Die Ankündigung des Bundesverteidigungsministers Boris Pistorius auf dem Weltraumkongress in Berlin im Oktober, in den nächsten 5 Jahren 35 Mrd. EUR für Bundeswehrvorhaben allein im Weltraum zu allokieren, hat nicht nur Branchenkenner und selbst einige etablierte Markteilnehmer überrascht. Die Mittel in dieser unvergleichlichen Höhe sind in der Tat beträchtlich, folgen aber einem schon längerem und durchaus bekannten Planungsprozess. Seit spätestens Anfang 2024 haben hochrangige Vertreter der betroffenen Teilstreitkräfte (spoiler alert: es sind mehr als nur eine) auf den relevanten Messen und Veranstaltungen die betreffenden Zukunftspläne der Bundeswehr skizziert und in nationale und europäische Kontexte eingeordnet. Für den Bereich der Satellitenkommunikation ist das im Hinblick auf den beabsichtigten Fähigkeitsaufwuchs realistisch und nachvollziehbar dargestellt und mithin durchgerechnet worden: 1) mit der abschließenden Beauftragung der noch geplanten SATCOMBw3 Satelliten für den geostationären Betrieb, 2) dem Bezug von Kommunikationsdienstleistungen von zuverlässigen kommerziellen Betreibern im MEO, 3) einer erklärten Verwendung der im Rahmen des europäischen IRIS2 Programms neu entstehenden Kapazitäten und schlussendlich 4) der Aufbau eigener nationaler Fähigkeiten im erdnahen Orbit (LEO). Weitere Aktivitäten zum Auf- und Ausbau oberservierender und aufklärender bis hin zu Fähigkeiten, sich aktiv auch im Weltraum verteidigen zu können, schließen sich an, alles nachzulesen in der Ende November druckfrisch zur Berliner Sicherheitskonferenz erschienenen Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung.
Deren Finanzierung ist durch Einstellung im kommenden Haushalt und den für die nachfolgende Perioden erforderlichen Verpflichtungsermächtigungen gesichert. So stehen für alle Verteidigungsausgaben insgesamt in 2026 erstmalig dreistellige Milliardenbeträge zur Verfügung, etwa zu 80% aus regulärem Haushalt und zu 20% aus Sondervermögen. All das wird flankiert durch ein nie gekannt großes ESA Budget mit einer Rekordbeteiligung aus Deutschland, dass die noch vor wenigen Monaten lautstark gerade aus der New Space Community geäußerten Sorgen, es würde sich zusehends zurückziehen, verstummen ließ.
Diese Nachrichten bedingen einander und treten in Wechselwirkung. Nicht länger mehr ist Geld sondern tatsächlich Zeit die begrenzende Ressource. Wohlfeil wäre es, Ministerium und Beschaffungsamt allein unangepasste und all den neuen Erforderlichkeiten nicht mehr entsprechende Prozesse anzulasten. Auch die ausführende Industrie muss Kapazitäten hochfahren und insbesondere bei Entwicklungen in Vorleistung gehen. Technologieführerschaft und nationale Lieferketten sind erklärte Ziele, auf die sich alle einigen können, welche heute jedoch noch oft im Widerspruch zu tatsächlich kommerziell verfügbarer Technologie stehen. Die Diskussion, warum dann erstmal in Übersee beschafft werden müsse, hat gerade erst begonnen, und sie wird hart im Namen des Steuerzahlers geführt werden. Dabei sollte uns jedoch auch eines bewusst sein: Deutschland gewinnt hier signifikant an Attraktivität und nicht wenige Unternehmen aus ebenda werden ihr Engagement bis hin zu Niederlassung und Ansiedlung erwägen, um an diesen vielen Möglichkeiten zu partizipieren. Die gezeigten Summen werden zu Investitionen in gleicher Größenordnung führen und die Chance auf einen dringend erwarteten Technologieschub in Deutschland und Europa aufmachen – mit all den erwünschten Implikationen und Nebenwirkungen. Seien wir uns bewusst: dergestalt aktiv im Weltraum zu sein, macht uns auch zu einer besseren Gesellschaft am Boden. Der Moment dazu ist jetzt.