommen und es gemeinsam durchziehen.“

SAP-Vorstand Thomas Saueressig (l.) und Reporter Christof Kerkmann. (Foto: Foto Vogt)

Bei der zweiten Nachricht ist Julian Olk und Joachim Hofer ein Scoop gelungen. Sie erfuhren aus Regierungskreisen, dass in Deutschland eine europaweit einzigartige Chipfabrik entstehen könnte.

Konkret geht es um die Serienproduktion von FMC, kurz für Ferroelectric Memory Company. Die Firma wurde vor neun Jahren aus der TU-Dresden ausgegründet und forscht an einer revolutionären Technologie für Speicherchips. Nach Angaben von FMC verbrauchen die Chips 1000-mal weniger Strom, sind 1000-mal schneller und zehnmal günstiger als verfügbare Alternativen.

Nun will FMC die Produktion hochfahren. Dafür schaut das Unternehmen nach geeigneten Flächen. Zur Auswahl stehen Magdeburg, Pirna und Frankfurt an der Oder.

Die Bundesregierung müsste den Aufbau der Chipproduktion mit Milliarden fördern. Sie hätte dieses Geld. Der Haken: Es gibt 20 andere Projekte, die potenziell gefördert werden könnten. Die Kanzlerpartei CDU hat zudem angekündigt, die Industriepolitik zurückfahren zu wollen.


Wie weit es um entsprechende Gespräche steht, erfahren Sie hier.

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