Die entscheidende Phase der Transformation hat begonnen

Deutschlands Banken stehen vor einem Wendepunkt. Nach Jahren digitaler Grundlagenarbeit rücken jetzt Effizienz, Resilienz und KI ins Zentrum – so das Kernergebnis der Roland Berger Studie „Digital 3.0″.

Für die Studie wurden diverse Banken und Finanzinstitute im deutschsprachigen Raum intensiv befragt – darunter Universal-, Retail-, Privat-, Spezial-, Förder- und Landesbanken sowie Spezialinstitute und IT-Transformationsdienstleister. Die Grundlage bilden Tiefeninterviews mit Vorständen, CIOs und Entscheidern aus Business-, Digital- und IT-Einheiten. Im Interview sprechen die Autoren über die zentralen Erkenntnisse.

Banken investieren seit Jahren in Digitalisierung. Warum bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück?

Wir befinden uns jetzt in der dritten Phase der Digitalisierung. Digital 1.0 schuf Grundlagen, Digital 2.0 brachte Wachstum. Jetzt soll Digitalisierung messbare Ergebnisse liefern: mehr Effizienz, Resilienz und operative Stabilität. Die Studie zeigt, dass 75% der befragten Institute Effizienzsteigerung und Kostenreduktion als wichtigsten Treiber der nächsten Jahre sehen. Dennoch planen mehr als 60% der Banken keine Kürzung ihrer IT-Budgets – sondern wollen bestehende Maßnahmen fortführen oder skalieren. Die Logik: Effizienz entsteht nicht durch weniger IT-Ausgaben, sondern durch leistungsfähigere IT.

Trotz Kostendruck erwartet die Mehrheit der von Ihnen Befragten, dass die IT-Ausgaben in ihren Häusern weiter steigen. Wie passt das zum Ziel der Kostenreduktion? 

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist es aber nicht. Die meisten Banken planen keine unmittelbare Kürzung ihrer IT-Budgets, sondern investieren gezielt in KI, Cloud-Transformation oder die Modernisierung ihrer Kernsysteme. Mehr als 60% wollen bestehende Maßnahmen in den nächsten drei Jahren fortführen oder skalieren. Richtig ist aber auch, dass im laufenden Betrieb Effizienz im Vordergrund steht. Die Logik dahinter ist die: Mehr Effizienz entsteht nicht dadurch, dass man weniger für IT ausgibt, sondern dadurch, dass die IT leistungsfähiger und schlagkräftiger wird. Banken erwarten von Technologie einen echten Business Impact – sei es durch schnellere Prozesse, geringere operative Komplexität oder höhere Skalierbarkeit.

KI gilt als das Top-Thema. Was macht sie so attraktiv für Banken?

KI ist der primäre Katalysator in allen Handlungsfeldern. Das spiegelt sich klar in den Zahlen: Über 90% der Studienteilnehmer sehen KI als das Zukunftsthema schlechthin – es weist das höchste Ambitionsniveau aller zehn untersuchten Handlungsfelder auf. Das Potenzial ist enorm: Im Backoffice lässt sich der Arbeitsaufwand durch KI um bis zu 80% reduzieren, im Kundenservice sind Einsparungen von bis zu 30% möglich. Fast alle Institute experimentieren intensiv – aber echte Skalierung hin zu einem AI Operating System steht noch aus. Der Trend geht weg von einzelnen Use-Cases hin zu KI als „Betriebssystem“ der Bank. Wer jetzt zögert, läuft Gefahr, den Anschluss dauerhaft zu verlieren.

Was unterscheidet erfolgreiche Banken von den anderen?

Die Herangehensweise. Unsere Analyse zeigt vier klare Cluster: 39% der Institute zählen bereits zu den Digital Leadern mit hohem Reifegrad und klaren Roadmaps. Demgegenüber stehen 23% Transformations-Nachzügler mit eklatanten Lücken – besonders in den Bereichen Kundenmanagement, Datenmanagement und Prozessautomatisierung. Erfolgreiche Institute verstehen Digitalisierung nicht als isoliertes IT-Projekt, sondern als integralen Bestandteil ihres Geschäfts. Banken mit geringerem Reifegrad kämpfen dagegen mit fragmentierten Datenlandschaften und Legacy-Systemen – besonders auffällig ist der Nachholbedarf bei Privatbanken.

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