Batterie-Boom in Deutschland – Wie Großspeicher einen Beitrag zu mehr Flexibilität, Kosteneffizienz und Netzstabilität leisten können.

Gute Nachrichten für die Energiewende? Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber melden einen „Boom” an aktuellen Anschlussbegehren für große Batterieenergiespeichersysteme (BESS), der die bereits angeschlossene Gesamtleistung von 1,5 Gigawatt um das 100-fache übersteigt. Bereits die Realisierung eines Bruchteils davon überträfe die Erwartungen des Netzentwicklungsplan Strom um ein Vielfaches. Dieser sieht lediglich 43-54 GW Leistung aus Großspeichern vor und das wohlbemerkt für das Jahr 2045.

Diese unerwartet schnelle Entwicklung wird durch mehrere Faktoren befördert. Hierzu gehören reduzierte Gewinnspannen, vertikale Integration und niedrige OPEX, so dass BESS-Projekte bereits heute ohne öffentliche Subventionen auskommen. Im Ergebnis entsteht auf der Verbrauchsseite ein enormes Potenzial, Lasten flexibel zu verschieben, Spitzen zu kappen und negativen Strompreisen sowie Abregelungen von PV- und Windkraftanlagen entgegenzuwirken. Erneuerbare Energien werden effizienter genutzt, der Einsatz konventioneller Kraftwerke verringert, CO2-Emissionen vermieden und der Bedarf an zusätzlichen steuerbaren Kapazitäten gesenkt. Neben BESS sind – die richtigen Anreize vorausgesetzt – in den kommenden Jahren weitere signifikante Flexibilitätsoptionen zu erwarten, so zum Beispiel durch die Nutzung der Batteriekapazitäten von Elektroautos und Wasserstoff-Elektrolyseuren. Für die Systemintegration erneuerbarer Energien sind das zunächst einmal sehr gute Aussichten.

Allerdings stehen die Verteilernetz- und Übertragungsnetzbetreiber im Hinblick auf den Wind- und PV-Ausbau,  Wärmepumpenzubau und die Elektromobilität weiterhin vor großen Herausforderungen. Neben einem Investitionsbedarf im dreistelligen Milliardenbereich für Netzerweiterungs- und Ersatzmaßnahmen bis 2045, steht die langsame Digitalisierung des Energiesystems einer effizienten Nutzung von Flexibilitäten im Weg. Die Netzbetreiber müssen ihrerseits den technologischen Fortschritt berücksichtigen und den schnellen Roll-Out kostengünstiger, leistungsfähiger und zeitgemäßer Mess- und Steuerungstechnik vorantreiben. Hierzu gehört nicht zuletzt, dass Sie ihre eigenen Systeme für Netzmonitoring und –steuerung in kürzeren Intervallen als bisher ertüchtigen.

Positiv hervorzuheben sind die ab 2025 geltenden zeitvariablen Netzentgelte, die einen Beitrag zur präventiven Beseitigung von Netzengpässen leisten dürften. Grundsätzlich gilt es aber, keine Zeit mehr zu verlieren und eine umfassende Reform der Netzentgeltstruktur vorzunehmen. Hierbei sollte erwogen werden, die Leistungs- und Arbeitspreislogik durch ein Infrastrukturanschlussentgelt zu ersetzen und um ein Flexibilitätsentgelt des Netzbetreibers zu ergänzen.

Darüber hinaus sind Kapazitätsvorhaltemechanismen technologieoffen auszugestalten, nach wie vor bestehende Hemnisse für BESS abzubauen sowie verbindliche Speicherziele und Investitionen in Speicherlösungen von Anfang an mitzudenken. Konkrete Vorschläge hierfür liegen längst vor, beispielsweise vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) und dem Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES).

Gelingt es uns, hier die richtigen Weichen zu stellen, kann der erwartete Boom an Batteriegrosspeichern einen essentiellen Beitrag für die Kosteneffizienz und Netzstabilität leisten.