Die Investitionswelle für Großbatteriespeicher mitnehmen

Beim Surfen verbringt man viel Zeit wartend auf dem Brett – geduldig im Wasser, den Blick auf den Horizont gerichtet. Doch irgendwann kommt der Moment, in dem man Mut fassen, aufspringen und die Welle reiten muss. Verpasst man ihn, rollt die Chance ungenutzt vorbei.

Steht Deutschland nun vor einem unkontrollierbaren Speichertsunami, wie manche Netzbetreiber behaupten? Nein – es ist eine Investitionswelle. Und die sollte Deutschland mitnehmen.

In vielen internationalen Märkten spielen Großbatteriespeicher bereits eine zentrale Rolle dabei, das Energiesystem zuverlässig, wirtschaftlich und klimaneutral zu halten. Wenn Deutschland die Energiewende erfolgreich und souverän gestalten will, führt kein Weg daran vorbei auf die internationale Speicherwelle aufzusetzen.

Mehr als nur Strom verschieben: ökonomischer und gesellschaftlicher Mehrwert

Batteriespeicher sind nicht nur technische Komponenten der Energiewende, sie sind Treiber volkswirtschaftlicher Effizienz. Sie verschieben Strom von Zeiten des Überflusses in Zeiten der Knappheit und senken damit nicht nur die Großhandelsstrompreise. Laut Frontier Economics könnte allein dieser Effekt bis 2050 Einsparungen von über 12 Milliarden Euro bringen.

Netzstabilität: So wird’s die perfekte Welle

Zu Beginn der Koalition formulierte die Bundesregierung das Ziel, Versorgungssicherheit in Zeiten von Dunkelflauten zu gewährleisten. Die Dringlichkeit ist nachvollziehbar, doch in der aktuellen Debatte verengt sich auf den Zubau von Gaskraftwerken und blendet marktfähige, klimafreundlichere Alternativen wie Batteriespeicher weitgehend aus.

Entscheidend ist jetzt jedoch, dass der Staat rechtzeitig verlässliche und zukunftsfähige Rahmenbedingungen für alle Technologien schafft.

Investitionsklima: Regulatorischer Flickenteppich und Bürokratie

Investitionen in die Energieinfrastruktur wurden zwar angekündigt, doch ihre Umsetzung bleibt aus. In der Praxis bremsen regulatorische Grauzonen die Umsetzung. Lange Bearbeitungszeiten, unklare Standards und fehlende einheitliche Definitionen bremsen Speicherprojekte und schaffen Risiken für willkürliche Entscheidungen der Netzbetreiber.

Zudem sorgen das BGH-Urteil zu Baukostenzuschüssen und die Unklarheit in der Netzentgelt-Systematik (AgNes) für wirtschaftliche Unsicherheit und behindern dringend notwendige Investitionen in Speicheranlagen.

Im Gegensatz zu den fehlenden marktlichen Investitionen in Gaskraftwerke auf dem heutigen Markt werden Großbatteriespeicher rein marktgetrieben und ohne staatliche Förderung gebaut und bringen damit Milliarden an Direktinvestitionen nach Deutschland. Vor diesem Hintergrund behindert der Flickenteppich in der Regulierung viele Speicherprojekte und Investitionen der Privatwirtschaft.

Deutschland und Europa brauchen Speicherkompetenz – auch zur Sicherung der Souveränität

Deutschland und Europa dürfen sich bei zentralen Zukunftstechnologien wie der Energiespeicherung nicht von globalen Importmärkten abhängig machen. Der chinesische Marktanteil bei verkauften BESS-Systemen ist in den vergangenen drei Jahren in der EU auf 45 % (2024) gestiegen. Das hat Auswirkungen, nicht nur auf Marktpreise, sondern auch auf Souveränität, etwa in Hinblick auf Cybersicherheit und Betriebskontrolle kritischer Infrastrukturen. Systemkomponenten chinesischer Anbieter, die aus deutschen 5G-Netzen ausgeschlossen wurden, sind völlig unreguliert in unsere Energiesysteme integrierbar. Das ist ein Risiko, das politisch nicht länger ignoriert werden darf.

Ein Appell an die Bundesregierung: jetzt auf die Investitionswelle aufspringen

Trotz politischer Unsicherheiten entwickelt sich der Markt dynamisch und ermöglicht eine Investitionswelle bei Batteriespeichern, keinen unbeherrschbaren Tsunami. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen: Großbatteriespeicher sind Grundpfeiler eines dekarbonisierten, sicheren und wirtschaftlichen Energiesystems. Deutschland braucht jetzt den Mut, in neue Technologien zu investieren und den Standort zu stärken: technologisch, wirtschaftlich und geopolitisch. Eine zukunftsgerichtete Politik muss auf flexible, innovative Lösungen setzen, dann wird es zur perfekten Speicherwelle.