Klimaneutralität im Wärmesektor
Deutschland hat das gesetzlich verankerte Ziel, bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu werden. Ein zentraler Schlüssel hierbei ist eine erfolgreiche Wärmetransformation, da der Wärmesektor etwa 40 Prozent der nationalen CO₂-Emissionen verursacht. Regulatorische Vorgaben wie die Gebäudeenergiegesetz (GEG)-Novelle und das Wärmeplanungsgesetz (WPG), welche 2024 in Kraft getreten sind, setzen den Rahmen für die Transformation. Die aktuelle Bundesregierung hat weitere Änderungen im regulatorischen Umfeld des Wärmebereichs angekündigt. Dabei hat die kommunale Wärmeplanung im vergangenen Jahr deutlich an Fahrt aufgenommen: Laut Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) ist die Zahl der Kommunen, die Wärmepläne durchführen, um 20 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Großstädte müssen bis Juni 2026, kleinere Kommunen bis 2028 Wärmepläne vorlegen.
Herausforderungen der Wärmewende für die Energieversorger
Die Umsetzung der Wärmeplanung stellt Energieversorger vor erhebliche Herausforderungen. Unsere Studie „Wärmewende 2025“ zeigt: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen zweifeln die meisten Unternehmen an der Erreichung der Treibhausgasneutralität bis 2045. Die größten Handlungsbedarfe sehen die Versorger bei der Beschaffung der benötigten Ressourcen (Personal, Kapitalmittel und andere), gefolgt von der Langfristplanung und der Kommunikation mit den Stakeholdern. Ein paar Beispiele hierzu:
- 48 Prozent der Stadtwerke und regionaler Versorger sind derzeit noch mit der Konkretisierung der Mittel- und Langfristplanung beschäftigt und müssen Unternehmensstrategie und Nachhaltigkeitsstrategie in Einklang bringen. Der Finanzierungsbedarf, so stellt unsere Studie fest, ist mittlerweile bei vielen Häusern (64 Prozent) zumindest grob abgeleitet. Nur ein Bruchteil (5 Prozent) der Unternehmen hat sich hingegen die notwendigen Finanzmittel bereits gesichert.
- Beim Thema Fachkräftemangel, der in hohem Maße auch der Energiewirtschaft droht, sind innovative Lösungen durch Automatisierung und KI erforderlich. Auch hier bedarf es erheblicher Kraftanstrengungen durch die Versorger, um Engpässen bei der operativen Umsetzung der Transformation vorzubeugen.
- Überraschend an der Studie war die Erkenntnis, dass über 80 Prozent der über 100 Teilnehmenden erklären, dass sie ihre Kunden bislang nicht ausreichend über die anstehenden Veränderungen informiert haben. Die Kommunikation mit allen Beteiligten spielt jedoch eine zentrale Rolle und schafft die notwendige Akzeptanz bei Eigentümern und Bürgern, etwa bezüglich der Entscheidung für einen Fernwärmeanschluss oder der Investition in dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen.
- Im Hinblick auf die regulatorischen Rahmenbedingungen, die aufgrund der Komplexität und des administrativen Aufwands immer wieder in der Kritik stehen, stellen nur 9 Prozent fest, dass sich die Rahmenbedingungen tatsächlich verbessert haben. Der Großteil (66 Prozent) nimmt keine Veränderung zum Vorjahr wahr. Insgesamt fordern die Teilnehmenden mehr Klarheit bei Gesetzgebung und Fördermöglichkeiten.
Ökonomie und Ökologie müssen Hand in Hand gehen.
Die Dekarbonisierung ist alternativlos – darin sind sich nahezu alle Energieversorger einig. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass wirtschaftliche und ökologische Verantwortung vereinbar bleiben. Sinkender Wohlstand gefährdet die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen. Umgekehrt gilt: Wohlstand ohne Klimaschutz ist nicht möglich.
Die Wärmewende kann nur gelingen, wenn alle Akteure – Versorger, Kommunen und Politik – sie als gemeinsamen Auftrag verstehen und aktiv gestalten.