Ein Farbwechsel ist für die Bankenwelt zukunftsweisend

Auch im Management des Finanzsektors gibt es nach wie vor eine Dominanz von dunklen Anzügen, obwohl die beiden Führungspositionen-Gesetze I und II als politische Maßnahmen auf eine größere Vielfalt in Schlüsselpositionen von DAX- Unternehmen und in den Aufsichtsräten hinwirken sollten. Der Grund liegt darin, dass diese beiden Gesetze aus den Jahren 2015 und 2021 den Finanzsektor
nicht ernsthaft erreichen. Folglich liegt es in der Hand der einzelnen Akteure innerhalb der Kreditwirtschaft, das Ziel Diversität in der Geschäftsstrategie zu verankern. Daneben könnte auch noch politisch nachgebessert werden, um für die Aufsichtsgremien eine größere Buntheit zu erreichen. Denn die dort angesiedelten Personalausschüsse tragen die Verantwortung für die Berufung von Vorstandsmitgliedern.

Für Kreditinstitute ist es zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit äußerst wichtig und längst überfällig, dass sich die in den Kundensegmenten vorhandene Diversität auch dort wiederfindet, wo über die Geschäftspolitik und den Produktkatalog entschieden wird. Eine Perspektivenvielfalt im Management schützt vor Fehlentscheidungen und senkt das unternehmerische Risiko. Diese Risikoreduzierung ist in Zeiten von globalen Krisen, zunehmenden Unsicherheiten und steigendem internationalem Wettbewerbsdruck von großer Bedeutung.

Förderer gesucht

Daher müssen die gläserne Decke und der von der AllBright-Stiftung so benannte ´Thomas-Kreislauf´1 durchbrochen werden. Dieser besagt, dass Entscheidungsträger dazu neigen, Schlüsselpositionen mit ihnen ähnlichen Personen nach zu besetzen – also häufig ein Weiterreichen der Manager-Posten von Mann zu Mann. Um die Führungsetagen jedoch bunter werden zu lassen, ist es wichtig, Vorbilder sichtbar zu machen, Unterstützer:innen zu gewinnen, Mentoring-Programme zu installieren und Führung in Teilzeit anzubieten. Da keine(r) Karriere alleine macht, ist es auch von enormer Bedeutung, dass die aktuell an den Schalthebeln sitzenden Entscheider:innen junge Nachwuchskräfte gezielt ansprechen und diese fördern, insbesondere Angehörige solcher Personengruppen, die derzeit nicht oder nur zu einem geringen Anteil im Management vertreten sind.

Erfolgsfaktoren für die Karriere

Die Ergebnisse einer Handelsblatt-Recherche zur Erfolgsformel der aktuellen Vorstandsgeneration von DAX-Unternehmen2 decken sich weitgehend mit meinen Erfahrungen aus zahlreichen Gesprächen mit Frauen in Vorstands- bzw. Management-Positionen aus dem Banken-Sektor. Ein frühzeitiges Fokussieren auf das Karriere-Ziel und ein von Anfang an unterstützendes berufliches sowie privates Umfeld sind wesentliche Treiber für eine erfolgreiche Laufbahn bis ins höchste Management. Dass auch familienfreundliche Maßnahmen ein Game-Changer sind, bestätigen die Protagonistinnen meiner kürzlich erschienenen Portraitsammlung „Role Models der Finanzbranche“.

Vielfalt nützt allen

Besonders beeindruckend sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie des DIW Berlin3. Diese belegen einen signifikanten Zusammenhang des Gender Pay Gaps mit dem Anteil von Frauen in den beiden obersten Führungsebenen. Die Forschenden haben festgestellt, dass ein Frauenanteil von 30 % in den beiden obersten Etagen den Gender Pay Gap im Unternehmen signifikant reduziert. Über alle Hierarchieebenen hinweg verringert sich demnach die Ungleichheit in der Bezahlung. Das Ziel der Parität in Machtpositionen reduziert somit den Gender Pay Gap und wirkt zukünftig auch der Altersarmut von Frauen entgegen. Eine sowohl unternehmerische als auch gesamtgesellschaftlich und politisch bedeutsame Aufgabe also, sich diesem Thema mit Nachdruck zu widmen.

Petra Nabinger, Juni 2024


1 Ankersen, Wiebke, Berg, Christian, Erhardt, Rosina und Schibel, Lucie: AllBright-Bericht der AllBright-Stiftung gGmbH, März 2017: Ein ewiger ´Thomas-Kreislauf´? Wie deutsche Börsenunternehmen ihre Vorstände rekrutieren.
2 Milena Merten, Julia Beil, Tanja Kewes, Ben Mendelson: Karriere: So gelingt der Aufstieg ins Top-Management eines DAX-Konzerns in: www.handelsblatt.com/karriere/karriere-so-gelingt-der aufstieg-ins-top-managementeines-dax-konzerns/100002620.html?share=mail abgerufen am 03.03.2024
3 Wrohlich, Katharina und Sondergeld, Virginia: Gender Pay Gap in einem Betrieb sinkt mit mehr Frauen in
Führungspositionen in: DIW Wochenbericht 3/2024, Seiten 38-43

Petra Nabinger ist Referentin CCO in der Sparkasse Rhein-Haardt. Sie ist Diplom-Betriebswirtin, vierfache
Mutter und Netzwerkerin. So ist sie Mitglied bei FidAR, beim Deutscher Akademikerinnenbund
und dem Netzwerk S-FiF (Sparkassen Frauen in Führung). Seit 2013 ist sie auch als Autorin zum Thema
Chancengerechtigkeit tätig. Im Juni 2024 erschien ihr Buch „Role Models der Finanzbranche –
Portraits von Frauen in Spitzenpositionen“.


8 spannende Portraits von Frauen im Banking finden Sie im Buch der Autorin: „Role Models der Finanzbranche – Portraits von Frauen in  Spitzenpositionen“