Die Fortbestehensprognose als besondere Herausforderung für Startups

Praktische Hinweise zur Aufstellung und Dokumentation der Fortbestehensprognose für Startups

Relevanz der Fortbestehensprognose für Startups
Derzeit gelten für Startups dieselben rechtlichen Anforderungen für die Aufstellung einer Fortbestehensprognose wie für alle anderen Unternehmen auch. Startups sind häufig noch nicht profitabel und haben einen wiederkehrenden Finanzierungsbedarf. Im Rahmen der Überschuldungsprüfung würde eine Prüfung der insolvenzrechtlichen Überschuldung regelmäßig negativ ausfallen. Daher ist die Feststellung der positiven Fortbestehensprognose für Startups von besonderer Relevanz.

Judith Schmid

Herausforderungen bei der Erstellung der Fortbestehensprognose

Praktisch gesehen ist die Fortbestehensprognose eine Zahlungsfähigkeitsprognose für die kommenden zwölf (bzw. derzeit vier) Monate. Finanzielle Mittel dürfen in diese Prognose dann eingestellt werden, wenn ihr Zufluss überwiegend wahrscheinlich ist.

Ein Startup sieht sich insoweit mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, da die Geschäftsentwicklung häufig genauso unsicher ist wie die weitere Finanzierung. Rechtsprechung, die der Geschäftsführung von Startups einen rechtssicheren Weg weist, fehlt bislang.

Mögliche Bestandteile der Fortbestehensprognose

Es stellt sich die Frage, was die Geschäftsführung praktisch unternehmen kann, um im Ernstfall darzulegen, warum sie von einer positiven Fortbestehensprognose ausgegangen ist. So vielfältig wie die Gründe für ein Scheitern des Startups sein können, so vielfältig sind auch die Umstände, die eine positive Fortbestehensprognose stützen können.

Die Überschuldungsprüfung ist eine Einzelfallbetrachtung. Die nachfolgenden Punkte dürften regelmäßig bedeutsam sein.

  1. Schlüssige Finanzplanung

Wesentlicher Bestandteil der Fortbestehensprognose ist eine schlüssige Finanzplanung für den Prognosezeitraum. Diese sollte realistisch erfolgen. Wunschdenken ist im Rahmen der Fortbestehensprognose fehl am Platz. Es gilt der Maßstab der überwiegenden Wahrscheinlichkeit.

(Erwartete) Finanzierungsbeiträge der Gesellschafter sind zu dokumentieren. Sind diese noch nicht verbindlich zugesagt, muss dokumentiert werden, warum sie als überwiegend wahrscheinlich angesehen werden. Verschiedene Faktoren können dabei eine Rolle spielen: Das Verhalten des Gesellschafters im Zusammenhang mit vorhergehenden Finanzierungsrunden, die Grundlagen der konkreten Finanzierungszusage – wie etwa eine dem Gesellschafter vorliegende Finanz- und Unternehmensplanung -, der Stand der Verhandlungen und auch der zeitliche Abstand zur geplanten Auszahlung der Finanzierung. Je fester die Zusage ist, desto eher kann sie berücksichtigt werden.

  1. Unternehmenskonzept und Milestones

Die Fortbestehensprognose sollte eine Darstellung des Unternehmenskonzeptes und der für die Fortbestehensprognose relevanten Milestones beinhalten. Hierfür kann auf eine bereits bestehende Dokumentation – etwa aus der letzten Finanzierungsrunde – zurückgegriffen werden, die bei Bedarf aktualisiert werden muss. Die Darstellung muss auf dem neusten Stand sein sowie die plausible und überwiegend wahrscheinliche Entwicklung abbilden. Eine Präsentation für einen Investor mag berechtigterweise nicht nur überwiegend wahrscheinliche Chancen aufzeigen, sondern auch ambitionierte Ziele und unsichere Entwicklungen enthalten. Das Insolvenzrecht interessiert sich nur für die überwiegende Wahrscheinlichkeit.

  1. Marktchancen und Marktentwicklung

Viele Startups scheitern, weil kein ausreichend großer Markt für ihre Idee bzw. ihr Produkt vorhanden ist. Eine Dokumentation der Analyse der Marktchancen und der erwarteten Marktentwicklung ist daher wichtig. Das umfasst nicht nur eine Analyse des Bedarfs, sondern auch der Wettbewerbslage und der eigenen Position. Hier können auch die Schutzfähigkeit des eigenen Produktes und Marketing- sowie Vertriebskonzepte eine Rolle spielen.

Auch andere Faktoren können eine Fortbestehensprognose positiv beeinflussen. Von der Darstellung einer stabilen Managementstruktur, etablierter Controlling-Mechanismen über strategische Partnerschaften kann die Dokumentation der Fortbestehensprognose im konkreten Fall viele Positionen umfassen.

Ob das am Ende im Ernstfall reicht, kann im Einzelfall schwer zu beurteilen sein. Externer Rat kann helfen, die einzelnen Faktoren zu plausibilisieren und sicher zu dokumentieren. Es gilt: Je klarer und umfassender dokumentiert wird, desto besser.