Die Luft wird dünn
Der Gebäudebestand in Deutschland muss bis 2045 klimaneutral werden. Herausfordernd ist, dass viele Wohngebäude vor 1979 errichtet wurden und die niedrige Sanierungsquote hohen Handlungsdruck erzeugt.
Die EU-Taxonomie setzt den Rahmen für nachhaltige Investitionen, und die ESG-Kriterien legen die Spielregeln fest. In diesem Artikel zeigen wir, wie Sie Ihre Immobilien auf CRREM (Carbon-Risk-Real-Estate-Monitor)-Kurs bringen können.

Sanieren mit Wirkung
Bei der Gebäudesanierung stehen meist zwei Maßnahmen im Fokus:
- die Ertüchtigung der Gebäudehülle (Dach, Fenster und Fassade) und/oder
- die Modernisierung der Heizungsanlage
Beide Optionen haben Einfluss auf CO2-Emissionen und Energieverbrauch. Die entscheidende Frage ist: Welcher Ansatz hat die größte Wirkung?
Auf dem Prüfstand
Als Vergleichsbasis haben wir in Tabelle 1 Berechnungen für 1 m² Fläche bei einem Nutzenergiebedarf von 150 kWh/m² angestellt, was der Endenergieeffizienzklasse E und damit einem durchschnittlichen Wohngebäude in Deutschland entspricht.
Sanierungsoptionen im Vergleich: Gebäudehülle oder Wärmepumpe?
Drei Szenarien werden bewertet:
- Sanierte Gebäudehülle: Dämmung von Fassade und Dach sowie Fenstertausch
- Umrüstung auf Wärmepumpe: Austausch der Gasheizung bei gleichbleibender Wärmeverteilung
- Kombination beider Maßnahmen
Tabelle 1 zeigt, dass die Heizungsmodernisierung kostengünstiger ist als die Sanierung der Gebäudehülle. Der Austausch der Heizung gegen eine Wärmepumpe hat den größten Effekt, verbessert die Effizienzklasse von E auf A und entlastet finanziell, da keine CO2-Abgabe anfällt.

Bei Sanierungen wird oft zuerst die Gebäudehülle verbessert, um den Energieverbrauch zu senken. Die Umstellung auf eine Wärmepumpe kann jedoch schneller signifikante CO2-Reduzierungen bewirken und langfristig von der fortschreitenden Dekarbonisierung des Stromnetzes profitieren.
Wenn nur eine Maßnahme umgesetzt werden kann, sollten die Vorteile abgewogen werden.
Optimal ist die Kombination beider Maßnahmen, ergänzt durch weitere Optimierungen wie die Integration einer Photovoltaik-Anlage zur weiteren Senkung des Energiebedarfs.
Sanierungserfolg im CRREM-Pfad
Der CRREM-Pfad zeigt, dass unsanierte Gebäude heute als obsolet gelten und an wirtschaftlichem Wert verlieren.
Auch Gebäude mit sanierter Gebäudehülle, die fossile Heizsysteme nutzen, könnten bald veraltet sein.
Die Wärmepumpenlösung hingegen ist zukunftssicher, da die Dekarbonisierung des Gebäudes parallel zur Dekarbonisierung der Stromproduktion verläuft, wie in Abbildung 2 dargestellt.

Auswirkungen im Kontext der ESG-Verifizierung zur EU-Taxonomie
Die ESG-Verifizierung nach EU-Taxonomie bietet einen klaren Maßstab zur Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit wirtschaftlicher Aktivitäten, einschließlich der Gebäudesanierung.
Diese Verifizierung gliedert sich in verschiedene Umweltziele. Sie erfordert einen wesentlichen Beitrag zu mindestens einem Umweltziel und darf keine signifikanten Schäden an anderen Zielen verursachen (DNSH).
Bei der Sanierung von Bestandsgebäuden werden folgende Anforderungen der EU-Taxonomie berücksichtigt:
- Klimaschutz und Primärenergiebedarf
Sanierungen müssen den Primärenergiebedarf um mindestens 30 % senken oder sicherstellen, dass dieser den GEG-Referenzwert um höchstens 40 % überschreitet. Dies kann durch Verbesserung der Gebäudehülle oder den Einsatz von Wärmepumpen erreicht werden. - Anpassung an den Klimawandel und Maßnahmen zur Reduzierung identifizierter Klimarisiken
Die Sanierung von Fassade, Dach und Fenstern erhöht die Hitzeresilienz und schützt vor extremen Wetterereignissen. Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen fördern zusätzlich die energetische Autarkie. - Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung
Abfallvermeidung wird durch den Erhalt der Heizungsverteilung bei Wärmepumpen oder den Einsatz vorgefertigter, demontierbarer Bauteile, wie bei der seriellen Sanierung, mit vorgesetzten Fassaden unterstützt.
Zusammengefasst ermöglicht selbst die grundlegendste Sanierung von Wohngebäuden nachhaltiges Handeln im Sinne der EU-Taxonomie.
Effektive Lösungen und langfristige Einsparungen
Die Optimierung der Gebäudehülle und Umrüstung auf Wärmepumpen sind entscheidende Maßnahmen zur CO2-Reduktion und Energieeinsparung. Während die Gebäudehülle oft als erster Schritt gewählt wird, bietet der Einsatz von Wärmepumpen erhebliche CO2-Einsparungen und langfristige Vorteile. Bei der Umsetzung von nur einer Maßnahme ist eine sorgfältige Planung für eine zukunftssichere Lösung entscheidend.

Tasmin Döbler, DGNB ESG Managerin, BREEAM Associate & LEED Green Associate, DAIKIN Airconditioning Germany © DAIKIN

Jens Gaigalat, Senior Consultant Real Estate Solutions – DAIKIN Airconditioning Germany © DAIKIN
DAIKIN Real Estate Solutions Team
E-Mail: res@daikin.de
https://www.daikin.de/de_de/gewerblich/real-estate-solutions