(Optik: Larissa Holzki | Dall-E)
Inzwischen geht es um andere Zahlen: Wie viele Arbeitsstunden konnten mithilfe von KI gespart werden? Welcher Anteil der Kundenanfragen lässt sich vollautomatisiert beantworten? Wie hat sich dadurch der Anteil abgeschlossener Verträge verändert?
Warum das wichtig ist? Egal, welche KI-Lösung Sie verkaufen wollen: Sie werden die Frage beantworten müssen, welchen konkreten Nutzen sie stiftet. Rumprobieren war gestern, jetzt muss Künstliche Intelligenz sich auch rechnen.
Ein Unternehmen, das diese veränderte Haltung bereits beobachtet, ist SAP. Laut Vorstand Muhammad Alam sind Kunden bereit, KI zu nutzen – „aber sie müssen den Wert fürs Geschäft sehen, und zwar schnell“. Darauf will sich das Unternehmen jetzt einstellen.

Muhammad Alam, Produktvorstand bei SAP (Foto: SAP)
Die KI-Strategie von Deutschlands größtem Konzern nach Marktkapitalisierung ist ohnehin ein spannender Fall.
Als ChatGPT Ende 2022 den Hype um generative KI auslöste, wirkte SAP zunächst überrascht. Während OpenAI mit seinem Chatbot binnen Wochen hundert Millionen Nutzer gewann, brauchte SAP Monate, um eigene Produkte mit der Technologie überhaupt anzukündigen.
Seither hat sich jedoch einiges getan und SAP macht vor, wie Unternehmen KI in bestehende Lösungen einbetten und ihre Chancen auf zusätzliches Geschäft erhöhen können.
Verantwortlich dafür ist „Project Jarvis“, eine Art Start-up im Konzern, das die Entwicklung beschleunigen soll. Die Organisation unter Chief AI Officer Philipp Herzig definiert die Strategie und setzt den Fokus: Statt sich an der teuren Entwicklung der Grundlagentechnolgie zu beteiligen, konzentriert sich SAP auf die Anwendung. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie nützt Künstliche Intelligenz den SAP-Kunden?

Philipp Herzig, Chief AI Officer bei SAP (Foto: SAP)
Den Wert überprüft SAP in mehreren Schritten. Einen ersten Check ermöglicht dabei ein fiktives Unternehmen, das SAP modelliert hat. An dem Beispiel können Anwendungsszenarien durchgespielt werden, sagt Vorstand Alam. So überprüfe SAP, ob etwa die erhoffte Zeitersparnis oder Kostensenkung eintritt. Rund 100 Nutzungsszenarien mit generativer KI, die im Stil von ChatGPT mit Texten und Programmcode arbeiten kann, gibt es mittlerweile.
Bei der Planung und Weiterentwicklung von Produkten berücksichtigt der Softwarehersteller auch Ideen von Kunden – und die tatsächliche Nutzung. Ein Beispiel: Ein Kostenkalkulator auf der Geschäftsreiseplattform Concur wurde von vielen Kunden ausprobiert, aber nur selten mehrfach genutzt. Als SAP herausfand, dass die Kalkulationen vielen zu ungenau waren, konnte das Unternehmen dieses Problem mit zusätzlichen Daten beheben.
Künftig will SAP im KI-Geschäft seine Stärke ausspielen: Mit seinem breiten Portfolio kann der Konzern viele Geschäftsprozesse durchgängig abbilden – zumindest, wenn die Kunden diese Lösungen alle nutzen. In Arbeit ist etwa ein Inkasso-Agent, der Konflikte über offene Rechnungen in mehreren Schritten klären soll und dafür auf E-Mails, Lieferscheine und Rechnungen zugreift.
Mehr zu den neuen KI-Produkten von SAP – und warum Kunden derzeit noch andere Sorgen haben, lesen Sie hier.
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