Antizyklische Investoren am Zug

Zwanzig Prozent: So stark müssen die Kaufpreise von Gewerbeimmobilien in den kommenden Monaten durchschnittlich sinken, damit diese Investments mit anderen Anlageklassen wie z. B. Anleihen konkurrieren können. In Jahresmieten ausgedrückt zeigen selbst Top-Büroimmobilien nur noch Kaufpreise vom maximal 25-fachen der Jahresmiete, während es in der Spitze das 35-fache oder mehr war.

Noch können sich Käufer und Verkäufer oft nicht über ein passendes Preisniveau verständigen. Entsprechend ist das Investitionsvolumen bei Büroimmobilien vom ersten Halbjahr 2022 zum ersten Halbjahr 2023 um knapp 80% eingebrochen.

Der Verkaufsdruck wird steigen

Dies dürfte sich aber bald ändern. Der Verkaufsdruck wird bei zahlreichen Marktteilnehmern im kommenden Jahr deutlich steigen. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Sie können von bisher aufgeschobenen Bewertungskorrekturen, die einen Bruch der LTV-Covenants auslösen und Eigenkapitalnachschusspflichten nach sich ziehen, über Liquiditätsbedarf im Zuge von anstehenden Refinanzierungen bis hin zu Mittelabflüssen bei offenen Fondsstrukturen reichen. Davon betroffene Eigentümer könnten zum Verkauf gezwungen sein und Preisabschläge insbesondere für Objekte akzeptieren, die länger im Bestand gehalten wurden und trotz Preiskorrektur über historischen Anschaffungswerten oder gar über Buchwerten liegen.

Transformationsobjekte und A-Lagen bieten Chancen

Demgegenüber steht eine wohl auch mindestens im nächsten Jahr noch verhaltene Nachfrage nach Immobilieninvestments. Attraktive Alternativen auf der Fixed- Income-Seite und schmerzhafte Erfahrungen im aktuellen Umfeld werden dazu führen, dass manche Investoren bei Rückkehr auf die Käuferseite Vorsicht walten lassen.

Jetzt sind Anleger am Zug, die „kaufen, wenn die Kanonen donnern”. Insbesondere bei nicht ESG-konformen, unrenovierten und älteren Immobilien werden signifikante Abschläge zu sehen sein. Gut kapitalisierte Anleger mit Kompetenz in der Revitalisierung und Dekarbonisierung von Immobilien können hier sehr gute Einstiegsmöglichkeiten finden. Ebenso werden Objekte in bevorzugten Lagen wieder mehr gehandelt werden, die in Boomzeiten nur zu sehr hohen Preisen auf dem Markt waren. Spezialisierte Investoren werden einen gezielten Wiedereinstieg in den Investmentmarkt im Laufe des Jahres 2024 in Erwägung ziehen.

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Gut kapitalisierte Anleger mit Revitalisierungs- und Dekarbonisierungskompetenz können sehr gute Einstiegsmöglichkeiten finden.

Nico RheimsManaging Director Real Estate, Ardian Germany
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Dieser Artikel ist im aktuellen Handelsblatt Journal „IMMOBILIENWIRTSCHAFT“ erschienen. Das vollständige Journal können Sie sich hier kostenlos herunterladen:
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