Ein Roboterblick in die Glaskugel (Optik: Michel Becker/Dall-E)
KI-Agenten steigern die Produktivität.
KI-Unternehmen wie OpenAI und Anthropic haben sie angekündigt, Softwareanbieter wie Salesforce und Celonis auch: KI-Agenten werden 2025 der Technologie-Trend des Jahres und könnten die ersehnten Produktivitätssteigerungen bringen. Die Pointe: Während sich der KI-Hype bislang vor allem um große KI-Modelle dreht, die viele menschliche Aufgaben erledigen, sind KI-Agenten im Grunde kleine KIs, die miteinander vernetzt sind, Spezialaufgaben ausführen und sich gegenseitig kontrollieren. Dadurch sind sie verlässlicher und energieeffizienter als große Modelle. Und wenn die Kettenreaktion funktioniert, bucht Ihnen das Agententeam aus Beratern, Flugplan-Spezis und Umbuchungsprofis einer Fluggesellschaft am Ende erfolgreich einen Ersatzflug für den verspäteten Flieger.
KI-Forscher konzentrieren sich auf KI, die schlussfolgern und sich besser orientieren kann.
Große Leistungssprünge in Anwendungen sind davon aber nicht allzu schnell zu erwarten. Den Traum von einer KI, die so nachdenken, schlussfolgern, planen und die Auswirkungen ihrer eigenen Handlungen berücksichtigen kann wie ein Mensch, werden uns KI-Firmen vorerst nicht erfüllen – auch wenn OpenAI mit seinem neuesten Modell o3 offenbar ein weiterer Schritt in die Richtung gelungen ist. Die KI hat erstaunlich gut in einem Test für Künstliche Allgemeine Intelligenz abgeschnitten. Doch der Hype um ChatGPT hat dazu geführt, dass die Forschung an menschenähnlicher KI rund um den Globus forciert wird. Das gilt auch für neuartige Weltmodelle, die aus Bildern oder Texteingaben 3D-Welten erstellen. Google DeepMind veröffentlichte im November ein solches Weltmodell, die World-Labs-Gründerin Fei-Fei Li hat allein mit Demos 230 Millionen Dollar eingesammelt, um entsprechende Modelle zu entwickeln. Die sind wichtig, weil solche 3D-Welten wie ein Videospiel von KI-Agenten erkundet werden können. Und um menschliche Intelligenz wirklich zu simulieren, muss KI laut Forschern wie Jürgen Schmidhuber mit einer physischen Welt interagieren und von ihr lernen.

World-Labs-Gründerin Fei-Fei Li (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)
Bei mindestens einem bekannten KI-Unternehmen bricht die Bewertung ein und Jungunternehmen werden zu Übernahmekandidaten.
Bei den KI-Start-ups stehen spektakuläre Bewertungen weiterhin vergleichsweise geringen Umsätzen und enormen Kosten gegenüber. Zugleich ist der Weg in die Profitabilität für viele KI-Firmen noch unklar, zumal 2024 gezeigt hat, dass Unternehmen kaum Qualitätsabstriche machen müssen, wenn sie statt kommerzieller KI-Modelle teils kostenfreie OpenSource-Modelle einsetzen. Daher wächst die Sorge, dass am Ende einzig die Tech-Riesen vom KI-Boom profitieren werden. Sie können sich Rechenleistung zum Selbstkostenpreis beschaffen, etablierte Vertriebswege nutzen und bestehende Produkte mit KI upgraden. OpenAI und Anthropic versuchen, sich diese Vorteile zumindest teilweise durch enge Partnerschaften mit den Großinvestoren Microsoft und Amazon zu sichern. Dagegen sind die Teams der Chatbot-Anbieter Inflection und Character.AI und der KI-Agenten-Entwickler Adept 2024 in den Schutz von Big Tech geflüchtet. Sie haben sich von Microsoft, Google und Amazon einstellen lassen – bemerkenswerterweise, nachdem sie zusammen bereits mehr als zwei Milliarden Dollar aufgenommen hatten. Zudem gelang Finnlands Silo.AI ein Verkauf an den Chiphersteller AMD. 2025 stellt sich vor allem die Frage, was aus den übrigen Firmen wird. Aus europäischer Sicht steht vor allem Frankreichs KI-Hoffnung Mistral AI im Fokus, die in eine Sechs-Milliarden-Dollar-Bewertung reinwachsen muss. Ähnlich ist die Situation bei der 5,5-Milliarden-Dollar-Firma Cohere aus Kanada.

Mistral-Gründer Arthur Mensch (l.) und OpenAI-Chef Sam Altman (Foto: Picture Alliance, Reuters [M])
Die Bundesregierung reißt die Frist, eine Aufsichtsstruktur für den AI Act zu etablieren.
Die KI-Verordnung der EU muss national umgesetzt werden. Dazu hat die Bundesregierung noch bis zum 2. August Zeit, eine nationale Aufsichtsstruktur festzulegen. Fest steht hierzulande bisher nur, dass die Bundesnetzagentur zur geforderten nationalen KI-Marktüberwachungsbehörde wird. Die weitere Ausgestaltung hatte sich die Ampelregierung für das erste Quartal vorgenommen. Mit dem Bruch der Koalition, Neuwahlen und potenziell schwierigen Koalitionsverhandlungen scheint nun aber unklar, ob die neue Regierung genug daran setzt, den Zeitplan einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden.
Erste Verhandlungen über Urheberrechtsverletzungen beim KI-Training bringen wenig Klarheit – und gehen tendenziell zugunsten der Tech-Firmen aus.
2025 werden sich zahlreiche Gerichte mit den Klagen von Zeitungshäusern, Autoren, Musikern und anderen Rechteinhabern gegen OpenAI, Anthropic und Co. befassen. Wegweisend für das Geschäft mit generativer KI wird dabei sein, ob das Training von KI mit geschützten Werken eine „angemessene Verwertung“ darstellt. KI-Unternehmen argumentieren, dass ihre Systeme aus urheberrechtlich geschütztem Material nur lernen, um neue Inhalte zu erstellen. Urheberrechtsinhaber halten dagegen, dass KI-Modelle unrechtmäßig kopieren, um Konkurrenzprodukte zu generieren, die ihre Existenz bedrohen. Im Einzelfall dürfte das aber nur schwer belegbar sein.

US-Sängerin Beyoncé: In einer Klage gegen Anthropic geht es auch um Rechte an ihren Songtexten. (Foto: IMAGO/imageSPACE)
Viele Unternehmen werden ihre KI-Initiativen zurückfahren.
Die kommenden zwölf Monate werden zeigen, welche Unternehmen es mit ihren KI-Strategien ernst meinen. Die einen erforschen wie Siemens und Bayer bereits jetzt neue Geschäftsmodelle mit KI, die anderen begnügen sich mit Unternehmenslizenzen für ChatGPT. Unsere Befürchtung: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten verpassen viele Unternehmen in Deutschland die Chance, bei der Transformation vorn mit dabei zu sein. Die folgenschweren Auswirkungen dürften sich in vielen Branchen aber erst mit der Zeit zeigen.
Dank KI könnte 2025 auch das Jahr der Roboter werden.
Der weltweite Robotikmarkt wächst einer Schätzung zufolge bis 2030 um über 20 Prozent – pro Jahr. Und Dank Künstlicher Intelligenz können Roboter neue Fähigkeiten künftig selbst erlernen. Denn KI verhilft den Maschinen zum Durchbruch. Der enorme Fortschritt der vergangenen Monate in der KI könnte die Software der Roboter in neue Dimensionen hieven, die Menschmaschinen endlich smart machen. Und die Roboter könnten so die Segnungen der KI in die reale Welt bringen.