Chinas Chipfertigung: Die Volksrepublik macht Tempo beim Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie.

2026 könnte das Jahr werden, in dem Chinas Chipindustrie erstmals offen ihre Stärke zeigt. Der Börsengang des Halbleiterentwicklers Biren vor wenigen Tagen mit einem Kurssprung von fast 80 Prozent war dafür ein Vorbote. Tech-Gigant Baidu will seine Chipsparte Kunlunxin vermutlich in den nächsten Monaten an die Börse bringen, weitere Kandidaten stehen bereit.

Chinas Chipfertigung: Die Volksrepublik macht Tempo beim Aufbau einer eigenen Halbleiterindustrie. (Foto: Michel Becker/Sora)

Warum das wichtig ist: Eine chinesische Chipindustrie, die sich eigenständig finanziert und international wahrgenommen wird, ist geopolitisch wie wirtschaftlich ein Faktor. Sie entscheidet mit darüber, wer künftig die Rechenleistung für Künstliche Intelligenz liefert und zu welchen Bedingungen.

In einer großen Handelsblatt-Analyse hat sich Stefan Scheuer gemeinsam mit dem Chip-Experten Joachim Hofer und dem China-Korrespondenten Martin Benninghoff diese Entwicklung genauer angesehen.

Zu den wichtigsten Akteuren zählen auch Alibaba und Cambricon – Unternehmen, die mit eigenen KI-Prozessoren (GPU) den Weltmarktführer Nvidia herausfordern wollen. Und dann ist da Moore Threads, ein GPU-Spezialist, der bereits eindrucksvoll demonstriert hat, wie groß der Kapitalmarkt-Appetit auf chinesische Chip-Geschichten ist.

Doch Chinas Ambitionen reichen weiter als bis zum Chipdesign. Mit SMIC arbeitet die Volksrepublik daran, eine eigene Alternative zu TSMC aufzubauen – jenem taiwanischen Auftragsfertiger, ohne den heute kaum ein modernes Smartphone, kein Rechenzentrum und kein iPhone auskommt.


Chips von MetaX, Cambricon und Alibaba, Alibaba-Gründer Jack Ma. (Foto: Reuters, Getty Images, PR)

Dass so große Teile der globalen Elektronikproduktion an einem geografisch und geopolitisch sensiblen Ort konzentriert sind, sorgt seit Jahren für Nervosität in Politik und Wirtschaft. Genau hier setzt China an: Abhängigkeiten reduzieren, industrielle Souveränität aufbauen, Stück für Stück.

Der Engpass liegt allerdings nicht nur in der Fertigung, sondern auch bei den Maschinen. Die modernsten Anlagen zur Chipproduktion kommen bislang vom niederländischen Weltmarktführer ASML. Weil Den Haag den Export dieser Technologie nach China untersagt hat, beschleunigt Peking nun den Aufbau eigener Ausrüster. Unternehmen wie Sicarrier, ein enger Partner von Huawei, sollen helfen, diese Lücke zu schließen.

Was sich 2026 ändert: Die neue Stärke der chinesischen Chipfirmen wird sichtbar. Das liegt an der wachsenden Zahl von Börsengängen. Sie zwingen die Unternehmen zur Transparenz: Investoren bekommen erstmals einen tieferen Einblick, wo chinesische Chipfirmen tatsächlich stehen, was sie leisten können und wo ihre Grenzen liegen. Gleichzeitig öffnet sich damit auch für internationale Anleger ein Markt, der bislang schwer zugänglich war.

Das fällt in eine Phase, in der in den USA zunehmend über Übertreibungen und mögliche Rückschläge im KI-Sektor diskutiert wird. In China hingegen steht die heimische Chipindustrie noch am Anfang ihres Kapitalmarktzyklus. Genau darin liegt die strategische Spannung dieses Jahres: Während der Westen über das Ende des Booms nachdenkt, beginnt China erst, seine industrielle KI-Infrastruktur sichtbar zu machen.


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