Die D&O-Versicherung droht erneut in schweres Fahrwasser abzudriften. Experten auf dem „Euroforum Jahrestagung Haftpflicht“ in Köln sehnten sich nach einem Ende der wechselvollen Marktphasen – doch insbesondere mit Blick auf eine zu erwartende massive Deregulierungswelle in den USA droht der Branche neues Ungemach. Die aktuellen Preisabschläge im D&O-Markt halten Miriam Marx (GGW) und Daniel Messmer (Swiss Re) für nicht nachhaltig.
Wann kehrt endlich Ruhe ein in den Markt für D&O-Versicherungen? Nachdem die Preise ab 2019 merklich anzogen, befinden sie sich seit 2022 wieder im Sinkflug. Insbesondere für Makler ist diese Achterbahnfahrt kein Spaß – zumal in der Branche bereits davon geraunt wird, dass die Prämien aufgrund der vielerorts prekären Marktlage bald wieder zulegen müssten. Nichts Genaues weiß man nicht. „Die Volatilität muss ein Ende nehmen“, sagte Miriam Marx vom Makler GGW auf der „Euroforum Jahrestagung Haftpflicht“ – wohl wissend, dass dies ein frommer Wunsch bleiben dürfte. Die Botschaft der Managerin war dann auch eher so zu verstehen, dass sich alle Marktteilnehmer doch bitte schön einmal zusammenreißen sollen.
Marx ist Geschäftsführerin der Einheit GGW Next und als Expertin für das Financial Lines-Geschäft stets nah dran am D&O-Markt. „Die Regulatorik ist da, die Insolvenzen steigen und es ist wirklich ein Appell an den Markt – gerade an euch als Carrier –, zu sagen, wir alle brauchen Nachhaltigkeit.“
Die Carrier, sprich die Versicherer, sind vor allem mit sich selbst beschäftigt – und gerade beim Thema Nachhaltigkeit sieht es dort nicht allzu gut aus. Das findet jedenfalls Daniel Messmer. Der Swiss Re-Experte beklagt schon länger, dass die Preisabschläge im D&O-Markt keineswegs nachhaltig seien.

Daniel Messmer, Director – Swiss Re Europe Niederlassung Deutschland (Bildquelle: Euroforum Jahrestagung #Haftpflicht2025)
In „drei, vier oder fünf Jahren“ könnte es Messmer zufolge die Quittung geben, wenn sich die Prämien auf Basis der jüngsten Erneuerungsrunde rückblickend als nicht auskömmlich erweisen. Der Experte sprach in diesem Zusammenhang von einer „Seifenblase“, die zu platzen drohe. Das aktuelle Prämienniveau schätzt der Manager höher ein als 2019 aber niedriger als 2022 – und das reiche nicht.
Zur Erinnerung: 2019 lösten sich die D&O-Versicherer vom niedrigen Preisniveau, das die Anbieter eine gute Dekade lang strapaziert hatte. Doch einem sprunghaften Anstieg der Preise folgte 2022 ein erneuter Niedergang. Dabei müssten die Prämien eigentlich schleunigst wieder anziehen. „Die Schäden werden definitiv kommen“, befürchtet Marx von GGW.
Die Managerin gab sich auf dem Kölner Podium überzeugt davon, dass die Preise „wieder hochgehen und wir in den Financial Lines einen harten Markt haben werden – das wird definitiv eintreten. Und dann ist es an uns: Wie managen wir die Kunden?“. Schon jetzt sei man dabei, die Kunden auf die zu erwartenden Entwicklungen vorzubereiten. Motto: „Es ist jetzt ein weicher Markt, aber es kann sich auch wieder ändern.“
„Die Volatilität wollen wir auch nicht“, sagte Carsten Keune, Head of Executive and Professional Lines beim Industrieversicherer Berkshire Hathaway Specialty Insurance. Sie sei aber ein Stück weit gerechtfertigt, da Preise in einer Angebots- und Nachfragesituation eben auch schwankten. Anders als Unternehmen, die von ihrem Produkt wüssten, welche Kosten bei der Fertigung entstünden und auf dieser Basis kalkulieren könnten, müssten Versicherer Risiken jetzt bepreisen, ohne zu wissen, wie die Schadenentwicklung in zehn Jahren sein werden.

Dr. Carsten Keune, Head of Executive and Professional Lines beinBerkshire Hathaway Specialty Insurance, und Miriam Marx, Geschäftsführerin GGW Next Insurance Broker (Bildquelle: Euroforum Jahrestagung #Haftpflicht2025)
Hinzu kommt, dass die Kunden und Makler offenbar nicht immer einfach zu handeln sind. Es gebe Gesprächspartner, „die sehr genau den Wert des Produktes kennen und dann auch – in gewissem Maße – die Werthaltigkeit dieses Produktes honorieren. Und wir erleben genauso Kunden und Makler, die sagen: ,,Ist mir völlig egal, der billigste kriegt es.‘“
Angesichts steigender Cyber-Gefahren und hoher Insolvenzzahlen sind das keine guten Aussichten – allein in Großbritannien ist die Zahl der Pleiten auf ein 30-Jahreshoch gestiegen, wie Lorenza Facino Verdun di Cantogno, Partnerin des britischen Maklers McGill and Partner, im Anschluss referierte. Zu den Kunden des im Londoner D&O-Markt tätigen Brokers zählen große Namen wie Nestlé oder auch Unilever.
Auf die Frage, ob die von US-Präsident Donald Trump angestrebte Deregulierung des US-Bankenmarktes die nächste Bankenkrise nach 2008/2009 auslösen könnte, entgegnete die Managerin, dass der Markt dies bereits antizipiere. Das müsse aber nicht bedeuten, dass die Player im D&O-Markt auf diese Entwicklung auch vorbereitet seien. „Da könnte sich etwas zusammenbrauen“, gab auch Philippe Aerni Head of Specialties von Zurich Schweiz mit Blick auf den möglicherweise von Donald Trump in Kürze entfesselten US-Bankenmarkt zu bedenken.