Der unbemannte Recce-Strike Complex: Europas entscheidende Fähigkeit

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt mit aller Deutlichkeit, wie dynamisch sich die moderne Kriegsführung verändert. Militärische Überlegenheit definiert sich nicht länger allein über schwere Waffensysteme. Entscheidend ist Geschwindigkeit. Wer Informationen schneller gewinnt, auswertet und in militärische Wirkung übersetzt, verschafft sich einen strategischen Vorteil.

Fähigkeitsbausteine moderner Gefechtsführung

Im Zentrum moderner Gefechtsführung steht der Recce-Strike Complex, auch als Aufklärungs- und Wirkverbund bekannt. Er beschreibt das Zusammenspiel von Sensoren, Datenverarbeitung und Wirksystemen über alle militärischen Domänen hinweg. Unterschiedlichste Aufklärungsmittel, von Satelliten bis zu unbemannten Systemen am Boden und in der Luft, liefern in Echtzeit Daten, die KI-gestützt ausgewertet und in präzise militärische Wirkung umgesetzt werden. Ziel ist es, die Zeit vom Erkennen eines Ziels bis zu dessen

Bekämpfung auf wenige Sekunden zu reduzieren und den Schutz der eigenen Kräfte zu erhöhen.

Unbemannte Systeme bilden das Rückgrat eines leistungsfähigen Recce-Strike Complex. Die Kombination aus Boden- und Luftsystemen ist essenziell, wobei bodengebundene Systeme die entscheidenden Vorteile für die Aufklärung liefern. Sie können präzise Zielinformationen in jedem Gelände und unter allen Wetterbedingungen erfassen, ohne dabei Personal zu gefährden.

Unbemannte Bodensysteme wie der GEREON RCS von ARX Robotics setzen Sensoren ein und unterstützen Operationen in schwierigem Gelände. Als Fähigkeitsträger moderner Gefechtsführung sind sie leicht skalierbar, schnell verlegbar und höchst kosteneffizient. Sie liefern, was für die Wirksamkeit in einem gemeinsamen Verbund zählt: Geschwindigkeit, Präzision und Interkonnektivität. Luftsysteme agieren auf Basis dieser erfassten Daten, um schnell und effektiv zu wirken. Die Integration von Boden- und Luftsystemen sorgt für operative Flexibilität, durchgehende Aufklärung und hochwertige Daten für fundierte Entscheidungen – bei gleichzeitig geringer operativer Signatur.

Warum der Aufklärungsvorteil vom Boden kommt

Als bodengebundene Fähigkeitsträger verbringen unbemannte Bodensysteme wie der GEREON RCS die Sensoren, die benötigt werden, um Ziele in jeder Umgebung und unter allen Bedingungen zuverlässig zu erfassen. Im Vergleich zu luftgestützten Systemen, deren

Einsatzdauer meist auf zwei bis vier Stunden begrenzt ist, bieten sie erheblichen Mehrwert, da sie vielfältigere und leistungsfähigere Sensorsuiten aufnehmen können und somit Geschwindigkeit, Präzision und Konnektivität in einem einzigen, robusten System bereitstellen. Sie verkürzen den Sensor-to-Shooter-Zyklus auf wenige Sekunden und liefern präzise Aufklärungsergebnisse, die für eine effektive Bekämpfung notwendig sind. Mit einer Einsatzdauer von bis zu 72 Stunden, uneingeschränkter Wettertauglichkeit und der Fähigkeit, sowohl Aufklärungsmittel als auch Effektoren zu tragen, schaffen sie einen entscheidenden Vorteil für langanhaltende Operationen und Aufklärungsmissionen über ein bis drei Tage hinweg. So stellen sie kontinuierliche Überwachung sicher, liefern essenzielle Daten in einem dynamischen Lagebild und ermöglichen letztlich Führungs- und Wirkdominanz im Gefechtsfeld.

Interoperable Boden- und Luftsysteme werden zu einer integrierten Aufklärungskette: Sensoren erkennen Bedrohungen, KI-gestützte Systeme werten Daten aus, und Effektoren bekämpfen die identifizierten Ziele. Die Rolle des Menschen verschiebt sich dabei vom direkten Steuern einzelner Systeme hin zum Orchestrieren eines automatisierten, vernetzten Verbunds. Der Mensch bleibt Entscheider, während die Technologie Tempo, Transparenz und Präzision liefert.

Übung Haraka Storm: Erprobung eines Recce-Strike Complex unter realen Bedingungen

Kenia, Oktober 2025 – mitten in der Regenzeit, in der stellenweise über 150–200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fallen und der aufgeweichte Boden jede Bewegung zur Herausforderung macht. Genau hier demonstrierten die britischen Streitkräfte gemeinsam mit ARX Robotics, Helsing und weitere Unternehmen, wie moderne Gefechtsführung mit robotischer Unterstützung unter realen, widrigen Bedingungen funktioniert.

Im Rahmen der groß angelegten Übung HARAKA STORM setzten britische Soldaten erstmals einen vollständigen Recce-Strike Complex ein, bei dem die Aufklärung durch eine Bodenkomponente erfolgte: den Gereon RCS von ARX Robotics. Die Plattform wurde als persistenter ISR-Knoten 12 km vor den eigenen Linien eingesetzt und mit visuellen, akustischen sowie elektronischen Sensoren ausgestattet. Trotz Morast, Starkregen und eingeschränkter Sicht erkannte das UGV präzise gegnerische Fahrzeuge, klassifizierte Bedrohungen KI-gestützt und übermittelte exakte Zielkoordinaten und Live-Feeds an das

Führungsteam. Eine HX-2-Loitering-Munition-Drohne neutralisierte anschließend die Ziele ohne Verzögerung.

Der gesamte Ablauf, von der Aufklärung über die Datenweitergabe bis zur Wirkung, wurde erstmals in einer westlichen Armee als geschlossener technischer Recce-Strike Complex demonstriert. Damit war die Übung einer der fortschrittlichsten Nachweise eines funktionierenden Verbundes, der bislang von westlichen Streitkräften gezeigt wurde.

Chancen für deutsche Streitkräfte

Der Recce-Strike Complex wird zur entscheidenden Fähigkeit moderner Streitkräfte. Während andere Akteure unbemannte Systeme taktisch einsetzen, muss Westeuropa strukturelle Hürden überwinden, um diese Fähigkeit aufzubauen. Bodenfahrzeuge bieten eine kosteneffiziente, erprobte Option, Reichweite, Präzision und Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen und gleichzeitig Soldaten zu entlasten. Wer technologische Souveränität sichern will, muss den Verbund aus Sensorik, Daten und Wirkung als Kern modernder Landes- und Bündnisverteidigung begreifen und entsprechend handeln .