Auf das Geschäftsverständnis kommt es an!

Belastbare Restrukturierungskonzepte in unsicheren und komplexen Zeiten erfordern eine genaue Analyse des Marktumfeldes und besondere Sorgfalt bei der Anpassung des Geschäftsmodells

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Artikel aus dem Handelsblatt Journal Restrukturierung, Sanierung, Insolvenz vom 25.04.2024

Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa hat sich merklich abgekühlt. Insbesondere die Entwicklung der großen Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien und dem Vereinigten Königreich ist schwach. Dies spiegelt sich auch in unserer jährlichen Umfrage unter Restrukturierungsexperten wider: Circa 95 % der Befragten geben an, dass mit einem herausfordernden und komplexeren zukünftigen Marktumfeld zu rechnen ist. Die Gründe für den negativen Ausblick sind auf der einen Seite „bekannte“ Herausforderungen aus den Vorjahren wie zum Beispiel geopolitische Risiken, hohe Rohstoffund Energiekosten sowie disruptive Marktveränderungen. Neu als Herausforderung hinzugekommen sind hohe Kosten für die Finanzierung, welche sich aus gestiegenen Zinsen gepaart mit einer erhöhten Verschuldung der Unternehmen ergeben.

Herausforderungen aus den Vorjahren bleiben relevant

Gemäß unserer Umfrage wirken sich die geopolitischen Risiken insbesondere auf die Stabilität der Lieferketten aus. Durch die hohe Vernetzung der globalen Lieferketten entfalten auch lokal beschränkte Ereignisse eine globale Wirkung auf die Lieferketten – wie zum Beispiel die Angriffe der Huthi Rebellen auf die Handelsrouten im roten Meer, welche einen kurzfristigen Anstieg der Container- Frachtraten um das Dreifache zur Folge hatten.

Die Rohstoff- und Energiekosten haben sich im Vergleich zu ihren Höchstständen Anfang 2022 merklich erholt. Die Kosten rangieren aber dennoch bei wichtigen Rohstoffen immer noch 30-40 % höher als vor der COVID-19 Pandemie.

Disruptive Veränderungen sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Studie vor allem bei Technologien, welche Unternehmen effizienter machen, den Automatisierungsgrad erhöhen oder zu neuen Produkten und Angeboten führen. Zudem erwarten Sie einen Investitions- und Veränderungsdruck in Folge der gestiegenen Anforderungen zur Reduktion der CO2-Emissionen. Neue Plattformen zur Bedarfsgenerierung, wie zum Beispiel das Metaverse, werden hingegen kaum als relevant erachtet.

Finanzierung wird teurer, Private Debt ist auf dem Vormarsch

Der Schuldenbestand im Euroraum ist seit 2019 um circa 14% auf nun circa 5,1 Trillionen Euro gestiegen. Auf diesen hohen Schuldenstand trifft nun die Einleitung der Zinswende. Die absolute Höhe des Leitzinses befindet sich damit zwar immer noch unterhalb der Werte von vor der Finanzkrise, das Kernproblem ist aber der kurze Zeitraum, in dem dieser Anstieg erfolgte. Die Anhebung des Zinses um fast 4 Prozentpunkte innerhalb von 14 Monaten hat nicht nur dazu geführt, dass sich Rentabilität von Investitionsprojekten in kurzer Zeit massiv geändert hat, sondern erhöht auch die Finanzierungskosten bei der Refinanzierung der in den letzten Jahren aufgenommenen Kredite.

Implikationen für Restrukturierungssituationen und deren Akteure

Dieses Spannungsfeld aus Markt und Finanzierungskosten wird mehr Restrukturierungs- und Turnaround-Situationen hervorbringen. Aber wie müssen sich die Akteure in der Restrukturierung, wie zum Beispiel Chief Restructuring Officers (CRO), Banken, Anwälte und Berater an diese Situation anpassen?

Gemäß unseren Umfrage-Ergebnissen wird Künstliche Intelligenz auf jeden Fall nicht die Arbeit in der Restrukturierung automatisieren. Auch die Erfüllung von ESG-Kriterien und die Vermeidung von Cyber-Risiken spielt gemäß unserer Befragung nur eine nachgelagerte Rolle.

Was die Befragten in unserer Studie allesamt fordern, ist ein tieferes Verständnis des Marktumfeldes des Unternehmens in der Krise und eine sorgfältige Auseinandersetzung mit dem richtigen Geschäftsmodell zur Bewältigung der Herausforderungen (siehe Abbildung). In Zeiten steigender Komplexität sind maßgeschneiderte und in Szenarien gedachte Restrukturierungskonzepte gefordert – und kein standardisiertes Vorgehen oder Blaupausen aus der Vergangenheit.

Oliver Wyman

www.oliverwyman.de

Das aktuelle Handelsblatt Journal
Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „Restrukturierung, Sanierung, Insolvenz“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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