Artikel aus dem Handelsblatt Journal RESTRUKTURIERUNG vom 15.05.2025
Handel und Automotive im besonderen Fokus
Im Einzelhandel und im Automotive zeigt sich der Umbruch besonders deutlich. Handelsunternehmen ohne klare Positionierung oder digitale Stärke haben kaum noch Chancen auf einen Verkauf. Besonders internationale Strategen sichern sich gezielt Marken mit Substanz zur Markterschließung. Deutsche Käufer agieren hingegen eher zögerlich aufgrund der Sanierungsrisiken.
In der Autoindustrie wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig: Transformation zur E-Mobilität, Abbau von Förderungen, drohende Zölle sowie Investitionsstaus. Gerade mittelständische Zulieferer im Verbrennergeschäft verlieren zum Teil den Anschluss. Zugleich steigen die Erwartungen an eine belastbare Finanz- und Wertargumentation. Konsolidierung und kontrollierte Carve-Outs werden zur zentralen Option – gerade in fragmentierten Segmenten wie Interieur, Karosserie oder Antriebstrang.
Nur ganzheitliches Vorgehen hat Aussicht auf Erfolg
Wer den „gesunden Kern“ frühzeitig identifiziert, transparent aufbereitet und gezielt adressiert, hat Chancen auf einen werthaltigen Exit. M&A-Expertise allein reicht dabei nicht mehr aus – entscheidend ist die Kombination aus tiefem Verständnis der jeweiligen Industrie und dort erfolgreichen Geschäftsmodellen, belastbaren Sanierungsplänen, kurzen und gut strukturierte Prozesse sowie der Zugang zu den relevanten strategischen und Finanzinvestoren. Hierbei muss auch „immer mal wieder um die Ecke“ – branchenübergreifend – gedacht werden.
Distressed M&A verlangt heute höchste Disziplin, Geschwindigkeit und strategische Tiefe – unter erheblichem Zeitdruck und mit engen Ressourcen.
