KI-Illustration: Gerade der ländliche Raum wird für Rechenzentren interessanter. (Optik: Stephan Scheuer / GPT Image 2)
Warum das wichtig ist
Rechenzentren bilden die Grundlage für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Bislang konzentrierte sich diese Infrastruktur in Europa auf wenige große Knotenpunkte – insbesondere den Großraum Frankfurt, Amsterdam und Dublin.
Doch diese Standorte stoßen zunehmend an ihre Grenzen. Während die Situation in Frankfurt noch vergleichsweise günstig ist, sind die Kapazitäten in Amsterdam und Dublin bereits stark ausgelastet. Aber auch in Frankfurt werden die Engpässe sichtbar: Betreiber müssen dort teilweise bis zu 13 Jahre auf einen Stromanschluss für neue Rechenzentren warten.

Microsoft-Manager Ansgar Baums: Auf der Handelsblatt-Konferenz „Datacenter-Standort Deutschland“ wurde das Rechenzentrum in Grevenbroich angekündigt. (Foto: Handelsblatt / Lea Greub)
Vor diesem Hintergrund verlagern sich Investitionen zunehmend in andere Regionen. Das Rheinische Revier bietet große verfügbare Flächen und verfügt aufgrund seiner Vergangenheit als Braunkohlerevier vielerorts bereits über leistungsfähige Stromanschlüsse. Deshalb interessieren sich Betreiber verstärkt für ehemalige Kraftwerksstandorte und andere bestehende Energieinfrastrukturen.
Parallel verändert sich auch die technische Logik der Standortwahl. Lange galt die Latenz – also die Verzögerung bei der Datenübertragung – als entscheidendes Kriterium. Rechenzentren sollten möglichst nahe an den Endnutzern liegen.
Mit verbesserten Übertragungstechnologien verliert dieser Faktor jedoch an Bedeutung. Dadurch gewinnen neue Regionen an Attraktivität. Vor allem Skandinavien profitiert von großen verfügbaren Flächen, niedrigen Außentemperaturen – ein Vorteil für die Kühlung – sowie vergleichsweise günstigen Strompreisen. Beim Training großer KI-Modelle spielt die räumliche Nähe zum Nutzer ohnehin eine deutlich geringere Rolle als beim späteren Betrieb der Anwendungen.
Der Betrieb von Rechenzentren und Cloud-Infrastrukturen zählt inzwischen zu den profitabelsten Geschäftsbereichen der Technologiebranche. Entsprechend bauen Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Google ihre Aktivitäten kontinuierlich aus. Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, dass auch Meta laut Berichten prüft, künftig selbst als Cloud-Anbieter aufzutreten.
Gleichzeitig wächst jedoch der Widerstand gegen neue Rechenzentrumsprojekte. Obwohl in den USA deutlich mehr Flächen verfügbar sind als in Europa, formieren sich
vielerorts Bürgerinitiativen. Selbst im ländlich geprägten Bundesstaat Utah regt sich Protest gegen das geplante Rechenzentrum „Stratos“.
Die Konflikte ähneln sich häufig. Anwohner fühlen sich nur unzureichend in die Planungen einbezogen. Gleichzeitig entstehen vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze, während der lokale Nutzen oft unklar bleibt.
Eine Analyse der US-Denkfabrik Brookings Institution zeigt jedoch, dass einige Gemeinden erfolgreich bessere Bedingungen aushandeln. So sicherte sich die Landwirtschaftsgemeinde Quincy im Bundesstaat Washington erhebliche zusätzliche Steuereinnahmen. In The Dalles im Bundesstaat Oregon finanzierte Google im Zusammenhang mit seinem Rechenzentrum den Ausbau der Wasser- und Abwasserinfrastruktur und übergab diese anschließend kostenlos an die Kommune.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass Rechenzentren für Regionen nicht zwangsläufig nur Belastungen bedeuten müssen. Entscheidend ist, wie Gemeinden mit Investoren verhandeln und wie die wirtschaftlichen Vorteile zwischen Unternehmen und Standort verteilt werden. Gerade für Deutschland könnten diese Erfahrungen wichtige Anhaltspunkte für den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur liefern.
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