Ein Jahr der Unsicherheiten und Herausforderungen für Anlegende

Wahlen, Zinswende, geopolitische Spannungen, technologischer Wandel: 2024 ist für die Finanzindustrie ein Jahr voller Herausforderungen und Unsicherheiten, wie das jüngste Börsenbeben zeigt. Aber nicht nur für die Finanzwelt: Investor:innen und Anleger:innen sind gerade jetzt auf der Suche nach stabilen und renditestarken Anlagemöglichkeiten. Und das zunehmend jenseits der traditionellen Aktien- und Anleihemärkte.

Einen Schritt zurück: Bei Privatanleger:innen geht es um Vertrauen. Geld nicht nur auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto zu sparen, sondern zu investieren, ist erst vor wenigen Jahren in der Breite ein Thema geworden. Digitale Broker haben das Tor zur Börse geöffnet. Investitionen in Aktien und ETFs sind mittlerweile so einfach wie Online-Shopping.

Dennoch blicken viele Menschen mit Sorge in die Zukunft und auf ihre Anlagen. Am meisten sorgen sie über die Gefahren weiterer geopolitischer Konflikte, sowohl kurz- als auch mittelfristig. Hinzu kommt die Klimakrise und technologische Disruption. Immer häufiger stellen sich deshalb viele Menschen die Frage, was das für sie und ihr Geld bedeutet. Die Risikoreduzierung und Planbarkeit ist in Zeiten von globalen Krisen, anhaltenden Unsicherheiten und einer zunehmenden Geschwindigkeit deshalb für den Großteil der Anleger:innen von großer Bedeutung.

Mehr Finanzbildung nötig, um Chancen neben traditionellen Anlagen zu eröffnen

Doch wie kann die Finanzindustrie dazu beitragen, Menschen Unsicherheiten und Ängste bei der Geldanlage zu nehmen? Meine Meinung: Es braucht mehr Aufklärung und Finanzwissen. Finanzielle Bildung ist der Schlüssel, um Menschen dazu zu befähigen, im Interesse ihres Vermögensaufbaus und ihrer Absicherung selbstbewusst tätig zu werden. Digitale Broker haben Privatanleger:innen die internationalen Aktienmärkte näher gebracht. Das Anlageuniversum ist jedoch größer und die damit einhergehenden Chancen sämtlicher Asset-Klassen sollten allen Interessierten einfach zugänglich gemacht werden.

Bislang spricht kaum jemand über alternative Investmentmöglichkeiten, die ein Nischendasein im Retailmarkt pflegen. Dabei hat die EU zu Beginn des Jahres 2024 mit der ELTIF-Reform Investitionen in Privatmärkte für Privatanleger:innen weiter geöffnet. ELTIF 2.0 ermöglicht es ihnen, ihr Portfolio auf eine neue Art und Weise zu diversifizieren: beispielsweise mit Private Equity, Private Debt und Infrastruktur-Investments – also so, wie es institutionelle Anlegende tun.

Alternative Investments bieten Anleger:innen eine Reihe von Vorteilen, die sie in Zeiten volatiler Märkte besonders attraktiv machen können. So sind sie in der Regel nur gering mit traditionellen Aktien- und Anleihemärkten korreliert, was eine Reduzierung des Portfoliorisikos ermöglicht. Dazu kommt: Viele alternative Investments bieten stabile und attraktive Renditen, selbst in Phasen niedriger Zinsen und fallender Kapitalmärkte. Es ist noch nicht lange her, als die Inflation ein Rekordhoch erreichte. Noch immer sitzt der Inflationsschock bei vielen Menschen tief. Alternative Investments in Sachwertinvestitionen können einen guten Schutz gegen Inflation bieten. Durch verschiedene Anbieter und die ELTIF-Reform wurde der Markt für alternative Investments einem breiteren Publikum geöffnet. Mit der NAO-Plattform ist ein Investment in Private Equity und Co. in institutioneller Qualität ab 1.000 Euro möglich.

Alternative Investments bringen einige Herausforderungen mit sich. Zum einen sind sie in der Regel mit anderen Risiken verbunden als traditionelle Anlageklassen – das Managementrisiko alternativer Investmentfonds ist beispielsweise erheblich größer als bei ETFs oder Aktien, die kein solches Risiko mit sich bringen. Zum anderen haben sie oft einen illiquiden Charakter. Deshalb können viele alternative Investments nicht von jetzt auf gleich verkauft werden. Im Vergleich zu ETFs und Co. sind die Auswahl und Bewertung von alternativen Investments komplexer und erfordert mehr Fachwissen. Letzteres lässt sich zumindest mit einer breiten Initiative in puncto Finanzwissen begegnen.

Digitalisierung als Chance für die Finanzindustrie 

Die Digitalisierung macht es möglich, alternative Anlageklassen Privatanleger:innen zugänglich zu machen. Egal ob Fintechs, Banken oder unabhängige Vermögensverwalter: Neue Technologien ermöglichen es einer ganzen Branche, innovative Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die individuell auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden zugeschnitten sind.

Das gelingt nur, wenn wir ehrlich und transparent kommunizieren, aktiv zur Finanzbildung beitragen und das Vertrauen der Verbraucher:innen gewinnen. Dafür müssen Chancen und Risiken klar benannt, Zugänge geschaffen und Menschen gezeigt werden, welche Investmentmöglichkeiten sie haben. Denn das Potenzial, das in alternativen Investments steckt, wird bisher von privaten Investor:innen kaum genutzt. Und es wird Zeit, das zu ändern!