Staats- und Unternehmensziel in China: eine künstliche Superintelligenz (Optik: Larissa Holzki | Dall-E)
Zunächst hatte ein vom Staatssender CCTV verbreitetes Bild für Aufregung gesorgt. Denn es zeigte die Teilnehmer des Empfangs nur von hinten. Für eine Stunde war die wohl meistdiskutierte Frage in den sozialen Medien des Landes: Welcher Hinterkopf gehört welchem Tech-Boss?
Dieses Bild im chinesischen Staatsfernsehen löste Spekulationen aus. (Foto: AP)
Warum das wichtig ist? Für Alibaba-Gründer Jack Ma ist die Einladung von Xi eine Rehabilitierung. Das Staatsfernsehen zeigte schließlich, wie ihm der Staatschef die Hand reichte. An den gesamten Technologiesektor hat die chinesische Führung damit das bisher deutlichste Signal gesendet, dass ihre Kampagne gegen große Tech-Plattformen vorbei ist. An den Börsen kam das sofort an. Bei den chinesischen Tech-Aktien startete eine regelrechte Rally.
Was Sie wissen müssen: Hinter Chinas Technologiesektor liegen schwierige Jahre. Vor allem von 2021 bis 2023 hat die Staatsführung die Konzerne mit harter Regulierung auf die Linie der Kommunistischen Partei gebracht. Offiziell sollte die sogenannte „Berichtigungskampagne“ den Wettbewerb fördern und Kunden wie Mitarbeitende besser schützen. Seitdem herrscht große Unsicherheit.
Dabei galten gerade Jack Ma und Alibaba einst als Vorzeigebeispiele für die chinesische Wirtschaft. Zum Konzern gehört neben einem Onlinemarktplatz und einem Cloud-Geschäft der Finanzdienstleister Ant Financial, der 2020 das weltweit größte Börsendebüt feiern sollte. Der IPO wurde jedoch von den Behörden abgesagt, nachdem Jack Ma in einer Rede die strenge Regulierung des chinesischen Finanzsystems kritisiert hatte. Anschließend verschwand er weitgehend aus der Öffentlichkeit.
Alibaba-Gründer Jack Ma (Foto: Reuters, Getty Images, Bloomberg [M])
Doch nun ist Xi auf die privaten Konzerne angewiesen, berichtet Peking-Korrespondentin Sabine Gusbeth. Im globalen KI-Rennen gelte gerade Alibaba als Hoffnungsträger. Denn die Ergebnisse entwickeln sich gut – und die Aussichten noch besser.
Bei der Präsentation der Quartalszahlen übertraf Alibaba die Erwartungen. Der Quartalsumsatz ist im Vorjahresvergleich um acht Prozent gestiegen – vor allem dank starker Zuwächse im Cloud-Geschäft. Zu dem zählen auch die KI-Aktivitäten.
Für die kommenden drei Jahre hat Alibaba-Chef Eddie Wu angekündigt, sein Unternehmen werde mehr in KI investieren als im gesamten vergangenen Jahrzehnt. Die Entwicklung einer Künstlichen Allgemeinen Intelligenz, die Menschen ebenbürtig sein soll, erhob er sogar zum Hauptziel von Alibaba.
Das passt zu den Zielen von Xi Jinping, der an die „patriotischen Ambitionen“ der Tech-Bosse appellierte und sie aufrief, „sich mit voller Kraft auf ihre Entwicklung zu konzentrieren, gesetzestreu zu wirtschaften und Wohlstand zu teilen, um so einen größeren Beitrag zur chinesischen Modernisierung zu leisten“.
Chinas Staatschef Xi Jinping (Foto: IMAGO/Xinhua)
Der Staatschef will die Euphorie nach dem Überraschungserfolg des chinesischen Start-ups Deepseek ausnutzen, um die Wirtschaft wieder anzufeuern. Der Hinterkopf von dessen Gründer Liang Wengfeng wurde ebenfalls auf dem Foto aus der großen Halle des Volkes identifiziert.
Über Neuigkeiten zu der Firma, die der amerikanischen KI-Szene mit effizienten KI-Modellen einen Schrecken eingejagt hat, berichtet mein Kollege Martin Benninghoff in Shanghai. Die Technologie von Deepseek soll unter anderem in die chinesische Super-App Weixin integriert werden. Mehr als eine Milliarde Menschen verschicken damit Nachrichten, verfolgen die News und buchen Arzttermine.
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