Arbeit neu denken im Zeitalter der KI-Transformation – warum es für den radikalen Fortschritt Mut und die richtige Führung braucht

KI als Treiber einer tiefgreifenden Transformation in der Energiebranche

Die Energiebranche steht vor einer beispiellosen Transformation – angetrieben durch die Notwendigkeit, Betriebsabläufe zu optimieren und die Kundenzufriedenheit zu steigern: Von der Optimierung der Energieerzeugung über das Verbrauchsmanagement bis hin zur prädiktiven Wartung und Netzsteuerung – KI hat das Potenzial, die Energiebranche grundlegend zu verändern und einen bedeutenden Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Messbare Effekte heute – wirtschaftliche Relevanz morgen

Laut einer aktuellen Studie des IBM Institute of Business Value (IBV) berichten Energieunternehmen (https://ibm.biz/utilities-ai-era) bereits heute von deutlichen Verbesserungen in Bezug auf die Servicezuverlässigkeit (10%), Netzverfügbarkeit (11%) sowie im Bereich der Kundenzufriedenheit (10%) durch den Einsatz von KI.

Mit Blick auf die Zukunft schätzen Führungskräfte, dass etwa 15% des Umsatzes im Jahr 2028 auf KI -getriebene Initiativen zurückzuführen sein werden. Es stellt sich die Frage, mit welcher Methode grundlegende Veränderungen möglich werden. Und vor allem: Welche Rolle spielt der Mitarbeitende bei der Neugestaltung von Arbeit in Zeiten von KI?

Technologische Machbarkeit reicht nicht aus

Häufig haben bei der Einführung von KI technische Expertise, Partnerschaften mit Technologiepartnern und die Auswahl und Umsetzung der richtigen Anwendungsfälle Priorität. Die zentrale Frage lautet jedoch: inwiefern erlebt der Mitarbeitende die Automatisierung der eigenen Tätigkeit langfristig als beruflichen Vorteil? Was motiviert ihn dazu, aktiv nach Lösungen zu suchen, die eigene Arbeit zu optimieren, ohne sich selbst entbehrlich zu machen? Wohlwissend, dass in Studien von 2021 bereits deutlich wurde, dass 75% der Sozialversicherten in Deutschland Tätigkeiten nachgehen, die zu einem erheblichen Umfang automatisiert werden könnten.

Vertrauen als Voraussetzung für echten Wandel

Um die Möglichkeiten, die KI bietet, voll auszuschöpfen, geht es in erster Linie nicht mehr um die technische Machbarkeit. Sie wurde bereits zur Genüge unter Beweis gestellt. Quantencomputer werden auch den letzten Zweifel an Leistungsfähigkeit ausräumen. Primär braucht es aktuell den Mitarbeitenden, der Vertrauen in die Unternehmensführung hat und sich so weit sicher fühlt, dass er den Wandel mitgestalten kann und will. Arbeit muss also neu gedacht, neu designt werden. Radikale Ideen dürfen auf den Tisch kommen, müssen diskutiert und offen besprochen werden.

Führung trägt Verantwortung für die Qualität von Arbeit

Die Führungsebene ist dazu angehalten, sich dazu zu bekennen, Arbeit in Zeiten von KI nicht zu ersetzen, sondern neu zu denken. Es hilft beispielsweise dem Mitarbeitenden im Kundenservice nicht, wenn sämtliche schnell zu lösenden Fälle einfach automatisiert werden, und er stattdessen die gleiche Arbeitszeit mit ausschließlich komplexen Fällen verbringen muss. Dies kann zu Erschöpfung, Frustration und Ablehnung von KI-Einsatz führen und in Zeiten des Fachkräftemangels den mühsam erkämpften Fortschritt zunichte machen. Die stumpfe Eliminierung einfacher Tätigkeiten hätte diesen Effekt – auf jeder Ebene im Unternehmen.

KI-Transformation braucht ein wertebasiertes Vorgehensmodell

Der Einsatz von KI in Kernprozessen und bedeutenden Betriebsabläufen ist eine fundamentale Transformation und kann folglich kein Selbstläufer sein. Es wäre fatal, ausschließlich auf die intrinsische Schulungs- und Innovationsfreudigkeit der Belegschaft zu setzen, wenn das Ergebnis ein wirklicher „Game Changer“ werden soll.

Stattdessen ist das Management gefordert, ein wertebasiertes Vorgehensmodell für den Einsatz von KI zu entwickeln und für die Sicherstellung würdevoller und wertstiftender Arbeit einzustehen.

Zentrale Handlungsfelder für eine menschenzentrierte KI-Transformation

  • Offene und transparente Kommunikation: Ziele und Prozesszielbilder sollten gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt werden.
  • Befähigung: Mitarbeitende sollten zielgerichtet und tätigkeitsbezogen in die Lage versetzt werden, KI einzusetzen. Die unendliche Fülle frei verfügbarer Schulungsangebote hilft hier nur bedingt: Oft fehlt der direkte Praxisbezug, und die Beschäftigung mit dem Thema wird eher als freiwilliges Hobby wahrgenommen, das zusätzlich zur eigentlichen Arbeit erledigt werden muss.
  • Orientierung: Es sollte die Möglichkeit geben, Widerstände von Mitarbeitenden früh aufzugreifen und gleichzeitig Langfristorientierung und Struktur zu geben.
  • Soziale Interaktion: Das professionelle Einrichten bereichsübergreifender Netzwerke und Communities erhöht die Reichweite und Nachhaltigkeit von KI-Initiativen.

Werte als Fundament: Orientierung durch gemeinsame Prinzipien

Um das menschenzentrierte Vorgehen zu belegen, nutzen viele Unternehmen der Energiewirtschaft bereits die Werte-Charta der Human Friendly Automation Alliance e.V. und beteiligen sich an deren Aktivitäten. Die Alliance vereint branchenübergreifend Entscheider*innen und Experten*innen, die den Erhalt sinn- und wertstiftender Arbeit für Menschen in Einklang mit den Produktivitätschancen durch KI bringen.

Was bedeutet das konkret für Energieunternehmen?

Ein Dialog über das Grundverständnis von KI ist entscheidend. Denn sie ist kein rein technisches Projekt, sondern eine historische Chance. Sie ermöglicht nicht nur mehr Effizienz in den Prozessen, sondern faktische Marktführerschaft. KI ist kein Instrument, um Arbeitsplätze abzubauen, sondern Anlass für einen Dialog darüber, wie Arbeit qualitativ besser werden kann. Wer diese Auseinandersetzung wagt, wird Fachkräfte anziehen und KI schneller und erfolgreicher skalieren können.